"Sind nicht im Sozialismus"

FCB: Darum wurde das Kroos-Gehalt nicht erhöht

München - Toni Kroos geht zu Real Madrid, wohl weil ihm der FC Bayern zu wenig Gehalt bot. Finanzvorstand Dreesen macht klar: "Wir sind nicht im Sozialismus."

Eilmeldung: Philipp Lahm beendet seine Nationalmannschaftskarriere.

Die letzten Zweifel an seiner Klasse hatte Toni Kroos, inzwischen frisch gebackener Weltmeister, im Halbfinale des Turniers weggeballert. Mit seiner Gala gegen Brasilien, zeigte der 24-Jährige der ganzen Welt: Seht her, ich bin ein Großer! Und als so einer möchte der Ballzauberer auch wertgeschätzt werden. Nicht nur in Worten, auch in Zahlen. Doch wie groß Kroos tatsächlich ist, war streitbar. Zumindest zwischen ihm und dem FC Bayern. Nun verlässt Kroos den FCB, den jungen Vater zieht es gemeinsam mit Freundin Jessica und Sohn Leon nach Madrid. Kroos wird ein Königlicher, und damit zugleich auch fürstlich entlohnt: 12 Millionen Euro soll er jährlich bei Real verdienen. Das Gehalt eines Großen eben. Am Donnerstag um 17 Uhr wird Kroos bei Real Madrid vorgestellt.

Kroos nicht so groß wie Lahm & Co.

Beim FCB verdiente der Supertechniker rund 4,5 Mio. Euro. Anfang des Jahres, als die Verhandlungen zwischen Verein und Spieler stockten, sagte FCB-Finanzvorstand Jan Christian Dreesen der Sport Bild: „Der FC Bayern hat in der Vergangenheit immer außergewöhnliche Leistungen dadurch honoriert, dass Verträge auch angepasst wurden.“ Das war auch bei Kroos vorgesehen, von kolportierten sechs Millionen Euro war die Rede.

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Ein Vorstoß in die Sphären von Lahm, & Co., die rund 10 Mio. Euro einheimsen, war von den Bayern-Bossen nicht angedacht. So groß war Kroos dann nicht. Vielleicht lag es daran, dass er 2012 die Verantwortung verweigerte und im Finale dahoam nicht zum Elfmeter antrat. Oder sie erinnerten sich, dass Kroos in der Endphase der Triplesaison 2013 verletzt ausfiel. Oder sie waren einfach nur konsequent. Karl-Heinz Rummenigge sagte im Januar: „Er ist ein Spieler, den wir grundsätzlich gerne behalten wollen.“ Doch Dreesen machte zur selben Zeit unmissverständlich klar, nicht jeden Spieler zum Top-Verdiener aufsteigen zu lassen: „Wir sind ja nicht im Sozialismus. Es muss so sein, dass die Gehälter unterschiedlich sind.“

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Vor allem aber handeln die Bosse nach der Maxime, nach der schon Ex-Präsident Uli Hoeneß den Verein formte: Man kann nur das ausgeben, was man auch einnimmt. Und mit Blick auf die Gehaltskosten der Roten wird deutlich, dass die Ausgaben für das Personal in der Vergangenheit deutlich gestiegen sind. 2013 wies der Jahresabschluss 202,8 Mio. Euro an Personalaufwand aus, fast 25 Prozent mehr als im Vorjahr. 2006 lagen die Kosten gerade einmal bei 106,8 Mio. Euro. Die Ausgaben haben sich also fast verdoppelt. Zwar sind in diesen Summen auch die Gehälter der rund 480 Mitarbeiter des Vereins enthalten, trotzdem entfallen rund drei Viertel der Ausgaben auf den Profikader.

Hoher Umsatz - bescheidener Gewinn

Den Münchnern gelang es im Gegenzug aber auch, die Umsätze förmlich explodieren zu lassen. Aus 197 Mio. Euro im Jahr 2006 waren 2013 stolze 385 Mio. Euro geworden – Tendenz steigend. Als zweitstärkster deutscher Klub verbuchte Borussia Dortmund einen Umsatz von 305 Mio. Euro, doch im Gegensatz zum FCB verbuchten die Westfalen einen Mega-Gewinn: 53,3 Mio. Euro – einsamer Liga-Rekord. Dagegen wirkt der Gewinn des FC Bayern (14 Mio.) fast bescheiden. Ihren höchsten Gewinn (18,9 Mio.) verbuchte die FC Bayern AG 2007 – dem einzigen Jahr, in dem es seit 2005 gelang, den Umsatz bei sinkenden Personalkosten zu steigern. Erfolgreiches Wirtschaften schreiben die Bayern groß – das spürte jetzt auch Toni Kroos…

Das lässt sich der FCB den Erfolg kosten

Dass der FC Bayern boomt, ist kein Geheimnis. 2013 erzielte die AG einen Rekordumsatz von 394 Mio. Euro, gemeinsam mit der Allianz Arena GmbH wurde mit 432,8 Mio. Euro Umsatz sogar erstmals die 400-Mio.-Schallmauer durchbrochen. Die Statistik zeigt, was sich der FCB seinen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg kosten lässt. Für die abgelaufene Saison ist erneut mit neuen Rekordzahlen zu rechnen. Die präsentiert der FC Bayern wie jedes Jahr im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung im Herbst.

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sw

Rubriklistenbild: © dpa

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