So bändigte er die "Bestia Negra"

Ancelotti: Taktik-Hilfe vom Trainer-Altstar

Carlo Ancelotti
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Carlo Ancelotti hatte seinem Team eine vergleichsweise defensive Taktik gegen die Bayern verordnet.

Madrid - Der Sieg von Madrid im Halbfinal-Hinspiel der Champions League war auch eine taktische Meisterleistung. Trainer Ancelotti holte sich Hilfe von einem Kollegen.

Er hatte die schwarze Bestie gebändigt und den Pep-Fluch gebannt. Mit zwei „halben“ Superstars. Doch er hatte es nicht alleine geschafft, und das wollte Carlo Ancelotti auch nicht verschweigen. Also verriet der erfahrene Trainer von Real Madrid nach dem 1:0 (1:0)-Erfolg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München sein Geheimnis.

Ancelotti hatte sich Rat von seinem Lehrmeister geholt. Arrigo Sacchi (68), das Taktik-Genie im Ruhestand, der frühere italienische Nationaltrainer, gab die entscheidenden Tipps. „Ich rede sehr oft mit ihm. Er ist mein Lehrer“, erklärte Ancelotti: „Ich habe ihn am Mittag vor dem Bayern-Spiel angerufen und mit ihm über die Taktik gesprochen.“

Sacchi ist seit 13 Jahren raus aus dem Trainergeschäft, doch er wird von den Kollegen in Europa immer noch als Institution verehrt. Mit dem Spieler Ancelotti gewann er 1989 und 1990 den Landesmeister-Cup mit dem AC Mailand. Den damals 33 Jahre alten Ancelotti holte er einst bei der Nationalelf als Assistenten an seine Seite. Und seit seines letzten Engagements als Sportdirektor bei den Königlichen 2004/05 ist er nach Angaben seines Schülers auch „ein Fan von Real“.

Dass Madrid gegen die Bayern auf Konter spielen würde, war zu erwarten gewesen. Doch die Frage war: wie? Am Ende tüftelten die beiden Italiener ein 4-4-2-System aus und damit eine Abkehr vom 4-3-3. Es wurde aus der Not geboren, denn die beiden teuersten Spieler der Welt waren angeschlagen, und es war klar, dass immer nur einer auf dem Platz stehen würde. Weltfußballer Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro Ablöse) begann nach Muskelbeschwerden, Gareth Bale (91 Millionen, Erkältung) wurde absprachegemäß für ihn eingewechselt (73.).

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Die taktischen Feinheiten begeisterten auch die Journalisten. „Bayern war eine Bestie, die man nicht fürchten musste. Sie sind doch eine irdische Mannschaft“, stellte die Zeitung Marca nach dem Siegtor von Karim Benzema (19.) fest. Die Angst vor dem Gegner und dessen im Bernabeu ungeschlagenem Trainer Pep Guardiola erwies sich als übertrieben. „Ein goldenes Tor gegen die schwarze Bestie gibt den Weißen grünes Licht fürs Finale“, schrieb die AS nun bereits.

Die Angst in Madrid ist der Euphorie gewichen. Das 1:0 ist zwar ein trügerisches Ergebnis, doch Ancelotti und Sacchi haben anscheinend den „Pep-Code“ entschlüsselt. In München wird „die beste Kontermannschaft der Welt“ (Guardiola) wieder so spielen - und das auch noch mit fitten Superstars. „Es ist normal, dass Cristiano nach 20 Tagen Trainingspause nur bei 50 Prozent war“, meinte Ancelotti: „Aber er hat sich für das Team aufgeopfert. Am Dienstag wird er sicher noch besser sein. Und Bale auch.“

Ronaldo selbst schürte derweil (unfreiwillig?) Verschwörungstheorien. „Einige Personen wollten nicht, dass ich spiele“, stellte er dubios in den Raum, ohne es zu erörtern. Ob er - wie sein berühmter Namensvetter 1998 im WM-Finale - gezwungen worden sei, aufzulaufen, fragten spanische Journalisten direkt nach. Doch Ronaldo schüttelte den Kopf.

Bei seinem Einsatz habe „ein gewisses Risiko bestanden“, sagte derweil Ancelotti: „Aber wir haben die Entscheidung gemeinsam vor dem Spiel getroffen.“ Am Ende hatte er alles richtig gemacht.

Internationale Pressestimmen: "Madrid zähmt die Bestie"

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SID

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