Neue Rolle "eine Mischung aus allem und nichts"

Lizarazu und Scholl: Sorge um Bayern-Defensive - und um Lahm

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Bixente Lizarazu spielte 8,5 Jahre für den FC Bayern.

München - Bixente Lizarazu äußert sich zum Halbfinale seines Ex-Klubs gegen Atlético Madrid. Der Franzose fordert eine Leistungssteigerung im Rückspiel und sieht Parallelen zwischen den Bayern von 2001 und den Spaniern.

Bixente Lizarazu trug achteinhalb Jahre lang das Dress des FC Bayern. Der Publikumsliebling wurde mit den Münchnern sechsmal Meister, gewann fünfmal den DFB-Pokal und die Champions League 2001. In seiner Kolumne beim Sportmagazin Kicker äußert sich der französische Welt- und Europameister zum Duell seines Ex-Klubs gegen Atlético Madrid.

"Was hätte wohl ein Jeremies mit Saul Niguez gemacht?"

Die schwache Leistung im Vicente Claderon ist Lizarazu ein Dorn im Auge. "Wenn die Bayern ins Finale wollen, müssen sie zu Hause viel besser spielen als in Madrid." Besonders das dilettantische Abwehrverhalten gibt dem ehemaligen Linksverteidiger Anlass zur Sorge. "Es kann nicht sein, dass in einem Halbfinale ein Mann, wie Saul Niguez beim 1:0, vier Bayern-Spieler narrt." Daher fordert der 46-Jährige "mehr Disziplin, mehr Konzentration und mehr Aggressivität" im Rückspiel. Die Bayern-Defensive sieht er allgemein als "nicht so stabil". Auch Mehmet Scholl stößt im Sportmagazin in das gleiche Horn. "Was hätte wohl ein Jens Jeremies mit Saul Niguez in dieser Situation gemacht?" Diese rhetorische Frage stellte der Edeltechniker bezogen auf das Siegtor des Spaniers. Jeremies galt zu seiner Zeit als beinharter Zweikämpfer, gnadenlos zu sich selbst und vor allem zu seinen Gegenspielern. Vor der Zeit des Begriffs "Aggressiv-Leader" wäre der defensive Mittelfeldspieler ein Musterbeispiel für den Ausdruck gewesen.

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Lizarazu fordert Leistungssteigerung im Rückspiel - und Thomas Müller

Als aussichtslos sieht Lizarazu den Finaleinzug jedoch nicht an. Denn die FCB-Offensive habe immer das Potenzial, ein Tor zu erzielen. "Dazu muss aber mehr Tempo in das Spiel nach vorne und nach Balleroberungen direkter das Tor angepeilt werden." Trotz 70 Prozent Ballbesitz fehlte dem kleinen Linksfuß die Klarheit in den Bayern-Aktionen und fordert eine entscheidende Leistungssteigerung im Rückspiel. "Die Offensivspieler müssen besser zusammenarbeiten, sonst qualifiziert sich Bayern nicht." Als Experte, Moderator sowie Kommentator beim französischen Fernsehen ist der ehemalige Weltklassespieler dem Fußball treu geblieben und war - wie die meisten Fans - ebenfalls überrascht, dass der Bayern-Trainer im Hinspiel auf Thomas Müller verzichtete. "Ich kann nicht in Guardiolas Kopf schauen, aber Müller ist fantastisch und extrem wichtig." Daher verlangt er einen Einsatz des Münchner Urgesteins im Rückspiel. "In einem Halbfinale müssen die besten Spieler spielen, Leute mit Erfahrung."

"Lahm eine Mischung aus allem und nichts"

Seltsam stößt ihm zudem die neue Rolle von Philipp Lahm auf. Nominell als Rechtsverteidiger aufgestellt, bewegt sich der Bayern-Kapitän bei eigenem Ballbesitz unter Guardiola immer ins Mittelfeld. Die neu geschaffene Position sieht Lizarazu als "eine Mischung aus allem und nichts". Der Franzose plädiert daher für eine Rückkehr zu Lahms alter Rolle. "Ich habe nichts gegen neue Entwicklungen im Fußball, aber Lahm war ein Jahrzehnt der beste Außenverteidiger der Welt, wenn er aus der Tiefe kam und präzise flankte". Ein Blick auf die Statistik belegt die Aussage des 46-Jährigen. Allein in der Triple-Saison gab der ehemalige DFB-Kapitän in Bundesliga und Champions League als reiner Außenverteidiger 16 Torvorlagen. In den drei Jahren unter Guardiola waren es in den beiden Wettbewerben insgesamt zwölf Assists und vier Treffer.

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"Atlético erinnert mich an unser Team 2001"

Zwar hofft der ehemalige Bayern-Spieler auf einen Finaleinzug der Roten, warnt jedoch eindringlich vor dem Team von Diego Simeone. "Atlético wird auswärts ebenso unbequem werden, mit großem Kampfgeist, taktischer Disziplin, dem totalen Willen." Daher zieht der Welt- und Europameister eine Parallele mit dem eigenen Champions-League-Triumph. "Mich erinnert diese Truppe an unser Team 2001. Wir waren genauso aggressiv und in jedem Zweikampf voll bei der Sache." Bleibt zu hoffen, dass sich der deutsche Rekordmeister auf die Tugenden der Altstars besinnt und die Niederlage aus dem Hinspiel wettmachen kann. Sonst hätte Guardiola sein unrühmliches Triple mit drei verpassten Finaleinzügen gegen spanische Teams in Folge.

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