Analyse der Systeme Ancelotti und Guardiola

Trainer erklärt: Darum ist das FCB-Spiel jetzt schwächer als unter Pep

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Der Nachfolger trifft den Vorgänger: Carlo Ancelotti (l.) mit Pep Guardiola.

München - Nach zehn Pflichtspielen zieht David Niedermeier von der Münchner Fußball Schule (MFS) eine kleine Zwischenbilanz. Er ordnet die Arbeit von Carlo Ancelotti im Vergleich zu Pep Guardiola ein.

Nach zehn absolvierten Pflichtspielen wollen wir eine kleine Zwischenbilanz ziehen und die Arbeit von Carlo Ancelotti im Vergleich zu Pep Guardiola einschätzen. David Niedermeier von der Münchner Fussball Schule nimmt für Fussball Vorort beide Trainer unter die Lupe. Natürlich haben wir keinerlei Insiderwissen und können nur an Hand der Spiele und der Berichterstattung der Medien ein kleines „mit Vorsicht zu genießendes“ Resümee ziehen.

Ancelotti ist bekannt für seine Vaterrolle, die er einnimmt, um die Stimmung seiner Superstars auf dem höchsten Niveau zu halten. Spieler wie Frank Ribéry scheinen volles Vertrauen zu genießen und wirken regelrecht befreit. Dies kann man an der tollen Form des Franzosen feststellen.

Ancelotti kündigte in den Medien selbst an, vermehrt das Anspiel in die Spitze zu fordern, um damit vom dominanten Ballbesitzspiel von Pep Guardiola wegzukommen. Dies kann man mittlerweile auch im Spiel erkennen: Der Ballbesitz ist im Schnitt um etwa 10 Prozent nach unten gegangen. Doch welchen Einfluss hat dies auf das Spiel der Bayern?

Bayern-Spiel jetzt attraktiver - aber nur für Zuschauer

Wir finden, dass das Spiel für den Zuschauer, aber nicht für den Trainer, um einiges attraktiver geworden ist. Durch vermehrtes risikobehaftetes Spiel nach vorne entstehen mehr Ballverluste der Bayern und ermöglicht so mehr Umschaltsituationen auf beiden Seiten.

Der Gegner erobert den Ball, versucht zu Kontern, die Bayern erobern den Ball zurück und können daraufhin selbst wieder Kontern. Dadurch entsteht ein höchst ansehnliches Spiel mit vielen Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Bei fast keinem Spiel konnte man am Ende sagen, dass die Bayern das Spiel absolut dominiert haben und verdient alle Spiele gewonnen haben. Gegen Schalke, Ingolstadt, Hamburg und auch letzte Woche gegen Atletico waren die Spiele eher ausgeglichen und hätten auch verloren gehen können. Dies liegt genau an dem soeben angesprochenen Kontrollverlust des Spieles, der mit schnellem Spiel in die Spitze einhergeht.

Guardiola-System ließ kleinen Gegnern keine Chance

Unter Guardiola hatten vor allem die kleineren, schwächeren Teams wie Ingolstadt oder auch Hamburg nicht den Ansatz einer Torchance. Klar, denn es gab auch auf Grund der Spielanlage kaum Kontermöglichkeiten. Die Kontrolle und die damit verbundene Dominanz wurde stets durch Ballbesitz und dem Ersticken von Kontersituationen durch gezieltes Vorbereiten der Defensive noch vor Ballverlust gewährleistet. Während Guardiola die Schwäche des Gegners stets vorab ausgemacht hatte und seinen Spielaufbau sowohl in System als auch durch Veränderungen im Spielaufbau abgestimmt hatte, scheint Ancelotti sein System völlig unabhängig vom Gegner spielen zu lassen.

Ancelotti-System öffnet die Mitte - ein Risiko

Ancelotti lässt zwar im Spielaufbau beide 8er (Thiago und Vidal) auf die Flügel ausweichen, um dort Überzahl zu schaffen. Das Problem liegt jedoch darin, dass es beide Spieler gleichzeitig tun und somit das Zentrum völlig öffnen. Zum anderen dürfen die Spieler nun mit mehr Risiko frei nach vorne spielen. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Ballverlust und der Konter ist durch das Vernachlässigen des Zentrums nicht mehr abzufangen. Zudem stehen die Außenverteidiger sehr hoch. Alonso so alleine gelassen kann dies nicht mehr auffangen.

Unter Guardiola sind die zentralen Mittelfeldspieler auch immer wieder auf den Flügel ausgewichen. Doch jetzt wird dies nur einseitig getan während die ballferne 6 nicht auf dem Flügel verharrte, sondern in das Zentrum einrückte, um so einen Konter zu unterbinden. Dadurch, dass nun beide dies tun, entstanden vor allem gegen Schalke und Atletico sehr viele Kontermöglichkeiten.

Ancelotti-System half Atletico mehr als Bayern

Bayern hat zwar unter Guardiola letztes Jahr gegen das Team von Diego Simeone auch 0:1 verloren, aber Atletico hatte höchstens zwei gute Tormöglichkeiten. Im letzten Spiel letzter Woche hatte Atletico 8- 10 gute Tormöglichkeiten und man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, Bayern wäre die bessere Mannschaft. Welchem Team spielte das ständige hin und her mehr in die Karten? Wir glauben dem technisch schwächeren, aber kämpferisch starken Team von Atletico Madrid.

Es scheint auch, als sei das präzise Passspiel, dessen Qualität stets von Guardiola penibel korrigiert wurde, etwas verloren gegangen. Spieler wie Boateng und Philipp Lahm haben bei weitem nicht mehr die Präzision in Ihrem Spiel. Es wirkt als wäre das Team auch mental nicht ganz bei der Sache. Während viele offensive Spieler sich unter Ancelotti befreit fühlen und hohes Risiko gehen, wirken die defensiven Spieler verunsichert. Nicht nur im Spielaufbau, sondern auch in Ihrem taktischen Verhalten.

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Mit Guardiola verlor Bayern auch seine Dominanz

Die neu gewonnene Freiheit in der Offensive führt zur Vernachlässigung der Defensive, was die defensiven Spieler frustrieren dürfte. Ob so eine Einheit auf dem Platz entsteht wird man sehen. Wir finden, dass das Spiel der Bayern aus Trainersicht fast 20 % schwächer geworden ist.

Dass Bayern das wirklich bessere Team ist, kann man nur noch an Hand der individuellen Klasse der Einzelspieler ausmachen, aber nicht mehr an der einstigen Dominanz des gesamten Teams. Guardiolas Wechsel nach Manchester ist Stand jetzt ein Verlust für den FC Bayern. Die meisten Fußballfans werden jedoch froh sein, dass die Bundesliga wieder spannend wird.

Ein gute Fußballzeit!

Euer David "Faxe" Niedermeier

 

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