Beckenbauer im tz-Interview

Kaiser: "Ich würde Hojbjerg nicht abgeben"

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Franz Beckenbauer glaubt, die Fußballer von heute absolvierten zu viele Spiele.

München - Franz Beckenbauer spricht im Interview über die Verletztenmisere der Bayern. Zum Thema FIFA-Ermittlungen gibt der 69-Jährige derzeit keine Stellung ab.

Im Stadion taucht Franz Beckenbauer nur noch selten auf, dafür traf ihn die tz beim Ski Opening der Christa-Kinshofer-Skiklinik in Going beim Stanglwirt. Die Klinik ist neuer Partner des Deutschen Skiverbands und informierte über Verletzungsprophylaxe und -behandlung beim Skifahren. Auch der Kaiser berichtete über seine Skiverletzungen und sprach im Interview über die Verletztenmisere der Bayern. Zum Thema FIFA-Ermittlungen gibt der 69-Jährige derzeit keine Stellung ab.

Herr Beckenbauer, Skifahren dürfen Profi-Fußballer in der Regel nicht, auch Sie haben erst mit 38 Jahren begonnen.

Beckenbauer: Und das ziemlich wild. Ich bin in Kitzbühel immer mit Toni Sailer, Hansi Hinterseer & Co. unterwegs gewesen. Die nötige Technik hatte ich nicht, aber Kraft in den Beinen, also hab ich’s laufen lassen und versucht dranzubleiben. Heute fahre ich gemütlicher, letztes Jahr bin ich allerdings auf meine Schulter gefallen, genau die Schulter aus dem WM-Halbfinale 1970 in Mexiko.

Auch die Bayern haben derzeit mit vielen Verletzten zu kämpfen.

Pierre Emile Hojbjerg.

Beckenbauer: Bis jetzt ist das kein Problem, weil auch andere Mannschaften darunter leiden. Es ist auffällig, dass sich Verletzungen zuletzt gehäuft haben. Man sollte sich Gedanken machen, wo das herkommt. Vielleicht sind es zu viele schwere Spiele oder die Summe der Spiele gibt den Ausschlag. Über fast alles gibt es Studien, warum nicht auch darüber? Die Vereine blähen deshalb oft notgedrungen den Kader auf, so macht das in Zukunft keinen Sinn.
Zuletzt hat es sogar den scheinbar unkaputtbaren Philipp Lahm erwischt.

Beckenbauer: Das ist typisch. Eigentlich ist er der Fitteste von allen, aber auch er hatte eben mit Ermüdungserscheinungen der letzten Saison zu kämpfen. Philipp hatte fast keine Vorbereitung und mit Abschluss der Weltmeisterschaft extrem viele Spiele. Irgendwann holt sich der Körper seine Pausen, siehe Bastian Schweinsteiger. Die Frage ist nur, muss man es soweit kommen lassen.

Die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger ist eine positive Nachricht. Hat es Sie überrascht, wie schnell es ging?

Beckenbauer: Er hat sich doch jetzt vier Monate ausgeruht (schmunzelt). Nein, im Ernst, ich denke, Pep Guardiola gibt ihm die Möglichkeit, dass er wieder in die Mannschaft findet und langsam seinen Rhythmus bekommt. Den hat er noch nicht, das sieht man – aber wie auch, nach der langen Pause?

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Sollte man als Lahm-Ersatz den jungen Pierre Emile Hojbjerg oder Gianluca Gaudino eine Chance geben?

Beckenbauer: Hojbjerg hat ja schon gespielt gegen Manchester City. Und ich finde, er war einer der Besten.

Unter Umständen will er den Verein verlassen, es gibt derzeit Gespräche.

Beckenbauer: Ich würde ihn behalten, er macht einen sehr guten Eindruck und er lernt von einem Alonso, Lahm oder Schweinsteiger. Ich würde ihn zumindest noch ein Jahr halten, dann wird man seine Entwicklung sehen. Hojbjerg ist erst 19 Jahre alt, er hat noch Zeit.

Arjen Robben ist 30 – und scheint fit zu sein wie nie.

Beckenbauer: Er ist derzeit sehr wichtig für die Mannschaft. Er hat Spaß und Freude am Fußball, scheinbar ist man da nicht mehr so anfällig für Verletzungen.

Interview: M. Müller

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