BVB-Boss über Hoeneß und Lewandowski

Watzke im tz-Interview: "Bayern muss ich nicht lieben"

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke

München - Die tz sprach mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (54) – auch über die Beziehung der beiden deutschen Vorzeigeklubs.

Während der FC Bayern schon am Dienstag ins Viertelfinale der Champions League startet, geht es für Borussia Dortmund am Mittwoch um ein gutes Hinspiel-Ergebnis bei Real Madrid. Ein echtes Schlagerspiel, richtungweisend auch für den deutschen Fußball! Die tz sprach mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (54) – auch über die Beziehung der beiden deutschen Vorzeigeklubs.

Herr Watzke, welche Erinnerungen verbinden Sie mit Real Madrid?

Watzke: Das sind Kindheitserinnerungen. Ich war damals schon fasziniert von diesen weißen Trikots. Das sagenumwobene Real der 50er- und 60er-Jahre um Puskas und di Stefano kenne ich nur von alten Fotos, ich bin mit Santamaria und Gento aufgewachsen. Ich war sofort ein Fan. In den 70er-Jahren wechselten dann auch deutsche Spieler wie Günter Netzer und Uli Stielike nach Madrid. Real war immer der Klub, den ich in Spanien am meisten gemocht habe.

Wie sehen Sie das Viertelfinale?

Watzke:Wenn wir alle an Bord hätten, die auch letztes Jahr dabei waren, dann hätten wir eine gute Chance. So haben wir eine kleine. Der Druck liegt bei Real, denn sie haben alle im Hinterkopf, was letztes Jahr passiert ist. Sie haben eine fantastische Mannschaft, und unsere Chance liegt darin, dass die Madrilenen glauben: Das läuft schon.

Beim Blick auf die Tabelle läuft es ja nicht so für die Borussia.

Watzke: Ob wir jetzt mit zehn oder 25 Punkten Rückstand Zweiter werden – was habe ich davon? Ich bin nicht für die Spannung der deutschen Liga verantwortlich, sondern für Borussia Dortmund. Im Übrigen sind wir 2011 und 2012 auch nicht mit zwei Punkten Vorsprung Meister geworden, sondern mit acht oder zehn. Da waren wir im April Meister, also auch relativ früh. In zehn Jahren weiß doch eh niemand mehr, mit wie viel Punkten Vorsprung wer auch immer Meister geworden ist.

Muss Dortmund mehr Geld in die Hand nehmen, um den Bayern wieder Paroli bieten zu können?

Watzke: Solange ich bei Borussia Dortmund Verantwortung trage, gibt es eine Maxime – und da müssen sich alle dran halten. Sie lautet: Nie mehr auch nur einen Euro Schulden für den sportlichen Erfolg. Ich bin aber auch kein Sozialist, und deshalb ist mein Credo nicht: Wir nehmen den Bayern etwas weg, damit wir mehr kriegen. Das ist nicht mein Thema. Wir müssen wachsen, und wir wachsen und wachsen immer mehr. Dadurch haben wir automatisch die Möglichkeit, mehr Geld auszugeben. Wir können im Moment 70 Millionen Euro pro Jahr an Gehalt in die Mannschaft investieren, Bayern bestimmt 160 Millionen. Irgendwann müssen wir 100 Millionen investieren können, und auf diesem Weg sind wir. Aber mit diesen 70 Millionen, die ja im Vergleich zu den anderen Klubs lächerlich sind, sind wir wieder unter die besten Acht in Europa gekommen. Weniger Geld heißt manchmal auch mehr Kreativität.

"Wenn wir alle an Bord hätten, hätten wir eine gute Chance."

Gibt es beim BVB Gehaltsgrenzen?

Watzke: Niedergeschriebene Gehaltsgrenzen nicht. Aber wenn wir 70 Millionen ausgeben können, ist doch klar, dass wir keinem Spieler zehn Millionen Gehalt zahlen können. Wir legen unheimlich viel Wert darauf, dass es eine Hygiene gibt, dass der Spread zwischen dem normalen und dem Topspieler nicht so groß ist. Deshalb haben wir unsere natürlichen Limits und deshalb müssen wir auch damit leben, dass immer mal ein Spieler auch wieder weg will.

So wie Lewandowski. Hat sich Real um ihn bemüht?

Watzke: Ja natürlich. Das ist auch kein Geheimnis.

Warum kam es nicht zum Vollzug?

„Robert hat sich für Bayern entschieden, was man akzeptieren muss“, sagt Watzke.

