Und das alles innerhalb von einer Woche

Wie Uli Hoeneß einst den SV Darmstadt 98 rettete

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Uli Hoeneß mit Fanschal des SV Darmstadt 98.

Darmstadt - Der FC Bayern gastiert am Samstag in der Bundesliga beim SV Darmstadt 98. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist auch Ex-Präsident Uli Hoeneß zu verdanken.

Für viele ist es eines dieser Märchen, die der Fußball alle paar Jahre schreibt. Aus der dritten Liga durchmarschiert, kleines Budget, baufälliges Stadion. Ein Zwerg im Kreise der Großen, ungefähr so lässt sich die Geschichte des SV Darmstadt 98 knapp erzählen. Und man hört ja auch gern zu, vor allem in Zeiten von Rasenball-Sport und TV-Millionen, die in einer Riesenwelle von der Insel zu uns herüberschwappen. Dass der SV Darmstadt sich am Samstag sogar mit dem Rekordmeister messen darf, ist aber eigentlich gar kein Märchen. Es ist ein Wunder. Und ausgerechnet der Gegner hat es möglich gemacht.

Im Jahr 2008 ging der Hilferuf an Uli Hoeneß raus. Der FC Bayern hatte gerade die Meisterschaft klar gemacht, drei Spieltage vor Saisonende. Nick Golüke, Reporter, Regisseur und Filmemacher, führte das erste Freudentaumel-Interview mit dem damaligen Manager und erkannte die Gelegenheit. Golükes „Heimat- und Herzensverein“ stand damals vor dem Abgrund, und nur einer konnte helfen. Aber wollte er auch? Golüke erinnert sich: „Hoeneß hörte sich nach dem Interview genau an, worum es mir ging. Danach verschwand er in eine lange Meisternacht. Und am nächsten Morgen hatte ich seine heisere Stimme auf meiner Mailbox: Hoeneß hier, rufen Sie mich zurück!“

Der Manager hatte eine Idee. Aber sie war nicht ohne: Es gab nur diesen einen Termin, gerade einmal acht Tage später. Kann man innerhalb von einer guten Woche ein medienträchtiges Benefizspiel organisieren, noch dazu mit Liveübertragung zur besten Sendezeit? „Ich wusste von meinen Jungs in Darmstadt, dass wir das hinkriegen“, sagt Golüke.

Was blieb ihm auch anderes übrig? Einen bis in die wenigen Haarspitzen zur Hilfe motivierten Hoeneß vertröstet man ja nicht einfach so. Und überhaupt: Es war die letzte Chance für Golükes Lieblingsklub. Und so wurde es eine anstrengende Woche. Der Journalist „und seine Jungs“ vom SV Darmstadt hatten eine Menge vorzubereiten.

Bayernspieler 2008.

Dem voraus gingen viele Jahre der Misswirtschaft, sogar Betrügereien umgaben den Traditionsklub. Im Zuge dieser finanziellen Talfahrt war der Verein am Ende, die Verantwortlichen stellten den Insolvenzantrag. Die Gesamtverbindlichkeiten beliefen sich auf weit über eine Million Euro, die Lage war aussichtslos. Mit Präsident und Macher Hans Kessler kam zwar wieder Bewegung rein, der Unternehmensberater hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Aber er allein konnte nichts ausrichten. „Es fehlte an der Initialzündung“, sagt Golüke. Sie erfolgte mit dem Benefizspiel am 13. Mai 2008.

„Das Spiel war das eine, das andere war das Auftreten von Hoeneß. Vor dem Anpfiff hielt er ein 20-minütiges, flammendes Pladoyer vor den geladenen Wirtschaftsvertretern aus der Region. Er weckte sie auf“, so Golüke. Zudem wurde das Spiel zu einem riesigen Festakt. 20 000 Fans kamen ans Böllenfalltor, es herrschte Aufbruchstimmung. Ein paar Jahre später sagte Hoeneß über den Besuch in Darmstadt: „Ich hatte ziemlich Theater, weil Ribéry und Luca Toni eigentlich nicht mitwollten. Aber da haben wir gesagt, das geht so nicht! Die mussten einfach mit, sie haben dann auch vor Ort jede Menge Autogramme geschrieben. Es war eine spontane Idee, aber wir haben geholfen.“

Das Spiel spülte direkt 200 000 Euro in die Lilien-Kasse, der Konkurs war abgewendet. Und das Fundament für eine Zukunft gelegt. Das Spiel ging im Übrigen 11:5 für den FC Bayern aus. Am Samstag haben die Darmstädter nun in einem Bundesliga­spiel die Chance zur Revanche. Würde sie gelingen, wäre es ein weiteres Wunder.

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