BVB-Boss glaubt an starke Bayern

Watzke im tz-Interview: "FC Bayern angeknockt? Unfug!"

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hält den FC Bayern für die aktuell stärkste deutsche Mannschaft.
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Vor dem Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München erklärt BVB-Boss Watzke im tz-Interview, warum er den FCB für die stärkste Mannschaft der Liga hält.

München - Vor dem Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München erklärt BVB-Boss Watzke im tz-Interview, warum er den FCB für die stärkste Mannschaft der Liga hält.

Die Zeiten von Putin und Obama sind vorbei. Zumindest vorübergehend. Das Verhältnis zwischen den beiden Top-Klubs der Bundesliga, das BVB-Boss Hans-Joachim Watzke einst mit dem des US-Präsidenten zum russischen Staatschef verglichen hatte, scheint wieder vorhanden. Man habe sich angenähert, heißt es. So sehr, dass sich Watzke und Karl-Heinz Rummenigge vor dem Liga-Gipfel wieder zum gemeinsamen Mittagessen an einen Tisch setzen werden. Italienische Spezialitäten gibt es, verriet Watzke der tz. Was der BVB-Boss zur Bedeutung der Klubs für die Liga, zu Hoeneß und Götze sagte, lesen Sie im großen tz-Interview.

Herr Watzke, schildern Sie uns doch mal den Mittwochabend aus Ihrer Sicht.

Watzke: Ganz normal. Ich saß auf der Tribüne und war durchaus angetan davon, dass wir das Spiel trotz erheblicher Änderungen in der Mannschaft so souverän heruntergespielt haben. Dann habe ich natürlich mitbekommen, dass die Bayern in Rückstand geraten sind. Später wurde mir gesagt, dass es unentschieden stand, ich habe mich aber nicht großartig darum gekümmert. Ich hatte nicht im Ansatz das Gefühl, dass Bayern das Spiel verlieren könnte. Für mich war klar: Fünf Minuten vor Schluss machen die noch das 2:1, das Übliche eben. Nach dem Spiel habe ich dann gehört, dass die Bayern das Spiel doch noch verloren haben. Und war überrascht.

Wäre Ihnen als Geschäftsführer des FCB jetzt bang, wenn es am Samstag nach Dortmund ginge?

Watzke: Überhaupt nicht. Ich wüsste ja, was ich für eine Mannschaft zur Verfügung hätte. Bayern und Barcelona sind in meinen Augen derzeit die beiden stärksten Mannschaften in Europa. Hinzu kommt – und das meine ich absolut positiv –, dass die Bayern eine außerordentliche Anzahl von absoluten Mentalitätsmonstern in ihren Reihen haben. Manuel Neuer zum Beispiel, oder Philipp Lahm, Arjen Robben, Robert Lewandowski – die werden nicht ein bisschen nervös. Ganz im Gegenteil: Ich denke, dass sie jetzt noch stärker auftrumpfen werden. Dass wir uns aber an diese Top-Mannschaft in Europa herangepirscht haben, zeigt, dass wir Fantastisches geleistet haben.

Borussia-Dortmund-Boss Watzke: Wir wissen, wie stark der FC Bayern ist  

Jetzt müssen Sie aber achtgeben, dass Ihre Kollegen hier im Süden nicht wieder die Understatement-Schublade aufmachen...

Watzke: Jeder weiß, dass Bayern München die Nummer 1 in Europa sein will. Das ist gut für den deutschen Fußball und dem zolle ich auch großen Respekt. Die beiden Mannschaften müssen sich nichts vormachen. Wir wissen, wie stark die Bayern sind, und sie wiederum wissen, dass wir sie an einem guten Tag schlagen können.

Und dann wären es nur noch zwei Pünktchen.

