Ballack und Hitzfeld zum DFB-Abschied

"Hoeneß' Angriff hat Schweini zurück auf den Boden geholt"

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Laut Michael Ballack war es Uli Hoeneß (l.), der Bastian Schweinsteiger (r.) auf den richtigen Weg brachte.

Mönchengladbach - Zwei Wegbegleiter von Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern verabschieden und verneigen sich vor dessen DFB-Abschied vor ihm. Michael Ballack und Ottmar Hitzfeld im tz-Interview.

Ballack über Schweinsteiger: „Er hat sich alles erarbeitet“

Herr Ballack, was hat Bastian Schweinsteiger ausgemacht?

Michael Ballack: Er verkörpert Klasse und Persönlichkeit. Er war ein Spieler und ein Mensch, der eine Mannschaft geprägt hat. Er hat Großes in seiner Karriere geleistet, er hat die Champions-League gewonnen und wurde Weltmeister. Das sind Erfolge, die ihm niemand nehmen kann und die man mit seinem Namen in Verbindung setzt.

Sie haben in Ihrer Zeit bei Bayern München den ganz jungen Bastian Schweinsteiger erlebt. Welchen Eindruck machte er damals auf Sie?

Ballack: Bastian hat zugehört, wenn ihm ein älterer Spieler etwas gesagt hat. Er hat es angenommen, wenn man ihm einen Rat gegeben hat. Er hat die natürliche Hierarchie einer Mannschaft angenommen, ohne zu allem Ja und Amen zu sagen. Deshalb hat er sich im Laufe der Zeit auch diesen Stellenwert erarbeitet.

Früher nannte man ihn Schweini. Er galt als Spaßvogel, der nachts mit einer Begleitung im Bayern-Pool erwischt wurde. Im Februar 2003 erzielte er beim 8:0 im Pokal gegen den 1. FC Köln seine ersten Bayern-Tore, jubelte exzessiv und küsste sein Armbändchen.

Mit Michael Ballack (l.) spielte Schweinsteiger (r.) beim DFB und dem FC ­Bayern.

Ballack: Dafür wurde er von Uli Hoeneß auch in aller Öffentlichkeit in Achtung gestellt. Ich glaube, dass dieser Moment für Schweinsteigers Karriere entscheidend war. Ulis Angriff in der Öffentlichkeit hat Basti zurechtgerückt. Das hat ihn auf den Boden zurückgeholt. Es ist dann eine Qualität von ihm, dass er aus der Kritik von Hoeneß die richtigen Schlüsse für sich und seine Karriere gezogen hat.

Hat ihn Hoeneß zu einem erwachsenen Mann gemacht?

Ballack: Danach war Bastian nicht mehr der Schweini, sondern Schweinsteiger. Ein Spieler, der ernster wurde, mehr Verantwortung übernommen hat, professioneller und reflektierter lebte. Ich denke, Bastian kann dankbar darüber sein, dass Uli Hoeneß ihn diszipliniert hat. Bastis Karriere hätte sonst in eine ganz andere Richtung laufen können. Das ist übrigens etwas, das ich heute vermisse. Der Hype um die Spieler wird immer größer, aber es gibt immer weniger Menschen, die die Spieler kritisch begleiten und sie mit sachlicher Kritik und Härte normalisieren.

Haben Sie damals erwartet, dass Schweinsteiger so eine großartige Karriere hinlegen würde?

Ballack: Ja. Fußballerisch hatte er die Qualitäten, menschlich auch. Bereits damals sah man, dass er sich immer treu blieb. Er war authentisch. Und mit der Zeit hat er den ganzen Hype um seine Person auch mit aller Gelassenheit hingenommen.

Interview: Thomas Gassmann

Hitzfeld über Schweinsteiger: „Das Herz stets am rechten Fleck“

Herr Hitzfeld, haben Sie noch den 13. November 2002 vor Augen?

