Experten über fehlende Spannung in der Liga

Kreuzer: "... dann ist auch der FC Bayern verwundbar"

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Uli Köhler, Oliver Kreuzer und Wolfgang Holzhäuser (v.l.) diskutierten bei Eurosport über die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga und wie der Wettbewerb künftig wieder spannender gestaltet werden könnte.

München - Nach vier Meisterschaften in Folge blüht der Bundesliga auch heuer ein Durchmarsch des FC Bayern. Spannung? Fehlanzeige. Bei Eurosport wurde jetzt diskutiert, wie die Dominanz der Bayern gebrochen werden könnte.

Was tun gegen die übermächtige Dominanz des FC Bayern in der Fußball-Bundesliga? Diese Frage wurde am Montagabend bei "Kicker TV" auf Eurosport eifrig diskutiert. Zu Gast war unter anderem Bayern-Reporter Uli Köhler von Sky, für den die übermäßige Vormachtstellung der Bayern im deutschen Fußball nicht nur an der hervorragenden und konstanten Arbeit liegt, die an der Säbener Straße seit Jahrzehnten geleistet wird, sondern vielmehr an der deutschen Mentalität: "Die Dominanz des FC Bayern wird von den anderen Teams in der Bundesliga unterwürfig angenommen. In den vergangenen Jahren haben die gegnerischen Trainer bei ihren Auftritten in München Mannschaften auflaufen lassen, die von vorneherein keine Chance hatten. Da wurden Leistungsträger draußen gelassen und für vermeintlich wichtigere Spiele geschont, frei nach Motto: 'In München gewinnen wir eh nicht'", bemängelt der Journalist. "Das ist ein legitimes Mittel, aber der Attraktivität der Liga eher abträglich." In England sei das anders: "Wenn Hull City bei Manchester City aufläuft, dann gehen die dahin, um zu gewinnen. Vielleicht kriegen die dann auch fünf Stück, aber vielleicht holen die auch mal ein Unentschieden. Und das ist in jedem Spiel so."

Der Fußball in England sei möglicherweise nicht ganz so hochwertig wie in Deutschland, dafür wären Einstellung und Siegermentalität bei den Spitzenklubs die selben wie bei qualitativ schlechter besetzten Mannschaften. "Das ist der Ansatz, der in Deutschland allen fehlt. Und dann wird noch gejammert, dass die Bayern so viel Geld haben. Wenn ich mir den VfB Stuttgart ansehe: Der hatte vor 25 Jahren die gleichen Voraussetzungen wie die Bayern - und was wurde dort daraus gemacht? Jeder muss sich an die eigene Nase fassen", sagt Köhler.

"Da würde Fußball-Deutschland beben"

Auch Wolfgang Holzhäuser, ehemaliger Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, will die gute Arbeit und die daraus resultierende Dominanz der Münchner nicht in Abrede stellen. Trotzdem plädiert er für Veränderungen in der Liga, vor allem struktureller Art. Neben komplizierten Veränderungen wie der Einführung von Gehaltsobergrenzen, die allerdings europaweit über die EU-Kommission geregelt werden müssten, könnten laut Holzhäuser die derzeit viel diskutierten Play Offs eine Lösung darstellen. "In den vergangenen 30 Jahren war der FC Bayern im Schnitt alle zwei Jahre Deutscher Meister. Dieser Trend sollte zu überlegen geben, ob man nicht etwas machen sollte, was die Dominanz des FC Bayern brechen könnte." Wie sollte das genau aussehen? Holzhäuser hatte die Idee mit Play Offs bereits vor 15 Jahren geäußert und findet das Thema heute "interessanter denn je." Er stellt sich dabei Halbfinale und Finale mit Hin- und Rückspielen vor, "auch wenn ich weiß, dass das den Fußballfans wahrscheinlich anfangs eher schwer zu vermitteln wäre." Die Finalspiele sollten laut Holzhäusers Vorstellung über zwei Wochen gehen, die Begeisterung der Fans wäre garantiert, denkt er: "Glauben Sie mir, da würde Fußball-Deutschland beben." 

Uli Köhler steht einer Finalrunde nach Ablauf der 34 Spieltage offen gegenüber: "Am Saisonende hinten raus nochmal richtig Spannung zu haben, würde ich begrüßen. Die Bayern haben ja vermutlich trotzdem die beste Mannschaft und werden am Ende gewinnen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Wenn Du am Ende der Saison ein Formtief hast oder Verletzungsprobleme, und Du dann scheiterst, dann hast Du es eben nicht zu Ende gebracht. Das ist wie ein 10.000-Meter-Läufer, der die ganze Zeit in Führung lag und am Ende einen Krampf bekommt und doch nur Zweiter wird. Der hat's dann am Ende auch nicht verdient."

So lange laufen die Verträge der Bayern-Stars

Oliver Kreuzer, ehemaliger Spieler des FC Bayern und zuletzt Manager beim TSV 1860 München, sieht das komplett anders. Seine klare Aussage:  "Ich bin strikter Gegner von Play Offs. Das ist künstlich erzeugte Spannung." Ähnlich wie Uli Köhler richtet Kreuzer einen sportlichen Appell an die Konkurrenz des deutschen Rekordmeisters: "Die Meisterschaft wird immer über den FC Bayern gehen. Andere Vereine müssen einfach sehen, dass sie besser und gezielter arbeiten, um da konkurrenzfähig zu sein. Die Ehrfurcht vor dem FC Bayern muss abgelegt werden. Früher war es so: Das Spiel gegen den FC Bayern war das Spiel des Jahres und alle wollten ihnen ein Bein stellen. Heute ist das nicht mehr so." Sein Tipp an die anderen Teams aus der Bundesliga: "Respekt und Angst ablegen vor dem FC Bayern, das Ziel haben, auch diese Mannschaft zu schlagen. Mutig sein, auch in München mutig sein. Dann ist auch der FC Bayern verwundbar."

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