Watzke: Bayern ist nach wie vor haushoher Favorit auf die Meisterschaft. Das ist ganz einfach so, denn sie werden Dortmund so oder so als Tabellenführer verlassen. Hinzu kommt, dass Bayern die ganze Saison über bereits sehr wenig zulässt, daher hat München die absolut höchste Wahrscheinlichkeit auf den Meistertitel. Aber: Wir freuen uns in allererster Linie, dass wir den deutschen Fans wieder Spannung schenken. Das tut der Bundesliga und dem ganzen Fußball gut, das ist das Coolste an der ganzen Situation. Und das Zweitcoolste ist, dass wir jetzt nicht mit schlotternden Knien dastehen. Wir sind schon selbstbewusst und wissen, dass wir sie auch packen können.

Im Oktober haben Sie dem FC Bayern bereits im Doppelpass zur Meisterschaft gratuliert.

Watzke: Ich habe garantiert nicht gratuliert. Das tue ich immer erst dann, wenn die Meisterschaft entschieden ist.

Das Zitat lautete: „Wer am 34. Spieltag Deutscher Meister wird, ist Bayern München!“

Watzke: Das ist ja keine Gratulation. Sollten sie doch nicht Meister werden, breche ich natürlich auch nicht in Tränen aus.

Watzke: FC Bayern spielt unfassbar starke Saison

Aktuell heißt es, die Bayern seien angeknockt. Kann ja nichts Gutes heißen, oder?

Watzke: Angeknockt? Das ist natürlich völliger Unfug! Angeknockt ist eine Mannschaft auf diesem Niveau, wenn sie von zehn Spielen drei verliert. Das ist ja hier überhaupt nicht der Fall. Die Bayern spielen eine unfassbar stabile Saison. Ich habe mir das heute mal vor Augen geführt: Wir haben einen Punktestand von 57. Das ist exakt derselbe Punktestand des Tabellenführers in England, nur dass wir vier Spiele weniger dafür gebraucht haben. Daran, dass Bayern noch mal fünf Punkte davor ist, erkennt man, was der FCB dieses Jahr wieder leistet. Das ist außergewöhnlich.

Genauso aber der BVB.

Watzke: Selbstverständlich. Das erkennt man nicht nur an den fünf Punkten auf Bayern, sondern an den 15 auf Platz drei. Das wissen wir. Unser Schicksal ist es aber nun einmal, dass wir mit den Bayern die vielleicht beste Mannschaft Europas noch vor uns haben. Sonst wären wir der Titelfavorit, das ist doch völlig klar. Dass der FC Bayern in dieser Form da ist, tut aber auch der gesamten Liga gut.

Haben Sie die Saison 11/12 noch vor Augen?

Watzke: Ich habe jede Saison noch vor Augen. Die aber besonders.

Da lag der BVB bis zum 20. Spieltag auch noch hinter den Bayern...

Watzke: Da waren aber noch viel mehr Spiele zu spielen, das sollten wir auch nicht vergessen. Zum jetzigen Zeitpunkt hatten wir da schon die Pole Position, von daher kann man das nicht vergleichen. Hinzu kommt, dass Bayern heute unfassbar viel stärker ist als damals.

Haben Sie Jürgen Klopps Reaktion auf die Bayern-Pleite gesehen?

Watzke: Nein, habe ich nicht.

(Die tz spielt Watzke das Video vor) 

Watzke (lacht): Jürgen ist eben so. Der trägt sein Herz auf der Zunge. Mit Borussia Dortmund und Mainz 05 waren ja auch seine beiden ehemaligen Mannschaften involviert.

Was Schwarz-Gelb angeht, scheint seine Liebe ja noch sehr echt zu sein.

Watzke: Das ist doch völlig klar. Wir gratulieren uns immer nach wichtigen Spielen, das war am Mittwoch auch der Fall. Wir bleiben Freunde, da ist es doch nur normal, dass man am Schicksal des anderen stets Anteil nimmt.

Es wurde ja einige Zeit lang spekuliert, dass es ihn nach München ziehen könnte. 

Watzke: Ich glaube nicht, dass das jemals Jürgens Plan A, B oder C gewesen ist.

Wie steht es denn im Westen um die Vorfreude auf den deutschen Clásico?

