"Hält sich nicht an die Spielregeln"

Talente-Zoff: Gladbachs Eberl ledert gegen Sammer

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Max Eberl (l.) findet das Verhalten von Matthias Sammer nicht akzeptabel.

München - Bayern will Gladbachs Talent Sinan Kurt, die Borussia würde gerne Alessandro Schöpf aus München ausleihen. Darüber ist nun ein ordentlicher Streit zwischen Max Eberl und Matthias Sammer entstanden.

Dass sich der eine Bundesligaclub ärgert, wenn ein anderer ihm einen Spieler wegkaufen will, ist nichts Neues im Profigeschäft. Transfers gehören zum Fußball wie Bierduschen zum Meistertitel. Doch wie so oft macht auch hier der Ton die Musik. Und offenbar hat Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer (mal wieder) nicht den richtigen Ton getroffen. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl fühlt sich von Sammer hintergangen. Worum geht es?

Gladbach will Schöpf, Bayern will Kurt

Die Gladbacher sind daran interessiert, Alessandro Schöpf von Bayern II auszuleihen, der Kapitän der Reserve kämpft noch um den Aufstieg in die Regionalliga, soll dann nach Wunsch der Borussia im Sommer nach Gladbach kommen. Deswegen stand Eberl in regem telefonischen Kontakt mit Sammer.

Die Bayern wiederum haben offenbar großes Interesse an Gladbachs Supertalent Sinan Kurt. Der 17-Jährige ist Junioren-Nationalspieler und hat in dieser Saison in der A-Jugend-Bundesliga 16 Treffer in 24 Spielen erzielt. Der variable Offensivspieler kann auf mehreren Positionen eingesetzt werden. Am liebsten agiert er als Linksaußen, er kann aber auch als Mittelstürmer oder als hängende Spitze eingesetzt werden. Bei den Borussen gilt er als Nachfolger von Marco Reus.

So weit, so gut: Man könnte annehmen, dass sich die beiden Sport-Bosse bei mehreren Telefonaten über beide Personalien austauschen. Doch weit gefehlt: Eberl erfuhr vom Bayern-Interesse an Kurt erst, als er mit FCB-Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen die finanziellen Details der Schöpf-Ausleihe besprechen wollte - und fiel aus allen Wolken.

Eberl: Sammer hält sich nicht an die eigenen Spielregeln

In der "Sportbild" wettert Eberl nun gegen den Bayern-Sportvorstand: "Ich hätte von Matthias Sammer erwartet, dass er mich auf Sinan Kurt anspricht, wenn wir schon dreimal miteinander telefonieren." Angeblich baggern die Bayern bereits seit einem guten Jahr an Kurt, luden ihn auch zum Champions-League-Heimspiel gegen Real Madrid nach München sein - obwohl er bei der Borussia einen Vertrag bis 2016 hat!

"Gerade von ihm, der beim DFB immer gefordert hat, dass man sich vor allem an die Spielregeln hält und alles offen kommuniziert", habe er ein anderes Verhalten erwartet, legt Eberl gegen Sammer nach. Zwar haben die Gladbacher auch mit Schöpf Kontakt aufgenommen, doch im Gegensatz zur Kurt-Personalie seien die Bayern über die Gespräche stets informiert gewesen.

Darüberhinaus haben die Borussen überhaupt kein Interesse daran, ihr Tafelsilber zu verscherbeln. In ihren Augen ist Kurt zehnmal so viel Wert wie Schöpf, daher kommt ein Tausch der beiden Youngster nicht in Frage.

„Gladbach ist an einem Spieler von uns interessiert, wir sind an einem Spieler von Gladbach interessiert. Jetzt muss man sehen, wie man die Dinge zusammenführt“, sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Mittwoch, ohne auf Namen einzugehen.

Wo Bayerns Top-Talente heute spielen

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Sammer eckt nicht zum ersten Mal bei seinen Kollegen in der Bundesliga an. Schon beim Transfer von Jan Kirchhoff - der Mainzer wechselte im Januar 2013 nach München - legte Sammer offenbar keinen großen Wert auf Kommunikation mit Christian Heidel. Der Manager der 05er echauffierte sich damals über das Verhalten Sammers: "Da nimmt man mal den Telefonhörer in die Hand und bespricht Sachen wie den Zeitpunkt der Bekanntgabe oder des Medizinchecks."

Und auch bei der Verpflichtung von Mario Götze erfuhren die Dortmunder erst davon, als alles unter Dach und Fach war. Damals lief zwar alles im legalen Rahmen ab - Götze hatte eine Klausel im Vertrag, die einen Wechsel gegen die festgeschriebene Ablösesumme von 37 Millionen Euro erlaubte -, doch guter Stil sieht anders aus.

Der Bayern-Sportvorstand selbst wollte sich zu den Geschichten nicht äußern.

FC Bayern II gegen Fortuna Köln im Live-Ticker

Wenn die zweite Mannschaft des FC Bayern am Mittwoch, 28. Mai, im Kölner Südstadion um 19 Uhr gegen Fortuna Köln spielt, wird die Partie nicht im Fernsehen übertragen. Sie finden das Hinspiel zur Relegation für die 3. Liga aber hier im Live-Ticker.

Denis Huber

Denis Huber

E-Mail:denis.huber@merkur.de

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