Bayern-Stars als Mahner

"Herbstmeisterschaft? Das ist kein Titel!"

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Für Thomas Müller ist die Herbstmeisterschaft kein Titel.

München - Die Spannung steigt. Die Spieler des FC Bayern fiebern dem Kracher gegen Dortmund entgegen. Die Lobeshymnen über die Herbstmeisterschaft sind den Stars aber ein Dorn im Auge.

Gäbe es so etwas wie das Guinness Buch der Bundesliga-Rekorde, dann könnte man in dieser Saison auch getrost das Wappen des FC Bayern auf den Einband drucken. Nach Startrekord und Auswärtssiegrekord haben die Roten nun die nächste Topmarke geknackt. Mit dem 2:0 in Freiburg hat sich der FCB als der früheste Herbstmeister in die Geschichtsbücher eingetragen. Doch ausgerechnet die Münchner selbst konnten sich nach dem Sieg in Freiburg nicht besonders für diesen Mini-Titel begeistern. „Die Herbstmeisterschaft, das ist doch gar kein Titel. Das ist doch mehr oder weniger erfunden“, sagte Thomas Müller nach der Partie im Breisgau. Für ihn und den Rest der Mannschaft zählt, was im Mai nächsten Jahres auf der Habenseite steht – und das sollte möglichst rund, silbern und mit grünen Edelsteinen besetzt sein.

Dennoch: Zehn Punkte auf den direkten Verfolger aus Leverkusen und elf auf Borussia Dortmund sprechen eine deutliche Sprache. Die Bayern marschieren vorneweg, doch die Geister der vergangenen Saison lassen sie immer noch nicht los. „Diese Rechenspiele interessieren mich nicht“, so Trainer Jupp Heynckes. Thomas Müller ergänzt: „Letztes Jahr waren wir in Katar im Trainingslager, und wir haben eine Woche nur Gesülze gehört, dass wir jetzt Herbstmeister sind mit drei Punkten Vorsprung und wie wir feiern im Mai. Man braucht aber immer noch eine Rückrunde. Deswegen sollte man immer vorsichtig sein mit solchen Aussagen.“

Vor allem mit Blick auf den kommenden Gegner der Bayern: Am Samstag kommt Borussia Dortmund zum Topspiel in die Arena, jene Mannschaft, die den Bayern in den zwei vergangenen Saisons die Bundesliga-Suppe gehörig versalzte. Toni Kroos warnt: „Elf Punkte auf Dortmund sind ein gutes Polster, wir werden uns aber nicht darauf ausruhen. Ich sehe nur Dortmund als Konkurrenten.“

Turbodribbler Franck Ribéry stimmt mit ein in die Mahn-Arien, der Franzose fordert eine Steigerung im Vergleich zum 2:0 in Freiburg. „Das Spiel ist wichtig für beide, aber noch mehr für uns“, sagte er. „Wenn wir so spielen wie in Freiburg, kriegen wir gegen Dortmund ein Problem.“ Bayerns Wirbelwind plagt sich noch mit minimalen Rippenschmerzen herum, auf das Duell gegen den Meister ist er aber heiß wie ein Vulkan. „Am Samstag ist es wie in der Champions League“, so Ribéry.

Philipp Lahm sieht das schon etwas nüchterner. Der Kapitän will sich nicht von Emotionen leiten lassen, für ihn stehen einzig und allein die drei Punkte im Vordergrund. Lahm: „Wir wollen den Vorsprung auf Dortmund am Wochenende ausbauen, und nur darum geht es.“

Um das – und um ein wenig mehr. In den letzten fünf offiziellen Partien – vom Sieg der Bayern im Ligapokal mal abgesehen – hatten immer die Schwarzgelben die Nase vorn. Für die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes geht es am Samstag vor allem ums Prestige. Thomas Müller: „Es wäre gelogen, wenn man sagt, das Spiel hätte keine besondere Bedeutung.“

Die Herbstmeister der vergangenen 20 Jahre

Alle Herbstmeister seit 1989 - und wer am Saisonende den Titel holte

Die mathematische Bedeutung ist schnell erklärt: Siegt Bayern, bauen sie ihren Vorsprung auf den BVB auf 14 Zähler aus, wären also im Rennen um die Schale wohl kaum mehr zu bremsen. Ottmar Hitzfeld geht da sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn Bayern Dortmund schlägt, wird es langweilig“, sagte der Ex-Trainer beider Klubs auf einem Sky-Termin. „Dann ist die Meisterschaft entschieden.“ Doch wie hat Uli Hoeneß mal gesagt: „Der Weihnachtsmann ist nicht der Osterhase!“ Und der BVB nicht die Zahnfee…

lop, mic, jj

Jan Janssen

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