Wohin mit dem Innenverteidiger?

Ancelottis Problem mit Martinez

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Fingerzeig auf einen Großen: Renato Sanches (l.) und Javi Martinez gegen Gladbach. Bald könnten sie Mittelfeld-Konkurrenten sein.

München - Der Spanier ist nach seiner Verletzung schneller zurück im Kader des FC Bayern als erwartet. Carlo Ancelotti muss sich in der Innenverteidigung entscheiden. Es gibt einen Ausweg für Martinez.

München – Der FC Augsburg ist in der vergangenen Saison relativ oft und lange im Kopf von Javi Martinez gewesen, deutlich mehr als andere Bundesliga-Klubs vergleichbarer Güteklasse. Denn wenn man aus einer langen Verletzung zurückkommt, hat man stets ein Ziel vor Augen, und als Fußballer eben ein bestimmtes Spiel, in dem man wieder einsatzfähig sein will. Der Spanier hatte dieses Ziel oft revidieren müssen, weil ihn nach seinem Kreuzbandriss zahlreiche Rückschläge ereilten. Das Spiel gegen den FC Augsburg im Herbst vor einem Jahr sollte es dann aber wirklich sein. „Sein Knie ist perfekt“, verkündete Pep Guardiola damals, kurz bevor sich sein Kader auf den Weg nach Schwaben machte. Gut, der (Ex-)Trainer neigte gelegentlich zu Übertreibungen, Javi Martinez saß dann nur auf der Bank. Aber: Er war dabei. Das war das Wichtigste.

Der FC Augsburg ist auch diese Woche wieder im Kopf von Javi Martinez, und zwar erneut deutlich mehr als andere Bundesliga-Klubs vergleichsbarer Güteklasse. Gleich zwei Mal spielen die Bayern in dieser Woche gegen den bayerischen Nachbarn, zunächst am Mittwochabend (20.45 Uhr, hier im Live-Ticker) zu Hause in der zweiten Runde des DFB-Pokals, dann am Samstag in Augsburg in der Bundesliga. Für Martinez, der beim Sieg gegen Gladbach wieder aus einer Verletzungspause kam und sich nun herantasten muss, sind es erneut wichtige Spiele. Denn im Moment sind sowohl er selbst als auch Carlo Ancelotti auf der Suche nach der optimalen Position für den Mann, der auch vier Jahre nach seinem Wechsel noch der teuerste Transfer des FC Bayern ist.

Martinez hat sich von der 40-Millionen-Euro-Last nie beeinflussen lassen

40 Millionen Euro schüren Hoffnungen, das lehrt dem Defensivspieler die Erfahrung aus den letzten Spielzeiten. Es spricht aber für ihn, dass er sich von dieser Last nie hat beeinflussen lassen, sondern sein Spiel durchgezogen hat, so gut es eben ging. Dabei hat der Bursche bittere Pillen schlucken müssen, war nach seiner grandiosen ersten Saison inklusive Triple-Gewinn unter Jupp Heynckes müde, ausgelaugt und verletzungsanfällig, riss sich dann das Kreuzband und fiel gar 13 Monate aus. Und auch seitdem ist er immer wieder angeschlagen, wenn man gerade das Gefühl hat: Jetzt ist er wirklich 40 Millionen Euro wert. Im Frühjahr erwischte es ihn böse, zwei Monate musste er wegen eines Meniskusschadens pausieren. Zum Start unter Ancelotti folgte nun der Rückschlag, als es so schien, dass er nach starken Leistungen in der Innenverteidigung mehr Chancen auf einen Stammplatz als Mats Hummels habe.

Ancelotti konnte den drohenden Konflikt auf der Position, auf der Personalentscheidungen ihm „besonders schwer fallen“, zunächst aufschieben. In den kommenden Wochen aber, wenn Martinez, Hummels und der gegen Gladbach geschonte Jerome Boateng fit bleiben, wird er Lösungen für sein Luxusproblem finden müssen. Der Italiener kündigte daher am Freitag nicht ohne Hintergedanken an, dass Martinez auch im Mittelfeld „sehr gut spielen“ könne. Es ist wahrscheinlich, dass der Spanier in den Konkurrenzkampf weiter vorne einsteigen wird – und ein defensiver Mittelfeldspieler weichen muss.

Ancelotti setzt auf „Javis Persönlichkeit“

Arturo Vidal gab zwar im „kicker“ an, dass ihm „der Rhythmus“ fehle, wird aber gesetzt sein. Martinez könnte dem Chilenen der handlungsschnelle Partner sein, der etwa bei der Niederlage in Madrid vor drei Wochen gefehlt hat. Der Spanier spielt lieber vor als in der Abwehr, das Umschaltspiel beherrscht er, seine Fähigkeiten bei der Balleroberung sind unumstritten. „Vor allem in schweren Spielen“, sagte Ancelotti, „setze ich auf Javis Persönlichkeit“. Gut möglich, dass Xabi Alonso dann weichen muss.

Martinez hat nicht erst einmal bewiesen, dass ihm das große Rampenlicht liegt. Im Wembley-Finale 2013 spielte er bärenstark, und auch ein Jahr später, als es im Pokalfinale wieder gegen den BVB ging, bedankten sich viele Bayern bei ihm. Guardiola hatte ihn damals gleich auf drei Positionen eingesetzt, Martinez passte sich immer wieder an. Er liest Situationen extrem gut und schnell. Mal spielt er mit Köpfchen, mal mit Körpereinsatz.

Flexibilität – genau das ist die Gabe, die den Nationalspieler auch unter Ancelotti sehr wertvoll machen kann. Gegen die Großen, aber auch gegen den FC Augsburg. Eins ist klar: Mit einem Platz auf der Bank – wie vor einem Jahr – wird Martinez diese Woche nicht zufrieden sein.

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