Calmund über Liga-Gipfel und Lahm-Kritik

"Auch Bayern-Stars sind keine Maschinen"

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Reiner Calmund (l.), TV-Moderator und Autor, erwartet ein Hammerspiel.

München - Auf einen „absoluten Knaller“ freut sich Reiner Calmund, ehemaliger Leverkusener Geschäftsführer, wenn Bayer am Samstagabend um 18.30 Uhr den FC Bayern erwartet.

Auch wenn der Tabellendritte den Zweiten empfängt – für Calmund sind die Rollen klar verteilt. Der tz verrät der 64-Jährige, welche Form von Kritik er bevorzugt und welche Berufskrankheit einige Fußballer mit sich herumtragen.

Herr Calmund, hält das Topspiel Samstag Abend das, was es verspricht?

Calmund: Mit Sicherheit. Leverkusen ist nach sieben Spielen ganz eng oben dabei und trifft jetzt auf Bayern – das wird ein Hammerspiel.

Ein Duell auf Augenhöhe?

Calmund: Bayern ist klarer Favorit, die Leistung am Mittwoch gegen Manchester war gigantisch gut. Die Leverkusener haben nichts zu verlieren, ihr Lastminutesieg gegen San Sebastian sorgt jedoch für Selbstvertrauen und auch etwas Gelassenheit. Bayer 04 ist als Außenseiter immer in der Lage den Super-Bayern ein Bein zu stellen.

Die letzte Liga-Pleite kassierte der FCB im Oktober 2012 gegen – Leverkusen. Schließt sich heute der Kreis?

Calmund: Die Bayern sind seit 32 Bundesliga-Spielen ungeschlagen, eine beeindruckende Serie. Beim 1:2, vor einem Jahr, hat bei Leverkusen der Fussballgott mitgespielt und dann hat auch noch ein Eigentor von Boateng die Überraschung perfekt gemacht. Zauberfußball mit Glanz kann man von den Bayern nicht immer erwarten, das sehe ich so wie Philipp Lahm. Auch für ein 1:0, wie gegen Wolfsburg, gibt es drei Punkte. Kleine Schwächen sind erlaubt, auch die Bayern-Stars sind keine Maschinen.

Apropos Lahm, seine Äußerungen über öffentliche Kritik sorgten unter der Woche für Wirbel.

Calmund: Wenn bei Bayern München einer hustet und sich räuspert, dann interessiert es ganz Deutschland. Ich glaube, es ist nicht so dramatisch.

Dafür haben sich aber ziemlich viele Leute in die Diskussion eingeschaltet…

Calmund: Es ist sicher immer besser, Kritik intern zu äußern. In der Säbener Straße sind die Räumlichkeiten eigentlich groß genug, um Dispute bei einer Tasse Kaffee hinter verschlossenen Türen zu klären. Das Wichtigste für mich ist aber, dass es zwischen Pep Guardiola und Matthias Sammer keine Dissonanzen gibt. Sie sind die wichtigsten Partner der Mannschaft und ziehen eindeutig an einem Strang. Die Jubelszenen aus Schalke, wo sich beide vor Freude über das 4:0 auf die Glatze gehauen haben, waren doch fantastisch.

Also war es viel Lärm um eine Lappalie?

Calmund: Jeder weiß, dass Matthias ein Feuerkopf ist. Das wusste man auch bei seiner Verpflichtung. Grundsätzlich darf und muss er Fehler ansprechen, Emotionen und Leidenschaft gehören dazu. Über die Art und Weise kann man genauso streiten, wie über die Forderung einiger Spieler, es selbstkritisch zu regeln. Ich habe in meiner langen Laufbahn viele Weltklassespieler mit einer sehr guten Mentalität kennengelernt. Eine Berufskrankheit hatten sie fast alle: mangelnde Selbstkritik.

FIFA 14: So sehen die Bayern-Stars im Spiel und in Echt aus

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Hat Stefan Kießling diese Krankheit auch?

Calmund: Ein bisschen leidet jeder Profi darunter, aber Stefan ist ein anständiger Kerl. Kopfballstark, robust und torgefährlich. So einer kann jedem Team helfen.

Der Nationalmannschaft scheinbar nicht.

Calmund: Stopp. Da gilt es Joachim Löws Aussage zu akzeptieren. Der Bundestrainer bestimmt sein System und hat das Recht, Miroslav Klose und Mario Gomez einen Kaderplatz zu garantieren.

Bei der WM 2010 soll sich Kießling als Ergänzungsspieler hängen gelassen haben.

Calmund: Nein, er ist menschlich voll in Ordnung. Ich halte es auch für total übertrieben, wenn ihm jetzt einer vorwirft, dass er vor drei Jahren in Südafrika nicht voll bei der Sache war. Für die Vergesslichen: Er hat während dieser WM keine Sekunde gespielt. Stefan ist ein Teamplayer, das hat er jetzt in der Debatte auch wieder gezeigt. Er hat trotz der Nichtnominierung kein böses Wort in Richtung Löw verloren. Wenn alle Stricke reißen, setzt er sich in den Flieger nach Brasilien und hilft. Mehr geht nicht.

Interview: Sven Westerschulze

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