Kritik im „Bayern 3“-Interview

Top-Anwalt Ufer: Bei Hoeneß wurde ein Exempel statuiert

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Top-Anwalt Steffen Ufer (rechts) spricht über das Hoeneß-Urteil.

München - Harte Justiz-Kritik von Top-Anwalt Steffen Ufer im Bayern-3-Interview: Bei der Strafe von Uli Hoeneß sei auch ein Exempel statuiert worden.

„Deutschlands bekanntester Strafverteidiger“, so die Programmankündigung, war am Montag zu Gast bei Bayern-3-Talker Thorsten Otto. Vor kurzem hat Ufer sein Erinnerungs-Buch „Nicht schuldig: Gerechtigkeit ist keine Verhandlungssache“ (Heyne-Verlag, 267 Seiten, 19,90 Euro) herausgebracht. Das Buch thematisiert ohnehin genügend spektakuläre Kriminalfälle und Prozesse, um mehr als eine Talkshow zu füllen. Bei Thorsten Otto wurden zu Beginn der Sendung nicht etwa juristische Finessen thematisiert, sondern der FC Bayern.

Dem Verein ist Steffen Ufer als treuer Fan und Mitglied verbunden. So ging es zunächst um die aktuelle Formkrise und die Niederlage gegen den BVB. „Ich glaube, das hängt auch mit der Persönlichkeit Ancelotti zusammen, der die Dinge etwas ruhiger angeht und da keinen Druck macht“, vermutete Ufer. „Die Spieler geben dann vielleicht die letzten drei oder fünf Prozent nicht. Er scheint auch noch nicht ein klares Konzept vorgegeben zu haben. Darüber werden sich jetzt alle Gedanken machen, die da Verantwortung tragen.“

Ab Freitag wird aller Voraussicht nach wieder ein Mandant Steffen Ufers zu den Verantwortungsträgern beim FC Bayern gehören: Uli Hoeneß. Der Top-Anwalt betreute den inhaftierten Steuersünder im Strafvollzug und erreichte auch eine Haftverkürzung. Bei „Mensch Otto“ ging der renommierte Jurist (Ufer war auch Dozent an der Deutschen Anwaltsakademie) hart mit der Justiz im Fall Hoeneß ins Gericht. Die Staatsanwaltschaft habe sich trotz Selbstanzeige mit einer Verurteilung des Bayern-Präsidenten schmücken wollen. Bei seinem Fall sollte von Anfang an ein Exempel statuiert werden.

Interview mit Steffen Ufer: Harte Kritik an Hoeneß-Urteil

Um die juristisch nicht immer einfache Argumentation Steffen Ufers nicht zu verkürzen, geben wir Ihnen hier die vollständigen Interview-Passagen zum Thema Uli Hoeneß im Wortlaut wider.

Thorsten Otto: „Schen Sie es als gerecht an, dass Uli Hoeneß für seinen Steuerbetrug ins Gefängnis gegangen ist?“

Steffen Ufer: „Wenn man es juristisch so sieht, wie die Kammer hier in München, war es gerecht. Aber wenn man es so sieht, wie es eigentlich in ganz Deutschland gehandhabt wird: bei einer Selbstanzeige ist außer Uli Hoeneß noch nie jemand im Gefängnis gelandet. Das heißt, die Justiz überall sonst sieht es eher pragmatisch. Wie auch die Steuerleute, die sagen: ‚Wir wollen das Geld haben. Wir wollen das ganze Geld zurück und dann soll der noch ein bisschen bluten. Aber wenn er sich nun mal von selber offenbart hat - aus welchen Gründen auch immer... Es wird kaum einen geben, der es nur macht, weil er nun plötzlich ein ehrlicher Mensch werden will. Es gibt immer die Angst vor dem Erwischt-Werden, die mit das Motiv für eine Selbstanzeige ist. Und dann muss man den doch nicht mehr einsperren.“

Otto: „Würden Sie so weit gehen, dass da ein Exempel statuiert worden ist? Oder werden sollte?“

Ufer: „Es ist sicher so, dass hier ein Exempel statuiert wurde und auch von Anfang an werden sollte. Beim Finanzamt hat man die Dinge lockerer gesehen und erst mal Geld verlangt, was auch sofort auf den Tisch gelegt wurde. Da war alles Friede, Freue, Eierkuchen. Man hat sich gegenseitige Kooperation zugesagt. Und dann hat eben die Staatsanwaltschaft gemeint: ‘Hier haben wir einen, mit dem wir uns schmücken können. Und vielleicht auch die Allgemeinheit beeindrucken können.‘ Man will ja vielleicht andere Leute abschrecken. (...).“

Otto: „Das hat ja schon polarisiert, die ganze Geschichte. Es gab die einen wie Sie, die gesagt haben: ‚Wie kann man den Mann einsperren? Er hat sich doch selbst angezeigt.‘ Und auf der anderen gab es die, die gesagt haben: ‚Der verdient das!‘ Da hat man wieder gesehen, wie subjektiv dieses Gerechtigkeitsempfinden bei uns allen ist.“

Ufer: „In Deutschland kommt dann noch der Sozialneid sehr stark mit dazu. Der spielt bei vielen Dingen eine Rolle. Ich erlebe das in ganz vielen Verfahren, dass Richter oder Staatsanwälte dem Angeklagten vorhalten: ‚So ein Auto kann ich mir nicht leisten!‘“

Otto: „Ist das bei uns ausgeprägter als in anderen Ländern?“

Ufer: „Jedenfalls viel ausgeprägter als in Amerika oder Frankreich oder England. Da kann ich es ein bisschen beurteilen. Da sehen die Leute das eher als persönlichen Verdienst: ‚Wenn man sich etwas leisten kann, dann soll man es sich leisten.‘ Aber hier neidet jeder dem anderen eigentlich alles.“

Otto: „Wie hat sich der Mensch Uli Hoeneß, der jetzt wieder Präsident des FC Bayern wird, aus Ihrer Sicht verändert durch diese Gefängnis-Geschichte? Ist das vielleicht sogar was, was ihm menschlich sogar was gebracht hat?“

Ufer: „Es hätte nicht des Gefängnisses bedurft. Diese Geschichte an sich - dieses Verfahren - hätte ausgereicht, um ihn zu läutern. Um diesen etwas philosophischen Begriff zu gebrauchen: Er ist sicherlich nachdenklicher geworden. Und er hat andere Wertvorstellungen im Leben gewonnen. Davon bin ich überzeugt.“

Das vollständige Interview mit Steffen Ufer können Sie auf der Seite von „Mensch Otto!“ nachhören.

Steffen Ufer im tz- bzw. Merkur-Interview

Ein tz-Interview mit Steffen Ufer lesen Sie hier, ein Merkur-Interview hier.

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