Watzke: Das ist Roberts Sache. Für uns war klar: Wir geben Robert nicht 2013 ab, sonst wäre das eine andere Situation gewesen. Robert hat sich letztlich für Bayern München entschieden, wobei ich glaube, dass ihm diese Entscheidung durchaus schwer gefallen ist, weil er das Thema Real Madrid bestimmt ebenfalls sehr spannend gefunden hat. Das sind schließlich zwei Topvereine.

Wie viel Geld hat Real Madrid geboten?

Watzke: Was Lewandowskis Berater und Real Madrid besprochen haben, weiß ich nicht. Er hat sich für Bayern München entschieden, was man akzeptieren muss. Denn Bayern ist mittlerweile wirtschaftlich und sportlich auf dem Level von Real und Barcelona.

Zwischen Real und Barcelona herrscht oft verbaler Krieg. Befürchten Sie, dass das Verhältnis zwischen dem BVB und dem FC Bayern sich in diese Richtung entwickelt?

Watzke (lacht): Es wäre ja schon mal schön, wenn wir irgendwann mal wieder so nah an die Bayern herankämen, dass das auch Thema wäre. Nein, im Ernst: Ich glaube, dass wir hier in Deutschland eine andere Situation haben, weil wir diesen politischen Sprengstoff nicht haben. Katalonien, Spanien, Madrid – das ist ein ganz anderes Thema als hier die Rivalität zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. In Spanien ist das alles viel emotionaler.

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"Wir sind nicht im Krieg. Aber Rivalen sind wir schon."

Derzeit kochen die Gemüter zwischen Süd und West aber auch ganz schön. Wann wird es Frieden geben?

Watzke: Wir sind nicht im Krieg, deshalb brauchen wir auch keinen Frieden. Rivalen sind wir hingegen schon, daher müssen wir nicht so tun, als ob wir uns lieben würden. Das tun wir nämlich nicht, und das kann auch niemand von beiden Seiten verlangen.

Werden Sie Uli Hoeneß als Dauerkontrahenten ein wenig vermissen?

Watzke: Im Verhältnis zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist nicht das letzte Kapitel geschrieben, auch in dieser Saison nicht. Genauso wenig ist beim Thema „Uli Hoeneß im Fußball“ das letzte Kapitel geschrieben. Ich habe ihn übrigens gerade erst angerufen und herzlich zum Titel gratuliert. Denn dieser Titel war zu einem großen Teil auch sein Verdienst.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von seinem Steuerfall hörten?

Weit enteilt: die Szene zwischen Robben und Blaszczykowski ist durchaus symbolträchtig.

Watzke: Wir haben von Anfang an die goldrichtige Entscheidung getroffen, uns dazu in der Öffentlichkeit nicht zu äußern. Es wäre vom Stil her nicht richtig gewesen, wenn gerade wir als möglicherweise härtester Konkurrent etwas dazu gesagt hätten. Fakt ist aber auch, dass der deutsche Staat in dem Fall gezeigt hat, dass er ein Rechtsstaat ist und vor dem Gesetz alle gleich sind. Dadurch, dass Uli Hoeneß sein Urteil akzeptiert hat, hat er das ja auch anerkannt.

Jetzt wird ihm vorgehalten, er habe eine Doppelmoral. 

Watzke: Ich möchte das wie gesagt nicht bewerten. Er wird seine Strafe verbüßen, und ich kann mir vorstellen, wie schwer das für ihn sein muss. Ins Gefängnis zu müssen, ist mit das Einschneidendste, was dir passieren kann. Insofern muss man ihn jetzt in Frieden lassen.

Ist die Geschichte wahr, wonach Uli Hoeneß dem BVB Geld geliehen hat, als Borussia Dortmund kurz vor der Insolvenz stand?

Watzke: In der kolportierten Form ist das eine Legende. Er hat meinen Vorgängern zwei Millionen Euro geliehen, wohlgemerkt zu acht Prozent Zinsen – Mutter Teresa war da also nicht im Spiel. Die zwei Millionen haben nichts genützt, denn wir waren pleite, standen vor der Insolvenz. Meine erste Aufgabe war es, die zwei Millionen, die nicht mehr da waren, zurückzuzahlen. Und genau das haben wir umgehend getan.

Deswegen hat der FC Bayern aber keine Vorrechte auf Dortmunder Spieler, oder?

Watzke: Nein, natürlich nicht. Fest steht: Sich von einem anderen Klub Geld zu leihen, war einer der größten Fehler, die hier je begangen wurden. Solange ich bei Borussia Dortmund die Verantwortung habe, würde ich lieber in der Fußgängerzone betteln gehen, als mir jemals von einem Konkurrenten auch nur einen Euro zu leihen.

Interview: Marco Ruiz, José Carlos Menzel Lopez

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