San mia noch mia?

Merkur-Kommentar zum BR-Streit: Bosse haben sich verpokert

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Hanna Schmalenbach.

München - Bayern-Reporterin Hanna Schmalenbach beleuchtet in ihrem Kommentar den Streit zwischen dem FC Bayern und dem BR, der am Wochenende für viel Unmut sorgte - auch unter Bayern-Fans.

Die ganze Welt erreichen – das ist ja inzwischen der Maßstab des FC Bayern. Trainingslager hält man nicht mehr in Rottach-Egern oder im Trentino ab, sondern in Katar oder gleich in den USA oder China. Spieler sucht man nicht in der Bundesliga, sondern in Brasilien, Spanien und dem Rest des Universums. Und mit der Vermarktung hält man sich auch nicht mehr in der Bundesrepublik oder gar im schönen Bayern, sondern in anderen Sphären auf. Je mehr Leute den FC Bayern kennen und sehen, desto besser. Denn die Gleichung ist ganz leicht: Jeder Fan – in der Isarvorstadt wie in Kuwait – bringt Geld (Randnotiz: Das neue Trikot kostet 89,95 Euro).

Man muss diese Entwicklung gar nicht mal negativ sehen. Sie ist normal, wenn man sich auf einem Markt bewegt, in dem überdimensionale Batzen an Geld hin und her geschoben werden und Konkurrenzkampf sich fast ausschließlich auf finanzielle Ressourcen beschränken lässt. Letztlich muss ein Weltklub – und damit florierendes Wirtschaftsunternehmen – alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Basis für Erfolg zu legen. Heißt: Geld einnehmen! Aber: Muss das wirklich um jeden Preis sein?

Der FC Bayern braucht sich nicht wundern, dass der Streit um die Übertragungsrechte der Meisterfeier und letztlich die Absage des Haus- und Hof-Senders BR bei Teilen seiner Anhängerschaft nicht gut angekommen ist. Natürlich wurden die kritischen Stimmen („Raffzähne“) vermehrt aus jenem Lager laut, das sich im Falle einer seltenen Niederlage tagelang über das Scheitern der „Großkopferten“ freut. Aber auch langjährige Fans, treue Seelen, betrachten mit Argwohn, wie der Weltklub nach und nach seine Wurzeln vernachlässigt. San mia noch mia?

Bilder: So wild feierten die Bayern auf dem Marienplatz

Mal ehrlich: Einnahmen von angeblich 150 000 Euro sind für ein mittelständisches Unternehmen viel Geld. Für einen Verein, der das vergangene Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 524 Millionen Euro beendet hat und an einem Tag mehr als 70 Millionen Euro für Transfers ausgeben kann, aber nicht. Mit der vehementen Forderung nach dieser – im Vergleich – kleinen Summe, haben sich die Bayern-Bosse verpokert. Der „BR“ hingegen hat das richtige Zeichen gesetzt. Dann schaut das Kern-Publikum halt „Tiere vor der Kamera“, während am Marienplatz die Sause steigt. Finanziell ist das für die Bayern kaum ein Verlust. Aber emotional. Ein gar nicht so unwichtiger Aspekt.

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