DFB-Pokal

ARD-Frau Julia Scharf: Darum fahren die Bayern nach Berlin

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"Mein Bauch sagt Dortmund, der Verstand rechnet mit den Bayern", sagt ARD-Moderatorin Julia Scharf.

München - Heute Abend berichtet sie für die ARD live vom Pokal-Kracher aus der Allianz Arena – im Vorfeld analysiert Sportschau-Moderatorin Julia Scharf das Halbfinale zwischen dem frischgebackenen Deutschen Meister FC Bayern und der Borussia aus Dortmund exklusiv für tz.de.

Die Verletztenliste wird kleiner, den furiosen Champions-League-Auftritt gegen Porto sowie die gerade gewonnene Meisterschaft im Rücken – eigentlich spricht heute Abend alles für die Elf von Pep Guardiola, oder Frau Scharf? 

Auf dem Papier spricht sicherlich viel für die Bayern, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Jürgen Klopp und die Dortmunder wissen sehr gut, wie man in München gewinnt und insbesondere, wie man die Bayern im Pokal schlägt – auch, wenn es schon ein bisschen länger her ist.

Wie stehen die Chancen für den BVB in der Allianz Arena?

Seit Sommer 2014 moderiert Julia Scharf die Sportschau am Sonntag.

Seit klar ist, dass Jürgen Klopp sich nach dem Saisonende vom BVB verabschiedet, gibt seine Mannschaft natürlich nochmal Vollgas für ihren Coach. Das ist in den letzten Wochen nicht zu übersehen. Für die Dortmunder ist der Pokal in dieser Spielzeit die letzte Chance auf einen Titel. In der Liga ist man mit zuletzt zwei „Zu-Null“-Siegen in Folge wieder im Aufwind und ich habe beim Viertelfinale gegen Hoffenheim live am Spielfeldrand miterlebt, welche Energien das Team auch in brenzligen Situationen freisetzen kann - insbesondere, wenn es am Anfang vielleicht mal nicht so läuft, wie gewünscht. Nach dem Siegtreffer von Sebastian Kehl in der Verlängerung konnte man die Luft im Signal-Iduna-Park quasi knistern hören und ich denke, dass ihnen insbesondere dieses Spiel nochmal eine Menge Auftrieb und Selbstvertrauen für den Saisonendspurt gegeben hat.

Es wurde zuletzt viel über eine mögliche Verabschiedung Klopps seitens der Bayern im Rahmen des Halbfinals diskutiert, dabei wurden auch erneut Spekulationen über ihn als möglichem FCB-Coach aus der Schublade geholt – wie schätzen Sie solche Aussagen u.a. von Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge ein? 

Sicherlich passiert sowas nie so ganz ohne Hintergedanken. Und allein der Zeitpunkt spricht ja schon dafür, dass man neben dem anstehenden sportlichen Ereignis vielleicht nochmal einen neuen Nebenkriegsschauplatz aufmachen wollte. Ob es allerdings tatsächlich eine bewusste Provokation des FC Bayern war, darüber kann ja nur spekuliert werden. Zudem könnte das ganze Thema natürlich vor dem Spiel auch nochmal eine zusätzliche Motivation für den BVB sein.

Gegen Porto brillierte Xavi Alonso in Peps Mittelfeld gemeinsam mit Philipp Lahm und Thiago – gegen Hertha meldete sich Bastian Schweinsteiger auf beeindruckende Art und Weise zurück. Wem sollte Guardiola heute Abend den Vorzug geben? 

Sicherlich hat Bastian Schweinsteiger in den letzten Wochen noch ein bisschen der Rhythmus gefehlt, aber nach seinem starken Auftritt und dem Siegtreffer gegen Hertha scheint er wieder voll im Saft. Gerade in solchen Partien mit entscheidendem Charakter, kann ein Schweinsteiger immer den Unterschied machen, da er im Zweifel vielleicht noch den einen Meter mehr geht, als manch anderer. Insofern wäre es für mich keine Überraschung, wenn Guardiola ihn auch im Halbfinale von Beginn an Xavi Alonso vorzieht. Ich denke, mit dem Rückenwind aus dem Samstagsspiel wäre sein Einsatz in der Startformation absolut sinnvoll.

Auch die Verletztenliste in den Reihen der Bayern scheint sich langsam aber sicher zu lichten ... 

Absolut - dass schon gegen Dortmund eine mögliche Rückkehr von Arjen Robben ansteht, spielt den Bayern sicherlich zusätzlich in die Karten. Sollte der Flügelflitzer tatsächlich auflaufen, wird Peps Team auf den Außen wieder variabler und für den BVB schwieriger auszurechnen. Zumal Robben bei den Dortmundern ja durchaus als Pokalschreck gefürchtet ist. (lacht)

Also nochmal mit einem Augenzwinkern zurück zur Einstiegsfrage: Warum fahren die Bayern am Ende doch nach Berlin? 

Die Meisterschaft haben die Bayern nach dem vergangenen Spieltag ja bereits auf dem Sofa eingefahren. Da besteht im Hinblick auf das Pokalfinale in Berlin sicherlich noch das Ziel, einen Titel auch nochmal „echt“ und direkt auf dem Rasen zu feiern. (lacht) Die Bayern können am Dienstag zum sechsten Mal in Folge ins DFB-Pokalfinale einziehen – und somit den nächsten Rekord einstellen. Und in den letzten 23 Jahren ist der FCB nur ein einziges Mal zuhause aus dem DFB-Pokal ausgeschieden – das ist natürlich auch noch eine Hausnummer. Aber wie eingangs gesagt: Für die Klopp-Elf ist es die letzte Titel-Chance und Dortmund hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass sie auch aus vermeintlich wenigen Möglichkeiten viel machen können. Die Chancen stehen sportlich 50:50, mein Bauch sagt zwar Dortmund, der Verstand rechnet aber trotzdem mit den Bayern.

Wer wartet in Berlin auf den Sieger des heutigen Spiels? 

Nichts gegen die Arminia aus Bielefeld – aber ich denke, dass sich die Wolfsburger das nicht nehmen lassen werden. Nach der Niederlage gegen Gladbach reist die Elf von Dieter Hecking sicherlich mit einer gehörigen Portion Wut und Willen zur Wiedergutmachung auf die Alm. Ich bin sicher, dass sich die spielerische Klasse der Wölfe in Bielefeld durchsetzen wird und die Niedersachsen nach Berlin fahren.

Interview: Thomas Deterding

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