Anderer Führungsstil als Guardiola

Carlo Ancelotti: Einer wie Jupp

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Plausch am Schluss: Während Pep Guardiola das Training stets mit einem Pfiff beendete, ließ Carlo Ancelotti seine erste Einheit locker ausklingen.

München - Carlo Ancelotti verkörpert einen anderen Führungsstil als Pep Guardiola – sein Stab: Verwandte und Freunde.

Das Spiel ist nicht neu. Im Gegenteil. Ein Dauerbrenner. Wann immer ein Coach beim FC Bayern seinen Dienst antritt, wird alles minutengenau dokumentiert. Also: Die Pressekonferenz startete am Montag um 11.01 Uhr, das Training am Nachmittag um 16.32 Uhr und – um in diesem Muster zu bleiben – um 17.44 Uhr passierte etwas Besonderes: Carlo Ancelotti bewegte sich.

Seine erste Einheit an der Säbener Straße war gerade 1:12 Stunden alt, da holte der Italiener zwei Mal mit dem rechten Bein aus, als wolle er zu einem Schuss ansetzen. Das machte er natürlich nicht, denn um ihn herum saßen 19 Spieler, die plauderten und sich nebenbei ein wenig dehnten. Aber immerhin berührte sein Fuß dann doch noch einen Ball. Ganz sanft, ein Pass auf drei Meter, genau so, dass die Kugel dort liegenblieb, wo seine Zuarbeiter bereits die übrigen Spielgeräte gesammelt hatten. Damit war Ancelottis erstes Training beendet.

Der Eindruck dieses ersten Tages muss noch ein wenig anhalten, denn erst am Donnerstag steht die nächste öffentliche Einheit an. Ancelotti allerdings verhält sich auch hinter geschlossenen Vorhängen nicht anders als vor 1200 Trainings-Kiebitzen. Er verstellt sich nicht, er ist, wie er ist, auf dem Platz genauso wie daneben. Ruhig, besonnen, fast stoisch – man ist geneigt zu sagen: Ein Anti-Pep. Einer wie Jupp Heynckes.

Bilder: Ancelottis erstes Training bei den Bayern

Während sein Vorgänger Guardiola seine Spieler minütlich tätschelte, als Beobachter eines Kreis-Spiels mitging, gestikulierte, herumrannte, in seine Pfeife blies, um zu unterbrechen oder das Training zu beenden, lässt Ancelotti die anderen machen. Ab und an scherzte er mit Arjen Robben, gegen Ende sprach er mit Kapitän Philipp Lahm. Co-Trainer Paul Clement war aber der aktive Part, während der Chef den Großteil der Einheit mit hinter dem Rücken verschränkten Armen verfolgte.

Der Brite – wie beim FC Chelsea, Paris St. Germain und Real Madrid an Ancelottis Seite – gibt seine Anweisungen auf englisch. Ancelottis Sohn Davide, der neben Clement und Hermann Gerland als Co-Trainer fungiert, spricht passables Deutsch. Im Klub ist man beeindruckt von diesem jungen Mann. Der Tross ist eine bunt gemischte Truppe an Familienangehörigen, Freunden und Vertrauten von Ancelotti. Der eigene Sohn als Zuarbeiter, Vater und Sohn Giovanni und Francesco Mauri als Fitnesstrainer. Sein Schwiegersohn Mino Fulco als Ernährungsberater. Neben Gerland sind aus Guardiolas Stab lediglich Torwart-Trainer Toni Tapalovic sowie Holger Broich, Leiter Gesundheit und Fitness, geblieben.

In seinem Antritts-Interview in der „Bild“ bezeichnete Ancelotti seinen Trainingsstil als „strikt. Ich stelle Regeln auf und jeder hat sie zu befolgen“. Ausnahmen gebe es allerdings, denn Ancelotti ist „auch ein bisschen flexibel. Wenn ein Trainingsstart um 11 Uhr ist, können wir auch mal um 11.02 Uhr anfangen. Einmal. Aber nicht zwei- oder dreimal.“ Was das für die nächsten Tage bedeutet, dürfte klar sein.

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