Zu den Transfers von Hummels und Sanches

Merkur-Kommentar: Kraftakt des Käuferklubs

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Marc Beyer

München - Bayern-Reporter Marc Beyer gibt in seinem Kommentar eine Einschätzung zur Verpflichtung von Renato Sanches und Mats Hummels durch den FC Bayern. Er glaubt: Der Verein hat ein klares Signal gesetzt.

Ein gutes Wortspiel ist unbezahlbar. „Oans, zwoa, drei gwunna“ ließ die Marketingabteilung des FC Bayern auf die T-Shirts drucken, die zur Feier des Triples 2013 gereicht wurde. Einerseits klang das angemessen heimatverbunden, um an der Basis zu punkten, andererseits führte es geradewegs in die Irre. In Wahrheit definiert sich der FC Bayern längst nicht mehr als regional verankerte Marke. Er agiert mit dem Selbstverständnis eines global operierenden Konzerns. Und deshalb wurde die vierte Meisterschaft in Folge am Wochenende sprachlich so gewürdigt, dass man es auch auf dem heißbegehrten asiatischen Markt versteht: „4EVER“.

Die Bayern haben immer so getan, als wäre der vierte Titel das ganz große Ziel. Im Lichte der gestrigen Personalien wird es ihnen schwerfallen, dieser Darstellung treu zu bleiben. Wer solche Summen wie sie bewegen kann, 70 Millionen in zwei Spieler investiert, etliche Bonusmillionen berücksichtigen muss und damit seine Aktivitäten noch lange nicht abgeschlossen hat, hat mehr als bloß den heimischen Markt im Auge. Die nationale Dominanz ist angesichts des gewaltigen Etatgefälles eh die Regel.

Die Bayern verstehen ihre Transferoffensive als Botschaft an den Rest der Fußballwelt. Schon bei Hummels war es so, dass der Spieler seine jahrelang gehegten Auslandspläne über den Haufen warf, als die Heimat rief. Noch eindrucksvoller ist das Signal bei Sanches. Längst ist ein Wettbieten im Gange um die besten 18- bis 20-Jährigen, deren Namen die breite Masse noch kaum kennt. Der Schweizer Embolo, der Belgier Tielemans – und eben auch der Portugiese Sanches. Die Frühreife der Jungstars geht einher mit dem sagenhaften Reichtum der Topklubs.

Sich in einem ehrgeizigen Markt zu behaupten, ist ein Kraftakt, der auch den FC Bayern fordert. Selbst dieser Verein, der sich als Käuferklub versteht, stößt allmählich an seine Grenzen. Einer wie Thiago könnte da schnell verzichtbar werden, zumal der Neue jünger, hungriger und deutlich robuster ist.

Wenn die neue Saison beginnt, wird alles sein wie immer. Mindestens 17 von 18 Bundesligisten werden die Bayern zum Favoriten erklären, in München wird man Demut beschwören und die Konkurrenz starkreden (der man eben noch den wichtigsten Spieler weggekauft hat). Es ist das immergleiche Ritual, so wie die T-Shirts. „High Five“ würde sich nächstes Mal als Aufdruck anbieten.

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