Er will „versuchen, 90 Minuten durchzuhalten"

Vor Atletico-Spiel: Boatengs Rückkehr mit Risiko

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Gegen Gladbach reichte es noch nicht für 90 Minuten: Jerome Boateng muss sich nach seiner Verletzung noch zurückkämpfen.

München - Boateng meldet sich vor dem Atletico-Spiel gesund – sein Einsatz wäre trotzdem ein Wagnis. Denn für 90 Minuten war er gegen Gladbach noch nicht fit genug.

Zu einem Fußballspiel gehören unverzichtbar die erhobenen Daumen. Der Fingerzeig ist unter Kickern eine Standardgeste, mit der Mitspieler mit Lob bedacht werden oder auch mit Trost, weil etwas gut gemeint war, aber dann doch nur mittelprächtig funktionierte. Der erhobene Daumen bedeutet ein „Weiter so“. Oder auch ein „Wird schon noch“.

Jerome Boateng sah am Samstag den ersten Daumen nach zweieinhalb Minuten. Er hatte einen langen Pass geschlagen, wie er beim FC Bayern schon viele gespielt hat, nur noch etwas länger. Thomas Müller, der Adressat, kam dann auch nicht mehr an den Ball, schickte dem Urheber aber gleich ein Signal des Zuspruchs. Der nächste weite Pass, nur zwei Minuten später, flog dann schon deutlich präziser.

Die Personalie Boateng war eines der großen Themen dieses 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach, deutlich relevanter als das Verpassen des vorzeitigen Titelgewinns. Sie war ein Bindeglied zwischen Samstag und Dienstag, zwischen der Bundesliga und der Champions League. Dass man nicht schon am Samstag Meister wurde? Geschenkt. Das, brummte Boateng ohne sichtbare Anspannung, „können wir in Ingolstadt bereinigen“, nächstes Wochenende.

Erste Schritte unter Wettkampfbedingungen

Wichtiger für ihn war, dass seine ersten Schritte und Pässe unter Wettkampfbedingungen zum erhofften Ergebnis führten. Der Körper hat der Belastung standgehalten. Nach drei Monaten Pause wegen seiner schweren Adduktorenverletzung haperte es noch an der Spritzigkeit oder anfangs auch dem Gefühl für die Räume. Gleichwohl hat der Hüne Boateng eine Präsenz, auf die die Bayern gegen Atletico Madrid ungern verzichten würden. Wenn sie ihn lassen, verspricht er, „alles raus zu hauen, was in mir steckt“.

Die Frage, wie viel Energie in ihm steckt, wird die Bayern bis zum Spiel beschäftigen. Gegen Gladbach habe er den Weltmeister über die volle Distanz sehen wollen, „aber er war nicht in der Lage, 90 Minuten zu spielen“, berichtete Pep Guardiola. Die Vorstellung von Serdar Tasci und Medhi Benatia war ein Hinweis darauf, wieso Boateng so sehnsüchtig zurückerwartet wurde. Auch Juan Bernat, der Aushilfslinksverteidiger, ist Bestandteil dieses Taktikkomplexes. Könnte Boateng am Dienstag spielen, wäre David Alaba wieder für die linke Seite frei, und die Bayern müssten sich nicht auf Bernat und dessen in den letzten Wochen fahrige, oft fehlerhafte Vorträge verlassen.

Atleticos Offensive ist ein anderes Kaliber

Aber ein Risiko ist es natürlich schon. Drei Monate Pause sind nicht so leicht zu kompensieren, und Atletico mit seiner giftigen Spielweise und der wieselflinken Offensive ist ein anderes Kaliber als Mönchengladbach, das bis zum Ausgleich befremdlich wenig tat, um seine Champions League-Ambitionen nachzuweisen. „Das wird noch mal ein ganz anderes Tempo“, weiß Boateng, will aber „versuchen, 90 Minuten durchzuhalten“. Wenn man ihn lässt.

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Die Zeit der großen Entscheidungen ist auch die Zeit der schweren Beine. Mit einer umfangreichen Rotation versucht Guardiola seit Wochen, seinen Schützlingen Verschnaufpausen zu verschaffen. Am Samstag fehlten in Lahm, Martinez, Alonso, Ribery, Lewandowski, Vidal und den eingewechselten Alaba, Costa und Thiago gleich neun Spieler in der Startformation, die für Atletico Kandidaten wären. Folgerichtig hat in den letzten Spielen die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen und zwischen einzelnen Spielern gelitten. Thomas Müller wollte „gar kein Geheimnis“ daraus machen, dass „schon seit Wochen bei uns die Leichtigkeit fehlt. Es geht uns nicht mehr so locker von der Hand.“

Guardiola: "Wir werden alles probieren"

Als er das sagte, zeichnete sich schon ab, dass ein Schlüsselspieler, der den Bayern Schwung und Entschlossenheit verleihen könnte, für morgen Abend fraglich ist. Franck Ribery stand am Samstag wegen einer Rückenverletzung nicht im Kader, die ihn Stunden vor dem Liga-Spiel zum Verzicht gezwungen hatte. „Wir werden alles probieren“, kündigte Guardiola an. Ob der Daumen nach oben zeigt oder eher gesenkt wird, wird sich aber erst spät entscheiden.

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