Danner: "500 Zuschauer sind nicht unser Anspruch"

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Karin Danner ist mit den Zuschauerzahlen unzufrieden.

FC Bayern München (Frauen) - Vor dem Champions League-Spiel gegen Rossiyanka denkt Karin Danner über verstärkte Marketingmaßnahmen der Bayern-Fußballerinnen nach

Erfolge sind nicht nur bei den Männern des FC Bayern der einzige Maßstab. Auch die Frauenfußball-Abteilung des Vereins gehört nach zuletzt zwei Meisterschaften in Folge zu den deutschen Top-Klubs. Heute Abend (18.00 Uhr/Sport1) empfängt die Mannschaft um Cheftrainer Thomas Wörle im Achtelfinale der Champions League den FC Rossiyanka im Grünwalder Stadion. Vor der Partie sprach Managerin Karin Danner mit unserer Zeitung unter anderem über die Qualität der Russinnen, geplante Werbeaktionen mit der Klubfamilie und das Vorbild Bayern Basketball.

Frau Danner, Ihr Team ist Hochkarätern wie Olympique Lyon in der Königsklasse vorerst aus dem Weg gegangen. Sind die Russinnen also ein dankbarer Gegner?

Karin Danner: Bei allen Teams, die noch im Rennen sind, hat uns mit Rossiyanka sicher nicht das härteste Los getroffen. Das leichteste ist es aber auch nicht. Die Russinnen sind richtig kampfstark und wissen, was internationale Härte ist, weil sie Jahr für Jahr in der Champions League spielen. Wir müssen uns in dem Wettbewerb erst noch zurechtfinden.

In Runde eins ging die Reise zu den Hibernian Ladies nach Schottland, dieses Mal wartet im Rückspiel Russland. Helfen diese Trips, um in Europa bekannter zu werden?

Das auf jeden Fall. Was aber die Vermarktung angeht, ist es eher schwierig. In einer Paarung FC Bayern München gegen FC Barcelona steckt einfach viel mehr drin, weil man das Duell aus dem Männerbereich kennt. Ähnlich ist es bei Namen wie dem FC Basel, Arsenal London oder Manchester City. Das hört sich für die Zuschauer attraktiver an als Rossiyanka und Hibernian.

Rossiyanka machte sich allerdings vor einigen Jahren einen Namen – wenn auch mit einer eigenwilligen PR-Aktion: Um Menschen ins Stadion zu locken, zeigten sich die Fußballerinnen im Bikini. Was halten Sie davon?

Es ist nicht der erste Verein, der so etwas in der Art macht. Andere haben sich für Weihnachtskalender oder ähnliches fotografieren lassen. Wenn die Vereine meinen, dass sie das tun müssen und der Gag was bringt, ist das okay. Bei uns wird es das aber nicht geben.

Im Schnitt sehen nur etwa 500 Zuschauer die Spiele der Bayern-Frauen, in der Champions League waren zuletzt kaum 200 vor Ort. Wie möchten Sie mehr Fans erreichen?

Bei uns muss das Gesamtpaket passen. Wir werden uns im Winter schwerpunktmäßig Gedanken machen und ein Konzept entwickeln, um mehr Zuschauer ins Grünwalder Stadion zu locken.

Was haben Sie da vor Augen?

Wie gesagt, wir wollen ein Konzept entwickeln, um einfach in der Öffentlichkeit präsenter zu sein. Nur so haben wir die Gewissheit, dass in München und Umgebung jeder weiß, dass die FCB-Frauen im Grünwalder zu sehen sind.

Nach welchem Vorbild?

Bestes Beispiel sind unsere Bayern-Basketballer, die mittlerweile einen Schnitt von rund 6000 Zuschauern bei ihren Heimspielen haben. Grund hierfür sind sicher nicht nur der sportliche Erfolg und die Qualität, sondern auch die perfekt umgesetzten Marketingmaßnahmen, die neben den eingefleischten Fans auch die breite Öffentlichkeit ansprechen.

Wieso gehen Sie das Thema jetzt so offensiv an?

Wir müssen uns einfach Gedanken machen. Wenn man zweimal in Folge deutscher Meister wird und Champions League spielt, sollte es nicht unser Anspruch sein, vor 500 Leuten zu spielen.

Bei Bayerns Basketballern hat sich Wohl-Bald-Wieder-Präsident Uli Hoeneß sehr engagiert. Er könnte auch den Fußballerinnen Strahlkraft verleihen. Haben Sie ihm schon eine Karte für die Partie heute zukommen lassen?

Der Vorstand und Uli Hoeneß sind immer über alles informiert, was bei uns so passiert. Aber die haben natürlich auch in der Länderspielpause einen sehr vollen Terminkalender. Ob sie Zeit finden, vorbeizuschauen, werden wir sehen. Eine Zusage habe ich noch nicht, sie wissen jedoch, dass sie jederzeit herzlich willkommen sind. Wir lassen uns überraschen.

Einige der Bayern-Frauen werden unfreiwillig auf der Tribüne sitzen, weil sie verletzt sind. Was ist für die Mannschaft auf dem Feld drin?

Dass sieben Spielerinnen verletzt ausfallen, ist brutal bitter. Dazu kommt, dass auch unsere routinierten Mädels Mel Behringer und Simone Laudehr angeschlagen sind. Unsere Zielsetzung ist es natürlich trotzdem, kein Gegentor zu kriegen. Wenn wir dann noch das eine oder andere Tor selbst schießen könnten, wäre das ideal.

Interview: Sina Ojo

Quelle: fussball-vorort.de

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