Ottmar Hitzfeld: Natürlich, Sie meinen Bastian Schweinsteigers Profidebüt. Es stand 2:2 gegen Lens (3:3, d. Red.), ein Zeitpunkt, an dem man gespürt hat, dass man etwas riskieren und einem jungen Spieler wie ihm eine Chance geben kann. Bastian hatte im Training gute Leistungen gezeigt, war zwar noch etwas unerfahren, hat dafür aber schon immer eine hohe Spielintelligenz. So etwas ist angeboren, ich wusste, dass er das Verständnis hat, um mitspielen zu können.

Konnte man schon damals sehen, was in ihm steckt?

Ottmar Hitzfeld (l.) mit Bastian Schweinsteiger.

Hitzfeld: Man konnte es nur erahnen. Ich habe viele Talente erlebt, die den Sprung dann nicht geschafft haben – dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist, hat man aber bereits damals gesehen. Er hat es in der Jugend angedeutet, als er mit dem FC Bayern Deutscher Meister wurde, wo er ebenfalls Verantwortung übernommen und Spielmacherqualitäten besessen hat. Er ist ein Spieler, der vielleicht nicht so schnell ist wie andere, dafür das Spiel mit einem einfachen Pass oder seiner Übersicht schnell machen kann.

Heute ist er Bastian Schweinsteiger, Sie haben noch den jungen Schweini kennengelernt. Ein rechter Lausbub?

Hitzfeld: Ein normaler Jugendlicher war das, der neben dem Fußball ein wenig das Leben entdecken wollte. Im Training hat er unglaubliche Disziplin an den Tag gelegt, dahingehend hatte ich nichts an ihm auszusetzen.

Auch nicht die nächtlichen Whirlpool-Aktivitäten?

Hitzfeld (lacht): Ach, das gehört dazu und kann mal passieren. Das ist eine gute Erfahrung, aber er wusste gleich, dass er sich nichts mehr erlauben durfte.

Wie kam es dazu, dass er auf einmal mehr Verantwortung übernommen hat?

Hitzfeld: Sein Werdegang war die logische Konsequenz. Wenn man erfolgreich sein will, muss man sich auch persönlich weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen. Der Druck nimmt zu, die Erwartungshaltung auch, Bastian hatte das Herz aber stets am richtigen Fleck. Er hat auch eine gute Erziehung genossen, was ihm ebenfalls dabei geholfen hat, auf dem Boden zu bleiben.

Fußballerisch verschob ihn Louis van Gaal von der Außenbahn ins Zentrum.

Hitzfeld: Das war ein wichtiger Schritt in seiner persönlichen und fußballerischen Entwicklung. Um im Zentrum zu spielen, war aber auch die Erfahrung auf den anderen Positionen wichtig. Die Entscheidung hat ihn eindeutig weitergebracht.

Hätte er mit dem WM-Titel zurücktreten sollen?

Hitzfeld: Nein. Ich denke, jeder Spieler muss für sich selbst entscheiden, wann seine Karriere zu Ende ist. Ich finde immer, man sollte so lange Fußball spielen, wie man kann und Gelegenheit dazu hat. Es wäre schön, wenn er noch weiterspielen würde, vielleicht bei einem anderen Verein, um das Fußballspielen wieder zu genießen, denn so eine schöne Zeit wie jetzt als Fußballprofi wird er in seinem Leben wohl nicht mehr so schnell erleben.

Zumal er aktuell nicht allzu schön Zeiten bei Manchester durchlebt.

Hitzfeld: Eine schwierige Situation ist das. Das hat er nicht verdient. Er hat noch zwei Jahre Vertrag, wird aber abgeschoben – das finde ich äußerst bitter. Das ist nicht korrekt, das hat mit zu wenig Respekt zu tun. Und Respekt hat jeder verdiente Spieler verdient.

Und was wünschen Sie ihm, am Tag seines letzten DFB-Auftritts?

Hitzfeld: Ich wünsche ihm, dass er vielleicht doch noch irgendwo weitermacht in seiner Karriere und beweisen kann, welch großartiger Spieler er nach wie vor ist. Und ich wünsche ihm, dass er irgendwann auch die richtige Entscheidung treffen kann, was seine Zukunft angeht, zuallererst ist er aber noch Spieler. Er soll sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Interview: José Carlos Menzel López

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