Wahnsinns-Trip

Bayern reist 18.000 km für ein paar Minuten Fußball

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Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer im New Yorker Büro der Münchner.

München - Die strapaziöse USA-Reise des FC Bayern ist sportlich zumindest fragwürdig. Die Weltmeister werden aus Marketinggründen sogar kurzfristig nach Portland eingeflogen.

Es ist ein Wahnsinns-Trip: Mittwochvormittag knapp 9000 Kilometer von München nach Portland, kurzes Ausspannen, dann das Spiel gegen eine Auswahl der Major League Soccer (MLS), Fahrt zum Flughafen und Rückflug nach München, geplante Rückkehr dort am Donnerstagabend um 19.35 Uhr. Bayern München mutet seinen sechs deutschen Weltmeistern sowie Arjen Robben und Innenverteidiger Dante knapp 18.000 Flugkilometer und etwa 34 Stunden für ein paar Minuten Fußball zu.

Es sind Marketinggründe, die den FC Bayern zu der außergewöhnlichen Maßnahme bewegen, die Stars aus dem Urlaub für die Partie am Mittwoch (18.30 Uhr OZ/3.30 Uhr MESZ am Donnerstag) einfliegen zu lassen. Aus sportlicher Sicht ist eine derart strapaziöse Reise äußerst grenzwertig, zumal die Vorbereitung des Rekordmeisters ohnehin schon problematisch verläuft.

Dennoch machen die Verantwortlichen gut zwei Wochen vor dem Bundesligastart gute Miene zu den wenig erfreulichen Begleitumständen. Solche Reisen gehören bei „den wichtigsten Vereinen der Welt dazu“, sagte Pep Guardiola lapidar. Man müsse sich „als Trainer anpassen“. Er könne das aus vereinspolitischer Sicht verstehen, fügte Sportvorstand Matthias Sammer an, „aber sportlich gesehen bin ich froh, wenn wir in München sind. Dann können wir alle zusammen trainieren.“

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich nicht nur der FC Bayern bewegt. Auf der einen Seite wollen die Vereine und die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Erlöse im Ausland von bislang 75 Millionen Euro pro Jahr erheblich steigern. Dafür müssen sich die Klubs aber auch in Amerika oder Fernost präsentieren und etwaige Probleme in Kauf nehmen.

Auch Leverkusen hatte in der vergangenen Woche für eine Tour nach Südkorea rund 17.000 Kilometer bewältigt. Hamburg und Bremen reisten im Juli nach China. Laut Dortmunds Geschäftsführer Michael Zorc ist jedoch gerade bei den Nationalspielern „die Belastungsgrenze erreicht, teilweise schon überschritten“.

Die Bayern touren seit dem 30. Juli durch die USA. Erste Station war New York an der Ostküste, wo die Bayern auch ein Büro eröffnet haben. Nun sind sie seit Samstag in Portland/Oregon im Westen unterwegs. Diverse Medien- und PR-Aktivitäten müssen dabei mit einem einigermaßen vernünftigen Trainingsrhythmus koordiniert werden.

Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer, Thomas Müller, Mario Götze und Jerome Boateng durften sich nach ihrem WM-Triumph bislang noch in Deutschland erholen. Auch die beiden Halbfinalisten Robben und Dante hatten noch Urlaub. Dass es am Mittwoch gleich von null auf hundert geht, sieht zumindest Robben einigermaßen entspannt: „Der USA-Trip ist schön. Und es ist doch gut für uns, dass wir auch dort viele Fans haben und uns in den USA zeigen.“

Zunächst sollten die acht Profis schon am Dienstag in die USA fliegen. „Das haben wir aber noch einmal umgeplant, dass sie nicht in den Jetlag reinkommen“, berichtete Sammer. Man sei „happy, dass sie da sind. Aber mit der richtigen Vorbereitung werden sie erst in München beginnen“.

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Viel Zeit bleibt Guardiola dann trotzdem nicht mehr, um den Double-Gewinner auf Kurs zu bringen. Am 13. August steht das Spiel um den Supercup gegen Borussia Dortmund an, am 17. August geht es im Pokal gegen Preußen Münster weiter, ehe am 22. August der Bundesligastart gegen Wolfsburg ansteht.

Doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht trotz der Vorzeichen „keinen Grund, pessimistisch zu sein. Wir haben einen Top-Kader. Und das Wichtigste: Wir haben einen Trainer, der in dieser Sache Erfahrung hat, der es 2010 mit Barcelona erlebt hat, als Spanien Weltmeister wurde“, sagte er bei Sport1. Guardiola habe gesagt, „wir sollen uns keine Sorgen machen. Und ich habe großes Vertrauen in diesen Mann“.

Der Spanier hatte bereits angekündigt, dass er keine Ausreden gelten lassen wird. „Ich werde mit den Spielern reden. Wir müssen uns an die Situation anpassen. Die ist nicht ideal, aber ich will keine Klagen“, sagte Guardiola.

Der Bayern-Coach muss auch am Mittwoch gegen die MLS-Allstars einen Weg finden, den Zuschauern zum einen die Stars zu präsentieren, diese aber nach dem Urlaub nicht zu sehr zu strapazieren. „Pep wird das schon machen“, meinte Sammer und fügte an: „Wir wollen gewinnen. Aber wichtig ist, dass nichts passiert.“

SID

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