Samba Zentrale

Douglas Costa - der gestutzte Flügel

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Immer schneller, immer cleverer: Douglas Costa tanzte alles und jeden aus – Dante hatte hier das Nachsehen.

Wolfsburg - Douglas Costa verleiht den Bayern einen neuen Rhythmus – neuerdings als gestutzter Flügel. Auch in Wolfsburg glänzte der Brasilianer.

Es gibt Abende, da ist Fußball wie ein Tanz. Der Ball hüpft über den Rasen im Takt einer Melodie, die man zwar nicht hört, aber erahnt, weil sich die Spieler so harmonisch bewegen. Es gibt Spieler, die das Metronom ihrer Teams sind, sie bestimmen Tempo und Bewegung. Und es gibt Spieler, die eine Partie im Staccato absolvieren. Douglas Costa, seit Sommer beim FC Bayern angestellt, ist so einer.

Es gab Zweifel an ihm, als die Bayern auf Geheiß von Pep Guardiola 30 Millionen Euro an Schachtjor Donezk überwiesen. Doch er hat die Zweifel nicht nur zerstreut. Er hat sie pulverisiert. Bester Vorlagengeber der Liga, als Torschütze und Wirbelwind längst ein Zuschauermagnet – und gestern in Wolfsburg zeigte er, wie sehr er das Repertoire des FC Bayern erweitert. Das 1:0 besorgte er selbst, stiftete auch sonst Verwirrung bei den Wolfsburgern. Und das, obwohl er in neuer Rolle agierte.

Pressestimmen: "Die wollen nicht nur spielen"

Es ist schon paradox: Da hat Guardiola nun Spieler, mit denen er sein Faible für Flügel voll ausleben kann – und da beordert der Coach Costa, den er eigentlich extra für die Außenbahn verpflichten ließ, bereits zum zweiten Mal nach der Partie gegen Köln in die Mitte. Er brauche auch dort mehr Akteure, die in 1:1-Situationen die minimalen Räume nutzen, die die dichten Abwehrketten den Münchnern gewähren. Es ist ja inzwischen nicht mehr das Wunder, dass die Gegner kaum mehr aus der eigenen Hälfte kommen. Sondern dass die Bayern trotz allem immer noch Lücken finden – und sie auch noch bespielen.

Costa, der Mann für Samba Zentrale, bringt da als gestutzter Flügel einen neuen Rhythmus in die Bewegungen des Rekordmeisters. Immer wieder stieß er aus der Position im halbrechten Mittelfeld im Sturzflug in die Spitze. Beim 1:0 umkurvte er Luiz Gustavo lässig und jagte die Kugel in den Winkel, so etwas gab es im letzten Jahr nicht zu sehen, wo oft die dogmatisch agierenden Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger das Spielgeschehen verwalteten. Costa stand gestern für Inspiration, für Esprit, auch für Naturgewalt. Die Wolfsburger kamen da schlichtweg nicht mit.

Die Macher des Stadionmagazins mussten so etwas bereits geahnt haben. „Vier im Blick“, lautete eine Rubrik in der Ausgabe zum Pokalspiel. Aufgeführt waren Robert Lewandowski, Thomas Müller, kurioserweise Joshua Kimmich und eben Costa. Der Mann hat in den wenigen Monaten in Deutschland bereits Eindruck hinterlassen. Wann immer der Brasilianer an den Ball kam, war Alarm beim Gastgeber. Dabei sorgten auch gelegentliche Rollenwechsel mit Müller rechts außen für Verwirrung.

Einmal sah man ihn an der Seitenlinie, mutterseelenallein. Er ruderte mit den Armen, er rief, auch Müller deutete den ballführenden Verteidigern an, dass der Kollege freie Bahn habe. In dem Moment übersahen sie ihn, aber das ist längst nicht mehr die Regel. Sie wissen, dass der neue Kollege Musik macht. Samba staccato, nun auch zentral. Den Wolfsburgern werden wohl noch ein paar Tage die Ohren klingen. Sie wurden gestern im Minutentakt ausgetanzt.

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