Watzke: Es ist unfassbar. Ich bin heute zweimal mit dem Auto in der Stadt unterwegs gewesen, das ist einfach nur Wahnsinn. Jeder, der hinter, neben oder vor einem fährt, hupt, hält die Daumen hoch. Die Stadt ist wie elektrisiert. Wir hätten mehrere Hunderttausend Karten verkaufen können.

BVB-Boss Watzke: FC Bayern ist mit Abstand die beste deutsche Mannschaft

Herr Watzke, welchen Stellenwert hat dieses Spiel mittlerweile?

Watzke: Von meinen Kontakten zu den übrigen europäischen Topklubs verfolgt jeder dieses Spiel. Bayern München ist mit Abstand die beste deutsche Mannschaft, die zweitbeste ist definitiv aber auch Borussia Dortmund. Was diese beiden Mannschaften in den vergangenen Jahren für das Ansehen des deutschen Fußballs auf der ganzen Welt getan haben, kann man gar nicht hoch genug einschätzen.

Lässt sich die Partie in einem Atemzug mit dem spanischen Clásico nennen?

Watzke: Das würde ich gerne tun, der kleine Unterschied dabei ist, dass Barça und Real in finanzieller Hinsicht auf einem Level stehen. Wir haben nach wie vor aber etwa hundert Millionen weniger für Gehälter zur Verfügung als Bayern, was den Vergleich etwas schief erscheinen lässt.

Ähnlich wie in Spanien treffen in Lewandowski und Aubameyang auch die beiden Top-Torjäger der Liga aufeinander. Sind Sie stolz, dass die Wurzeln bei beiden schwarzgelber Natur sind?

Watzke: Ein bisschen, ja. Speziell Michael Zorc hat diese beiden Top-Leute in die Bundesliga geholt, als sie noch nicht jeder kannte. Weder Lech Posen, noch St. Étienne sind ja so im Fokus des deutschen Fußballfans. Das zeigt, dass wir das ganz ordentlich machen.

Watzke: Lewandowskis Entwicklung war absehbar

Haben Sie erwartet, dass speziell Lewandowski diese Entwicklung nimmt? Um ihn prügelt sich ja aktuell halb Europa.

Watzke: Robert ist als Fußballer wie als Mensch absolute Weltklasse. Von daher wusste ich das. Ich kenne kaum einen Spieler, der dermaßen auf seinen Beruf fokussiert ist und so ein hohes Maß an Ehrgeiz und absoluter Klasse mit sich bringt.

Wie ernst er seinen Beruf nimmt, kann man allein an seinem Körper erkennen.

Watzke: Eine absolute Maschine ist das. Wir standen ja vor der Situation, dass wir in Robert und Mario Götze zwei Herzstücke des Vereins an den FC Bayern verloren haben. Mit Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang haben wir sie aber ganz gut aufgefangen, denke ich. Das war sicherlich eine sehr, sehr gute Leistung von uns.

Nicht, dass Auba demnächst auch im roten Dress aufläuft...

Watzke: Der hat einen sehr langfristigen Vertrag bei uns. Im Übrigen: Beide Klubs haben erkannt, dass sie eine gemeinsame Verantwortung für den deutschen Fußball haben. Das beinhaltet idealerweise auch, dass wir diese Personalscharmützel sein lassen. Das tut beiden gut.

Apropos Mario Götze: Haben Sie ein wenig Mitleid? Er kommt ja doch nicht so oft zum Zug...

Watzke: Natürlich tut mir das leid. Mario ist ein Spieler von Borussia Dortmund wie kaum ein Zweiter. Mit elf Jahren ist er gekommen, in der Jugend habe ich ihn bei allen Spielen gesehen. Wenn dann so ein begnadeter Fußballer in etwas schwieriges Fahrwasser kommt, tut einem das natürlich leid. Mario ist ein sehr guter Junge, auf ihn lasse ich nichts kommen. Idealerweise sollte er sich dann aber nicht gerade gegen Borussia Dortmund aufraffen.

