José Ufarte (74) im tz-Interview

Ex-Atlético-Spieler: "Für die Bayern wird's schwer, wenn ..."

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José Ufarte.

München - Vor über 40 Jahren fügte der FC Bayern im Europapokal der Landesmeister Atético Madrid eine bis heute unvergessene Niederlage zu. Einer der Spieler damals war José Ufarte. In der tz spricht er über das Duell von 1974 und das Halbfinale am Mittwoch.

Die Niederlage ist mittlerweile über 40 Jahre her, vergessen hat sie bei Atlético aber niemand. „Für unsere Alten“, hieß es am Samstag gegen Malaga auf einem Banner der Colchoneros. Schlagt die Bayern für unsere Alten, die im Endspiel des Landesmeisterpokals 1974 gegen den FCB eine der schrecklichsten Pleiten der Fußballgeschichte hinnehmen mussten. Und einer dieser Alten ist José Ufarte. In der tz erklärt der heute 74-Jährige, inwieweit dieses Endspiel von Brüssel am Mittwoch im Calderón eine Rolle spielen wird.

Señor Ufarte, es scheint so, als würden Sie am Mittwoch selbst auf dem Rasen des Calderón spielen?

Ufarte: So?

Na ja, die Fans beschwören ja die Rache für das verlorene Endspiel 1974 herauf.

tz-Redakteur Lopez mit José Ufarte.

Ufarte: Was geschehen ist, ist geschehen. Klar, für uns war diese verfluchte 120. Minute ein riesiger Schlag ins Gesicht. Wir standen Sekunden vor dem Europapokal, dann tauchte Schwarzenbeck auf. Wiederholungsspiel, der Rest ist ja bekannt. Doch das ist geschehen und nicht wieder gutzumachen. Am Mittwoch stehen zwei andere Mannschaften auf dem Platz, die ihre eigene Geschichte schreiben und nicht die unsere umschreiben wollen.

Der Gedanke an diese Szene scheint ist aber nach wie vor da.

Ufarte: Den werde ich so einfach auch nicht mehr los. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, macht es mich traurig. Nicht wegen mir, sondern wegen der Fans. Die Colchoneros haben diesen Klub von Geburt an getragen. Ihnen diese Freude nicht machen zu können, war letzten Endes das, was uns und mich persönlich am meisten geschmerzt hat.

Zumal der Schiedsrichter seine Pfeife bereits im Mund hatte.

Ufarte: Es waren Sekunden. Wissen Sie, wenn sie uns 90 Minuten über an die Wand gespielt hätten, hätten wir es wohl besser verkraftet. Aber wir hatten diesen Pokal verdient, den ganzen Wettbewerb über. Wir hatten auch den Sieg in diesem Finale verdient. Aber so ist der Fußball, ab und an kann er grausam sein.

So grausam, dass die Bayern hernach Pokal um Pokal holten und Atlético in ein tiefes Loch stürzte.

Ufarte: Ein Fluch? Nein, das glaube ich nicht. Die Bayern hatten einfach eine junge Truppe beisammen, die als eine der besten Mannschaften in der Geschichte des Fußballs völlig verdient so viele Triumphe errungen hat. Unser Team hingegen war am Zenit, und viele verließen den Klub danach, so wie ich zu Santander. Keine zwei Jahre nach dem Endspiel wurde Atlético aber Meister.

Und jetzt treffen Bayern und Atlético wieder aufeinander. Wie haben sich beide Klubs seitdem entwickelt?

Ufarte: Bei Atlético ist super Arbeit geleistet worden. Simeone hat es geschafft, dass bei jedem Spiel eine Mannschaft auf dem Platz steht, die den Teamgedanken wie keine zweite lebt. Dieser Zusammenhalt macht sie so stark und hat sie bis hierhin geführt. Die Bayern hingegen haben in Deutschland keinen Gegner, denn sie haben herausragende Spieler. Es werden zwei enge Spiele.

Javi Martínez jedenfalls hätte sich lieber eine andere Mannschaft für das Halbfinale ausgesucht.

Ufarte: Kann ich verstehen. Atlético ist eben eine Mannschaft, an der man sich die Zähne ausbeißt. Um gegen sie ein Tor zu machen, muss man schon einige Hebel in Bewegung setzen, denn sie verteidigen hervorragend. Und wenn sie das erste Tor machen, ist es sehr schwer, dass sie das Spiel noch aus der Hand geben.

Und wie will Simeone das gegen die Bayern hinbekommen?

Ufarte: So wie immer, indem er sie hinten dichtmachen lässt und dann einen Konter nach dem anderen fahren lässt. Sie haben die schnellen Spieler für diesen Stil, die auch noch in herausragender Form sind. Wie gesagt: Wenn die Rojiblancos ein Tor erzielen, wird es für die Bayern ganz schwer.

Müssen sich die Bayern auch auf nicht ganz regelkonforme Schachzüge einstellen?

Ufarte: Das ist übertrieben. Letzten Endes steht ein Schiedsrichter auf dem Feld, der derartige Regelverstöße ahndet. Aber klar, Atlético ist eine kampfbeseelte Truppe, die um jeden Zentimeter auf dem Platz kämpfen wird. Ich gönne es ihnen von Herzen. Nach all dem, was sie die vergangenen Jahre über geleistet haben, haben sie das Finale verdient.

Interview: lop.

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