Zum zweiten Mal in Serie

Bayern-Frauen sind Meister: "Der größte Tag unserer Geschichte"

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Thomas Wörle und seine Spielerinnen durften den zweiten Meistertitel in Serie feiern.

FC Bayern München (Frauen) - Sollte es ein geplantes Täuschungsmanöver gewesen sein, war es genial.

Es ist ja nicht leicht, Thomas Wörle hinters Licht zu führen, aber als Melanie Behringer gestern auf der Pressekonferenz ihres Trainers hereinplatzte, um ihm mit einer gestammelten Entschuldigung für die Störung einen Becher Bier hinzustellen, dachte der Mann schon, er sei fein raus. Als er gerade wieder den Faden seiner Erläuterungen aufnahm, sprang die Tür erneut auf. Chaos brach herein.

Singend, gröhlend, feiernd, tanzend stürzte die Hälfte der Mannschaft herein, schwupp, hatte der Coach eine Ladung Bier im Gesicht. Partycrasher nennt man solche Überfälle, an Erläuterungen zum Spiel war nicht mehr zu denken. Wie sie da so tanzten, mit einem Hauch Anarchie, in ihren Trikots und an den Füßen nur Strumpfsocken, war das ein Bild, das man gern abspeichert. Es wurde ja etwas Historisches gefeiert. Nach dem 5:0 über Leverkusen sind die Frauen des FC Bayern zum zweiten Mal in Serie Meister.

Die Münchner als Titelverteidiger in Strumpfsocken – eine feine Pointe dieser Saison, die ja eigentlich noch zwei Spieltage andauert und vor der alle davon ausgegangen sind, dass sich die Meistersause in Bayern nicht wiederholt. Letztlich haben sie die Titelverteidigung ziemlich locker geschafft. Sie haben die Party der anderen, der Favoriten, nun schon wieder gecrasht. Wobei Wolfsburg und Frankfurt auch überraschend oft patzten. „Wir waren die Gejagten, es ist beeindruckend, wie meine Mannschaft dem Druck auf dem hohen Niveau standgehalten hat“, so Wörle, „das ist der größte Tag in der Geschichte des Frauen-Fußballs beim FC Bayern.“

Den Satz sagte er nicht nur einmal, sondern zwei Mal, er sollte die Szene mehr prägen als der Biergeruch, der sich langsam von seinem durchtränkten Trainingsanzug im Raum ausbreitete. Das Fazit dominierten nicht die Erinnerungen an tolle Ballstafetten und die Serie von 40 Spielen ohne Niederlage. Wörle versteht sich gerne als Realist, als nüchterner Arbeiter, und als solcher fand er es „zum Kotzen“, dass schon zur Winterpause Gratulationen zur Titelverteidigung eingingen, en masse, selbst aus dem engsten Umfeld. Dabei dürfe man ja nicht vergessen: „Das sind alles junge Menschen, da geht es schnell los: Kopfkino“, zeterte Wörle. So waren die härtesten Gegner nicht etwa die Wolfsburgerinnen. Sondern „Windmühlen, die wir gar nicht gebraucht haben“. Nun, auch die haben seine Spielerinnen ja letztlich besiegt.

Am Ende einer „souveränen Titelverteidigung“ (Managerin Karin Danner) müssen die Münchnerinnen weder sich noch ihre Gegnerinnen kleinreden, und auch gestern lief es als Beleg standesgemäß. Anfangs waren die Bayern nervös, hintenraus eine Macht. Vivianne Miedema (3), Mana Iwabuchi und Sara Däbritz sorgten für klare Verhältnisse, ehe um 15.48 Uhr vor 1100 Zuschauern „We are the Champions“ durch das Grünwalder Stadion donnerte. Wörle wurde hochgeworfen (er gehört damit in eine Reihe mit Trapattoni, Heynckes, Guardiola), es wurde getanzt und gealbert – nur die Schale fehlte. Sie wird am 16. Mai übergeben, zumindest laut Plan, was problematisch ist, da die Feier mit den Männern am Rathausbalkon für den 15. Mai angesetzt ist.

Die Feier gestern ließ sich aber auch so gut an. Vor dem Stadion musste der Gäste-Bus warten, da Melanie Behringer und Kolleginnen mit den Fans auf der Straße tanzten. Trotz Regen. In Strumpfsocken. Tja: Wer ko, der ko!

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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