War ja schon mal der Fall.

Watzke: Richtig.

So läuft der Tagesplan vor dem Spitzenspiel Borussia Dortmund - FC Bayern München ab

Und wie steht es um das Spiel vor dem Spiel? Wie sieht denn da der Tagesplan aus?

Watzke (lacht): Wir gehen ja diesmal alle zusammen essen, das haben wir so besprochen. Anfang der Woche habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge telefoniert. Das Verhältnis hat sich mittlerweile wieder entspannt, das liegt aber auch daran, dass wir festgestellt haben, dass wir den deutschen Fußball nicht nur europaweit, sondern weltweit vertreten. Irgendwann wirst du dich wieder streiten, das darf dann nur nicht wieder in so giftige, dramatische Konstellationen ausarten. Ich glaube aber, dass wir das hinkriegen. Allerdings: Es steht auf dem Prüfstand, da bin ich auch ganz offen. Die letzten ein, zwei Jahre gelten da aber auch nicht als Maßstab. Interessant würde es, falls wir irgendwann in der Zukunft einmal für etwas längere Zeit wieder an den Bayern dran sein sollten. Je nachdem, wie sich das Verhältnis dann entwickeln würde, könnten wir sehen, ob das von Dauer wäre oder nicht.

Baron Münchhausen, Lewandowski, Götze – die Liste ist ja ellenlang.

Watzke: Ersteres war ja mehr eine persönliche Attitüde des noch amtierenden Bayern-Präsidenten. Insofern hat das nichts mit dem Verhältnis zwischen Bayern München und mir zu tun. Mir haben auch Funktionsträger des FC Bayern gesagt, dass das völlig daneben war. Von daher ist das kein Problem.

Putin und Obama haben sich also angenähert?

Watzke: Das hat es ja auch immer gegeben. (lacht) Es tut ja der Welt gut, und in diesem Fall auch der Fußballwelt. Beide Vereine sind prägend für die deutsche Fußballkultur.

Vor Borussia Dortmund gegen FC Bayern München: Was Watzke und Rummenigge essen 

Was gibt’s denn? Italienisch? Oder doch Lippstädter Sauerbraten?

Watzke : Ein leichter italienischer Einschlag wird gegeben sein, auch weil Karl-Heinz Rummenigge ja dort gespielt hat.

Wie sehr hat es Sie gefreut, dass auch Uli Hoeneß dieses unangenehme Kapitel endgültig hinter sich gelassen hat?

Watzke: Total! Jeder weiß, dass wir uns auch oft gestritten haben, aber immer auf einem guten Niveau und von vorn. Auch in der Vorzeit hatten wir Kontakt, aber ich bin eben keiner, der damit zum Boulevard rennt. Insofern weiß ich, wie es ihm ergangen ist und dass er eine schwere Zeit durchlebt hat, daher habe ich mich jetzt sehr für ihn gefreut. Ich kann aber auch verstehen, dass er jetzt erst mal auswärts nicht mitfährt. Er war natürlich auch eingeladen, aber davor habe ich kompletten Respekt und ich finde es völlig richtig. Er muss sich da sicherlich erst wieder ganz einlassen.

Allzu viel Glück hat er den Bayern gegen Mainz ja nicht gebracht.

Watzke: Das ist aber kompletter Zufall. Ich glaube, die Spieler hätten sicherlich viel dafür gegeben, wenn sie dem Uli Hoeneß einen anderen Empfang hätten bereiten können. Ich prophezeie, dass Bayern München mit Uli Hoeneß auf der Tribüne, in welcher Art und Weise auch immer, noch viele Siege feiern wird. Dazu braucht man allerdings auch nicht viel Fantasie.

Bayern - Dortmund: So endeten die vergangenen Duelle

Bayern - Dortmund: So endeten die vergangenen Duelle

José Carlos Menzel López

José Carlos Menzel López

E-Mail:carlos.menzel-lopez@tz.de

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