"Die Schale? Irgendwann wird es so sein …"

Wann nimmt RB Leipzig den FC Bayern auf die Hörner?

+
Der Macher: Ralf Rangnick hat bei RB Leipzig das Sagen.

München - In der kommenden Saison spielt RB Leipzig erstmals in der 1. Bundesliga und trifft somit auf den FC Bayern. Was steckt hinter dem Team von Red Bull? Und wie gefährlich wird es dem FCB?

Neymar gehört dazu. Lindsey Vonn auch. Oder Miri Gössner. Die Liste ist lang, sehr lang. Die Athleten kommen aus dem Fußball, dem Wintersport, dem Motorsport, vom Surfen. Basejumper, die wagemutig durch die Lüfte fliegen, Freeclimber, die in Felswänden hängen. Auf ihren Mützen oder ihren Anzügen, irgendwo tragen sie das Logo mit den zwei roten Bullen, die sich in Angriffsposition vor einem gelben Kreis gegenüberstehen.

Es ist eine Seite des Engagements von Red Bull im Sport. Abenteuer, Adrenalin, Risiko. Manchmal auch bis zur Todesgefahr. Red Bull rief eine spektakuläre Kunstflugrennserie aus, die am ersten Septemberwochenende auf dem Lausitzring Station machen wird. Red Bull ließ Felix Baumgartner aus der Stratosphäre auf die Erde springen, atemraubende Bilder im hauseigenen Sender inklusive. „Kreativ, neue Wege beschreibend, klotzen und nicht kleckern, zunächst Thrill- und Abenteuersportarten, dann mas-senattraktive Sportarten und Globalisierung“, beschreibt der Professor für Sport, Medien und Kommunikation, Josef Hackforth das Sport-Sponsoring des österreichischen Unternehmens.

Formel 1, Eishockey, Fußball - Red Bull wirbt fast nur mit Sport

Die Marke, die auf Werbung in Medien so gut wie verzichtet, vermarktet sich über den Sport. Deutlich wird das in der Formel 1, wo es Red Bull zu einstigen Sebastian-Vettel-Zeiten zum unangefochtenen Branchenführer brachte. Oder im Eishockey – neben Red Bull Salzburg in Österreich feierte auch der EHC München in der DEL den nationalen Titel. Allen voran aber im Fußball. Ab der kommenden Saison mit RB – offiziell RasenBallsport – Leipzig als Bundesligist.

Aber nehmen die Bullen in ein paar Jahren auch die Bayern auf die Hörner? In der ersten Saison ist erst einmal Anpassung angesagt. „Wir werden eine ältere U 23-Mannschaft stellen“, so Sportdirektor und Trainer Ralf Rangnick. „Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit die jüngste Mannschaft der Bundesliga haben.“ In ein paar Jahren – so hat es Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz selbst als Ziel ausgegeben – sollen die Bullen die Schale holen. „Irgendwann wird es so sein“, so Mateschitz. Und die Voraussetzungen, um den Kampf mit dem FC Bayern aufzunehmen, sind zweifelsohne da.

Sport-Netzwerk von Red Bull umspannt den Globus

Das Zentralstadion in Leipzig heißt mittlerweile Red Bull Arena.

Erst einmal verfügt Red Bull über ein weltumspannendes Netz an Klubs in Salzburg, New York, São Paulo oder Leipzig, das den internen Austausch von Spielern enorm vereinfacht. Ist der eine oder andere Kicker zu stark für die Liga, wird er innerhalb des Imperiums weitertransferiert. Und dank der neuen herausragenden Jugendarbeit des Klubs, die brandneue Jugendakademie in Leipzig für schlappe 33 Millionen Euro eingeschlossen, ist die Zukunft gesichert. Die Jugendmannschaften spielen allesamt in den höchsten deutschen Spielklassen und sogar in den U-Nationalmannschaften finden sich schon erste Kicker von RB. Und dass all das in den neuen Bundesländern, das seit dem Abstieg von Energie Cottbus keinen Klub mehr in der 1. Bundesliga hatte, eine gewisse Euphorie entfachen kann, zeigt sich bereits. Die gut 40.000 Zuschauer fassende Red Bull Arena in Leipzig war bereits vergangene Saison des öfteren ausverkauft, weshalb Mateschitz bereits jetzt den Bau eines neuen, 60.000 Zuschauer fassenden Stadions erwägt.

Sieben Jahre nach Gründung spielt RB Leipzig 1. Liga

Und alles begann vor neun Jahren. Damals bestätigte der bald 72-Jährige (Geburtstag am 20. Mai) Überlegungen, „einen deutschen Klub mit entsprechender Infrastruktur, der derzeit in der dritten oder vierten Liga spielt, auf seinem Weg in die Bundesliga zu begleiten“. 2009 stieg Red Bull beim damaligen Oberligisten SSV Markranstädt ein, in ein paar Monaten spielt RB Leipzig in der ersten Liga. Wo man sich sportlich engagiere, sei man integriert und übernehme die Verantwortung für die sportliche Leitung, betonte Mateschitz damals. Und vor allem wolle man „die Identität von Marke und Sport schaffen“.

Investoren im Fußball: Wer bei welchem Verein seine Finger im Spiel hat

So idyllisch ist die Red-Bull-Welt aber auch nicht. Kritik und Argwohn begleiten das Unternehmen wie der Erfolg. Das Handelsblatt titelte jüngst „Red Bull und RB Leipzig: Prinzip Feudalismus“. Mateschitz habe ein ziemlich klares Verständnis, wie die Welt laufen solle, meinte die Süddeutsche Zeitung: „So, wie er sich das vorstellt.“

So wie in der vergangenen Woche. Da wurde den Mitarbeitern des Haussenders ServusTV kurzerhand gekündigt. Die Gründung eines Betriebsrates missfiel Mateschitz. Offiziell hieß es, der Sender sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Tags darauf sah das wieder anders aus, die Kündigungen wurden zurückgenommen, die Mitarbeiter verzichteten auf die Gründung eines Betriebsrats. Dass die Bullen in der Bundesliga also nicht überall freundlich begrüßt werden dürften, steht ohnehin fest.

tz

auch interessant

Meistgelesen

FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Biographie über Müller: Parade-Bayer und Phänomen zugleich
Biographie über Müller: Parade-Bayer und Phänomen zugleich
Bayerns begehrter Weihnachts-Pulli
Bayerns begehrter Weihnachts-Pulli

Kommentare