Rummenigge zur tz: "Ich habe mich gewundert"

TV-Zoff mit dem BR: Liegt der Ursprung in der Meisterfeier?

München - Der TV-Zoff zwischen dem FC Bayern und dem Bayerischen Rundfunk schlägt hohe Wellen. Jetzt kommen neue Details ans Tageslicht, warum der Sender die Übertragung der Double-Feier kurzfristig absagte.

Der Auftritt von Louis van Gaal als Feierbiest, Jupp Heynckes mit dem Triple oder die emotionale Verabschiedung von Pep Guardiola mit dem Double – die Titelfeiern des FC Bayern auf dem Münchner Rathausbalkon sind Kult. Rund 15 000 Fans feiern live auf dem Balkon, mehrer hundertausend fiebern an ihren TV-Geräten mit. Übertragungpartner war immer der Bayerische Rundfunk, so auch bei der Meisterfeier vor einer Woche. Am Sonntag verzichtete der BR auf die Liveschaltung. Schuld soll eine unanständig hohe Geldforderung der Bayern sein. Rechtlich ist dies möglich, da der Verein für die gestrige Feier Rechteinhaber des inneren Rathausbereichs waren. TV-Zoff statt Double-Fete!

Bilder: So wild feierten die Bayern auf dem Marienplatz

„Entgegen der Mitteilung vom 20. Mai 2016 wird die Double-Feier des FC Bayern München am heutigen Sonntag, 22. Mai 2016, leider nicht im BR Fernsehen übertragen. Hintergrund der Absage ist eine kurzfristige finanzielle Forderung des FC Bayern München, die der Bayerische Rundfunk nicht erfüllen konnte“, teilt der Sender Mittag mit.

Wie die tz aus Senderkreisen erfuhr, soll es sich bei besagter finanzieller Forderung um eine Summe von 150 000 Euro gehandelt haben, die der Rekordmeister vom öffentlich rechtlichen Sender haben wollte und die dieser nicht bereit war zu bezahlen. Für die Übertragung der Meisterfeier vor einer Woche fielen für den BR, abgesehen vom Produktionsaufwand, keine weitere Kosten an. Ebensowenig für den FC Bayern. Der Clou: Für die kurzfristige, erneute Nutzung des Rathausbalkons verlangte die Landeshauptstadt, die sonst die Kosten trägt, vom Verein eine „niedrige sechsstellige Summe“. 

Die Meisterfeier zum Nachlesen im Ticker

Der FC Bayern teilte, offenbar aufgeschreckt von dem großen Medienecho, in einer eigenen Stellungnahme mit, man habe in der Vorbereitung der Siegesfeier „den BR gebeten, sich an den Kosten – überwiegend für Sicherheit – in Höhe von etwa 300 000 Euro zu beteiligen“. 

Der FC Bayern beendet das Jahr 2015 mit einem Umsatz 523,7 Millionen Euro (Gewinn nach Steuern: 23,8 Millionen), der BR verzeichnet seit 2010 ein Defizit von 101 Millionen Euro.

Wann es diese Anfrage gegeben haben soll, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Der FCB-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge lobte die schnelle und gute Abwicklung der zuständigen Personen (siehe unten), wie die tz erfuhr, soll der Bayernanruf erst am Freitag beim BR eingegangen sein. Dort entschied die Intendantenebene am Samstag, auf die Übertragung zu verzichten. Stattdessen liefen die Sendungen „Tiere vor der Kamera“ und „Weiß blau – entlang der Frankenwaldhochstraße – der Norden“ zu zeigen. Auch in BR-Mitarbeiterkreisen stößt das Bayernverhalten nicht auf Verständnis, sondern sorgt für viel Irritation.

Hinter den Kulissen ist noch von einem anderen Grund die Rede: Die Berichterstattung zur Meisterfeier, mit der die Bosse an der Säbener Straße nur bedingt zufrieden gewesen sein sollen. Zum Einen, weil die müde Veranstaltung am Marienplatz vonseiten vieler Medien kritisiert wurde, zum anderen weil BR-Moderator Markus Othmer just in dem Moment Pep Guardiola live interviewte, als FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge seine Worte an die Bayernfans richtete – und diese Worte daher im TV nicht zu sehen waren. All das soll die Münchner zur eindringlichen Geldforderung veranlasst haben. Die Bayern dementierten diese Darstellung. Beim BR überlegt man dennoch, demnächst vermehrt nachrichtlich zu berichten.

Die Bayernfans, die nicht den Weg an den Marienplatz fanden, mussten nicht gänzlich auf Bilder verzichten, zumindest, wenn sie die Medienmitteilungen aufmerksam verfolgt haben. Bereits nach dem Schlusspfiff des DFB-Pokalfinals kündigte Sport1 die Übertragung der Sause an, online im Livestream und im TV in Ausschnitten während des Spiels um Platz drei der Eishockey-WM. Weil der BR die Anfrage „unmissverständlich ausgeschlossen“ habe, „hat sich der FC Bayern mit dem Sender Sport1 über Live-Bilder vom Rathaus verständigt“, hieß es in der Bayernmitteilung. Zudem konnte man die Feier auf dem youtube-Kanal und der Facebook-Seite des Rekordmeisters verfolgen. 

Rummenigge zum TV-Zoff

Karl-Heinz Rummenigge (r.) am Sonntag mit Trainer Pep Guardiola auf dem Rathausbalkon.

Während man sich beim BR über die Bayern ärgerte, schob Karl-Heinz Rummenigge den schwarzen Peter zurück. Auf tz-Nachfrage erklärte der 60-Jährige: „Ich habe mich über das BR-Statement gewundert, diese Veranstaltung kostet unglaublich viel Geld, wir haben den BR gebeten, einen Beitrag dazu zu leisten.“ Einen Anspruch auf weitere Übertragungen stellte der FCB-Boss nicht aus: „Die Veranstaltung wurde übertragen, unsere Leute haben das wunderbar gemacht, man konnte unsere Feierlichkeit in der ganzen Welt sehen und das ist das entscheidende. Der Sender ist sekundär, da gibt es keinen Automatismus. Es gibt keinen automatischen Anspruch, für niemanden.“ 

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Rubriklistenbild: © AFP

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