Er gab den Münchnern 2013 einen Korb

tz-Interview: Brandt bereut Absage an FC Bayern nicht

+
Julian Brandt.

München - Julian Brandt hatte im Sommer den Sprung ins EM-Team von Joachim Löw im letzten Moment nicht geschafft. Dafür spielte er bei Olympia groß auf und machte zahlreiche Top-Klubs auf sich aufmerksamt. Im tz-Interview spricht der 20-Jährige über seinen Karriereplan und den FC Bayern.

Herr Brandt, Sie stehen zum dritten Mal im Kader der Nationalmannschaft. Ist das inzwischen Routine oder immer noch etwas Besonderes?

Brandt: Das ist immer noch etwas Besonderes, aber mittlerweile habe ich viele Abläufe schon kennengelernt und bin nicht mehr ganz so nervös wie beim ersten Mal. Es ist noch mal eine ganz andere Welt als in den U-Mannschaften.

Etwas Besonderes war sicher auch die Olympia-Teilnahme im Sommer, oder?

Brandt: Ich muss ehrlich zugeben, dass ich anfangs erst überzeugt werden musste. Nach einer langen Saison muss man einfach auch nochmal sich selbst überwinden. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem wir in Brasilien ankamen, war es Weltklasse. Das Erlebnis Olympia war einfach geil – auch wenn am Ende ein kleines bisschen Glück zur Goldmedaille gefehlt hat.

Sie sind auch ein besonderer Spieler, denn Sie haben keinen Agenten. Ihr Vater Jürgen berät Sie – heutzutage fast schon ungewöhnlich.

Brandt: Ich bin mit meinem Papa ganz zufrieden (lacht). Er kommt zwar nicht aus der Fußballbranche, hat aber früher als Verkäufer in der Pharmaindustrie gearbeitet. Er weiß, wie das Geschäft funktioniert.

Wie kam es zu dem Vater-Sohn-Gespann?

Brandt: Als ich mit 15 Jahren von Oberneuland nach Wolfsburg gewechselt bin, kam ich quasi vom Dorf. Da hatte man mit Beratern nichts zu tun. Mein Papa hat sich um alles gekümmert und es lief wunderbar. Wir haben uns noch nie gestritten, er handelt immer in meinem Interesse.

Wie viele Spielerberater haben sich seitdem denn bei Ihnen vorgestellt?

Brandt: Viele. Mein Vater und ich haben uns auch mit einigen unterhalten, aber ich hatte noch nie das Gefühl, dass ich zwingend einen brauche. Ich könnte keinem Berater so vertrauen wie meinem Vater. Die Familie handelt ja eigentlich immer in deinem Interesse. So ist es zumindest bei mir. Und das Geld landet dabei auch in meiner Familie (lacht). Das hat sie verdient, denn meine Eltern waren immer für mich da und haben mich Woche für Woche zum Training gefahren.

Ihre Karriere wirkt bisher gut durchdacht. In der A-Jugend nach Wolfsburg, dann der Sprung in den Profifußball nach Leverkusen. Der FC Bayern bekam dafür 2013 einen Korb. Haben Sie einen genauen Karriere­plan?

Brandt: Nein, den habe ich nicht. Dafür ist der Fußball viel zu sehr ein Gegenwarts-Geschäft. Man kann doch wirklich nur sehr begrenzt weit voraus planen. Aber natürlich setze ich mich mit den gegenwärtigen Optionen auseinander und höre mir alles an. Die Gespräche mit Leverkusen liefen damals super. Ich bin ein Typ, der dann auch mal aus dem Bauch heraus entscheidet. Beim FC Bayern lief es auch professionell ab, aber man muss das Ganze ja gesund einschätzen. Ich kam aus der Jugend und bei Bayern wäre es schwer gewesen, sich gegen Spieler durchzusetzen, die ihr Niveau schon über Jahre hinweg bewiesen haben.

Wäre der FCB irgendwann der nächste Karriere­schritt? Oder träumen Sie eher vom Ausland?

Brandt: Das ist eine gute Frage. Ich mache nicht den zweiten Schritt vor dem ersten. Ich habe Ziele in Leverkusen, die ich erreichen möchte. Ich will konstanter in meinen Leistungen werden und regelmäßig Tore schießen.

Wenn Ihre Entwicklung so weitergeht, werden die ganz großen Klubs aber bald Schlange stehen.

Brandt: Das kann sein. Aber ich bin weit davon entfernt, Leverkusen nur als Zwischenstation zu sehen. Grundsätzlich ist das Ausland schon interessant, der FC Bayern ist es natürlich auch. Momentan mache ich mir da aber keine Gedanken.

In Sachen Konstanz kann man von den Bayern sicher einiges lernen…

Brandt: Das stimmt, da dienen sie als echtes Vorbild. Da muss man auch den Hut vor ihnen ziehen, denn es ist verdammt schwer, fast jedes Spiel zu gewinnen. Wenn man alle drei Tage spielen und den Fokus so schnell auf eine neue Partie legen muss, ist das vom Kopf her nicht einfach. Das merkt man ja auch bei Mannschaften wie Schalke, Gladbach oder uns. Gerade unsere Leistungen waren in den vergangenen Jahren ziemlich schwankend. Ziel muss es sein, so konstant wie die Bayern zu werden. Dass man sie in einem Spiel mal ärgern kann, haben wir mit Leverkusen auch schon des Öfteren bewiesen.

WhatsApp-News zum FC Bayern gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für FCB-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Roten direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Bayern-Gegner VfL ein Scherbenhaufen: „Einer hat es auf die Spitze getrieben“
Bayern-Gegner VfL ein Scherbenhaufen: „Einer hat es auf die Spitze getrieben“
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste
Innenverteidigung: Nationalspieler auf Bayerns Liste
Innenverteidigung: Nationalspieler auf Bayerns Liste
Ribéry: Bayern vielleicht nicht mein letzter Klub
Ribéry: Bayern vielleicht nicht mein letzter Klub

Kommentare