Keine Worte an die Fans auf dem Rathausbalkon

Das seltsame Schweigen des Pep Guardiola

München - Pep Guardiolas Meister feiern auf dem Marienplatz mit dosiertem Elan – wollen es aber "am Sonntag richtig krachen lassen". Dann würde hoffentlich auch der Trainer so richtig aus sich heraus gehen - ein letztes Mal.

Am Ende dieser dreijährigen Amtszeit gab es ihn tatsächlich, den Moment, in dem man sehen konnte, warum Pep Guardiola jenen Posten eingeführt hat, der im deutschen Fußball bisher einzigartig war. Manuel Estiarte, der Intimus des Bayern-Trainers, stand da also am Sonntagnachmittag am Rande des Rathausbalkons und zückte sein Handy. Ein paar Bilder dieser Sause schaden ja nicht, die kann man später mal seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln zeigen. Oder auch Guardiola. Denn der war zu diesem Zeitpunkt schon wieder im Rathaus. Ohne ein Wort an die Fans gerichtet zu haben.

Wenn der scheidende Bayern-Trainer sich nochmal erinnern will an den womöglich letzten Auftritt vor den Münchner Anhängern, wird er auf Estiartes Video zurückgreifen müssen. Immerhin allerdings sieht das deutlich mehr nach Party aus als der müde und verkaterte Auftritt der Bayern, den die rund 15 000 Fans auf dem Marienplatz gesehen haben. Denn Estiarte hatte – als auf dem Balkon weder Thomas Müller mit seinem „Humba-Tätärääää“ noch Franck Ribery mit „Champs Elysées“ für richtig Partystimmung sorgen konnten – einfach angefangen, das Telefon in seinen Händen im Takt der Musik zu bewegen. „Stern des Südens“, „We are the Champions“, „Forever Number One“ – die Klassiker. Nach einem historischen Auftritt zur historischen vierten Meisterschaft hintereinander konnte es aber nicht mal mit diesem kleinen Film-Trick aussehen.

So feiert der FC Bayern! Müller und Ribéry als Vorsänger

Eine Stunde dauerte die Stippvisite der Bayern-Teams im Rathaus, der der Frauenmannschaft augenscheinlich mehr Spaß bereitete als ihren männlichen Pendants. Das hatte sogar Karl-Heinz Rummenigge bemerkt. Der Vorstandsvorsitzende kündigte deshalb beim knapp zehnminütigen Empfang im Anschluss gegenüber Oberbürgermeister Dieter Reiter bereits an: „Wir würden gerne am kommenden Sonntag noch mal hier feiern. Ich hoffe, Sie sperren uns dann das Rathaus auf – dann würden wir es richtig krachen lassen.“

Für Guardiola wäre es die letzte Chance, sich auch von den Fans gebührend zu verabschieden. Der Spanier hatte zwar zum Start ins Feier-Wochenende auf dem (später von der Südkurve gestürmten) Rasen seine Abneigung gegen die bayerische Folklore abgelegt und die ein oder andere Bierdusche initiiert. Auf dem Rathaus aber wirkte er wie in einer anderen Welt. Keinen Satz brachte der 45-Jährige über die Lippen, lediglich im Interview sagte er später: „Ich liebe diese Stadt.“ Eine Botschaft, die auch im rot-weißen Fahnenmeer sicher gut angekommen wäre.

Es war eine seltsame Meisterfeier. Die eines Weltklubs, der verzweifelt bemüht ist, sich die Enttäuschung über das Aus in der Champions League nicht anmerken zu lassen, es aber nicht schafft, dem nationalen Titel die aus der Vorstandsetage gewünschte Begeisterung entgegenzubringen. Rummenigge sprach auf der internen Feier im Postpalast – auf der nach dem 3:1 gegen Hannover tatsächlich die Post abging – von einer „Wunschsaison“. Er betonte vor den Augen von Mitarbeitern, Legenden und auch dem zur Zeit wegen Krankheit pausierenden Sportvorstand Matthias Sammer, dass all die Erfolge der letzten Jahre „nicht normal“ seien. Und er sagte in Richtung Guardiola, der nach diversen („kalten, stinkigen“) Bierduschen im rosa Shirt erschienen war: „Du warst mehr als nur der Trainer des FC Bayern, du warst der Botschafter des FC Bayern.“ Wenn auch ein stiller.

Bilder: So war's auf der Meisterfeier im Postpalast

Eine große letzte Botschaft könnte Guardiola am kommenden Samstag in Berlin loswerden. Der Spanier, der sich bei den Spielern übrigens für das Nicht-Erreichen des Champions League-Endspiels entschuldigt hat, bekommt gegen den „besten BVB der Geschichte“ sein persönliches Finale. „Du weißt“, sagte Rummenigge auf der Bühne, „das Double in Deutschland zählt viel.“ Guardiola nickte artig. Er lachte. Vielleicht muss er nochmal auf den Balkon.

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Rubriklistenbild: © dpa

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