Guardiola: "Hatten Probleme"

Berauschte Bayern jagen weitere Rekorde

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Nach Thiagos (3.v.l.) Traumtor kannte der Bayern-Jubel keine Grenzen.

Stuttgart - Ein überragender Thiago und der längst vergessene Bayern-Dusel haben den Rekordmeister vor einer Niederlage beim VfB Stuttgart bewahrt. Zudem baute er durch das 2:1 mehrere Bestmarken aus.

Bayern-Trainer Pep Guardiola schwärmte, die Mitspieler schwelgten und erdrückten ihn beinahe. Nach seinem Traumtor konnte sich Thiago vor Komplimenten kaum noch retten. Nicht nur wegen seines spektakulären Seitfall-Siegtreffers zum glücklichen 2:1 (0:1) des deutschen Rekordmeisters beim VfB Stuttgart war der 22 Jahre alte spanische Nationalspieler in der Nachholpartie am Mittwoch der überragende Münchner Akteur.

„Ein fantastischer Treffer“, gratulierte Guardiola. „Schöner kann man ein Tor nicht machen“, meinte Thomas Müller. Keeper Manuel Neuer hob hervor: „Man sieht, was er kann.“ Selbst VfB-Sportvorstand Fredi Bobic sprach von einem „Weltklassetor“. Der frühere Torjäger stellte angesichts der eingeschränkten eigenen finanziellen Möglichkeiten auf dem Transfermarkt ohne Neid fest: „Das macht keiner, der nur 2,50 kostet.“ Thiago selbst beurteilte seinen Premierentreffer in der Bundesliga bescheiden: „Es war glücklich, so ein wunderschönes Tor zu erzielen.“

Guardiola: "Wir hatten Probleme"

Spätestens seit dieser glänzenden Vorstellung ist klar, warum Guardiola den technisch brillanten und strategisch begabten Mittelfeldmann unbedingt von Barcelona zu den Bayern holen wollte. „Den oder keinen“ hatte er vor Saisonbeginn ultimativ gefordert. Thiago stellte nicht nur den Sieg sicher (90.+3), er schlug auch den präzisen Freistoß zum 1:1 durch Claudio Pizarro (76.) und scheiterte zudem zweimal knapp an VfB-Schlussmann Sven Ulreich. Mit Kapitän Philipp Lahm diktierte er das Geschehen und war mit vier Torschüssen und 129 Ballkontakten der aktivste Bayern-Akteur.

Die Münchner präsentierten sich im Süd-Schlager aber trotz Thiago keinesfalls als Übermannschaft - im Gegenteil. Ausgerechnet die zuletzt kriselnden Stuttgarter boten dem souveränen Spitzenreiter lange Paroli und deckten Schwachstellen auf. Die Führung durch Vedad Ibisevic (29.) war vollauf verdient. „Wir hatten Probleme“, räumte Guardiola ein. Und erstmals seit Wochen auch wieder den alten Bayern-Dusel. Vor allem im ersten Durchgang fehlten die gewohnte Ordnung und die Effektivität im Strafraum. Erst nach der Einwechslung von Mario Mandzukic und Pizarro nach knapp einer Stunde wurden die Münchner gefährlicher.

Coach und Kicker gewannen dem knappen und glücklichen Sieg aber auch Positives ab. „Wir brauchen manchmal eine Warnung“, meinte Guardiola. „Es ist viel besser, so zu gewinnen als 4:0 oder 5:0.“ Müller bewertete den Zittersieg als etwas Spezielles: „Na klar. So einen Sieg kann man einfach nicht mit einem lockeren 4:0 vergleichen. Das ist von den Hormonen her schon ein anderes Erlebnis.“ Neuer räumte ein: „Wir mussten uns alles hart erarbeiten.“

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Guardiola führte auch ein paar Entschuldigungen für die durchwachsene Vorstellung an. Nach 42 Punktspielen ohne Niederlage sei es mental nicht einfach. Manchmal fehle auch die Konzentration. So aber baute der Rekordmeister seine Rekordserien weiter aus: Seit 43 Ligaspielen in Serie insgesamt, dazu in 28 Auswärtspartien sind die Bayern nun ungeschlagen. 50 Punkte nach 18 Spieltagen hatten sie selbst in ihrer Triple-Saison unter Jupp Heynckes nicht auf dem Konto. Und 13 Punkte Vorsprung zum jetzigen Zeitpunkt auf den Tabellenzweiten Leverkusen sind ebenfalls eine Bestmarke.

Dabei stand der VfB kurz davor, den Mythos der Münchner Unbesiegbarkeit zu zerstören. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht“, stöhnte Trainer Thomas Schneider. „Es ist so bitter, in der letzten Sekunde erwischt zu werden.“ Bobic bedauerte: „Das ist ärgerlich und tut wirklich weh. Schade, wir haben ein tolles Fußballspiel geboten.“

Statt als erster Bayern-Bezwinger gefeiert zu werden, stecken die zum dritten Mal hintereinander geschlagenen Stuttgarter nun mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz im Abstiegskampf. Bangemachen gilt vor der nächsten schweren Herausforderung in Leverkusen indes nicht. „Wir müssen in der Art und Weise weitermachen“, forderte Bobic. Offensivkraft Martin Harnik warnte davor, die Leistung überzubewerten: „Wir müssen uns nicht in die Tasche lügen, wie toll wir waren. Wir müssen versuchen, das jetzt jede Woche abzurufen. Leverkusen wird keine leichte Aufgabe.“

dpa

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