Sie arbeiteten beim AC Mailand zusammen

Trainer-Legende Sacchi: Was Ancelottis größtes Problem werden könnte

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Arrigo Sacchi.

München - Kult-Trainer Arrigo Sacchi arbeitete lange Jahre beim AC Mailand mit Carlo Ancelotti zusammen. Jetzt hat der Italiener in einem Interview ausführlich über die Stärken und Schwächen des neuen Bayern-Trainers gesprochen.

Bei Sport1 äußerte sich Arrigo Sacchi über ...

…Ancelottis Stärken: „Carlo hat eine großartige Eigenschaft: Er ist wie ein Chamäleon und kann sich auf jede Situation einstellen, auch auf die unmöglichen. Sollte er irgendwann einmal nur elf Torhüter zur Verfügung haben, würde er einen Weg finden, erfolgreich zu sein. Er macht es sich aber sehr schwer. Wenn er den Spielern seine Ideen des Spiels aufdrücken würde, wäre es einfacher für ihn. Guardiola etwa lässt immer sein System, seine Ideen spielen, er geht keine Kompromisse ein. Cruyff hat das auch gemacht, ich auch. Ich bin als niemand zu Milan gekommen und habe gesagt: 'Ich möchte das, das, das und das. Und dies und jenes nicht'.“

Ancelottis erster Tag beim FC Bayern im Live-Ticker

…Ancelottis Schwächen: „Ich habe Ancelotti immer nur wegen einer Sache geschimpft: Die großen Trainer haben immer auch Einfluss auf den Kader einer Mannschaft genommen, haben sich ihre eigenen Kader zusammengestellt. Der einzige, der das nie gemacht hat, ist Ancelotti. Er vertraut immer seiner Intelligenz und mentalen Flexibilität, sich jeder Situation anpassen zu können und hat immer mit dem gearbeitet, was schon da war. Er beginnt immer mit einem Handicap. Weil er seine Energie, seine Kreativität, seine Intelligenz darauf verwendet, eine nicht ideale Situation zu lösen.“

…seinen Rat an Ancelotti: „Ich hoffe und rate ihm, dass er alle Spieler wegschickt, die nicht ganz bei der Sache sind – persönlich, mental, sportlich. Jede große Mannschaft braucht Spieler mit enormer Motivation, wenn sie etwas gewinnen will. Hohe Motivation reicht nicht."

…Ancelotti als Spieler bei Milan: „Nachdem Ancelotti ein paar Monate bei uns war, sagte Berlusconi zu mir: 'Sie wollten einen Dirigenten des Orchesters, der die Musik nicht kennt.' Tatsächlich tat sich Carlo zunächst etwas schwer bei uns, er verstand die Laufwege nicht richtig. Er sah das genauso und wollte sich verbessern. Also gab ich ihm Privatstunden. In der Früh ließ ich immer die Spieler der Jugendmannschaft antanzen und simulierte mit ihnen unser Spiel. Carlo war 29, Nationalspieler und kam jeden Morgen freiwillig zum Sondertraining und übte mit den Jugendspielern unsere Spielformen ein. Wie viele würden das machen? Das zeigt seine große Intelligenz."

…Ancelottis Charakter: „Ancelotti ist ein wunderbarer Mensch, intelligent, sympathisch, witzig, ein herausragender Kommunikator. Vor einem Spiel in der Champions League sagte ihm ein italienischer Journalist einmal: "Präsident Berlusconi hat Ihnen doch die Aufstellung diktiert!" Woraufhin Carlo sagte: "Dann wollen wir doch hoffen, dass er mir nicht die Falsche diktiert hat."

…Pep Guardiola und dessen Arbeit: „Carlo wird die Herzen der Münchner erobern, weil er eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist. Er ist sehr kommunikativ und ein geborener Sympathieträger. Guardiola ist für mich auch ein sehr guter Mensch, es tut mir leid, dass er nicht bei allen Fans so angekommen ist. Aber: Wenn einer in den letzten Jahren Bayern spielen sah, wusste er: Das ist eine Guardiola-Mannschaft. Selbst, wenn er vorher nicht wusste, wer Trainer war. Die Champions League zu gewinnen ist nicht leicht. Bayern hat ja nicht jedes Jahr die Champions League gewonnen, oder? Die Arbeit Guardiolas darf man nicht danach bewerten, ob er die Champions League gewonnen hat. Guardiola sollte an seinem Wirken bewertet werden. Er hat auch der deutschen Nationalmannschaft geholfen stärker zu werden! Guardiola ist ein großes Genie des Fußballs."

…die besten Trainer der Welt: "Die drei wichtigsten und größten Trainer der Welt sind für mich, auch wenn sie sehr verschieden sind: Guardiola, Ancelotti und Mourinho."

…Ancelottis Deutschkenntnisse: "Sein Deutsch? Ja, das könnte sein größtes Problem sein! (lacht) Aber er spricht die Sprache des Fußballs – und er lernt Deutsch ja. Als er damals nach Spanien ging, besuchte ich ihn und schrieb danach in meiner Kolumne in der Gazzetta dello Sport: ‚Er spricht spanisch mit einem Akzent aus Parma. Aber sie scheinen ihn zu verstehen."

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