FCB-Damen vor Hegemonialansprüchen

Danner: "Die Mädels waren der Wahnsinn"

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In schimmernder Rüstung: Bayerns Carina Wenninger, Raffaela Manieri, Viki Schnaderbeck und Laura Feiersinger (v. l.) beim Meister-Selfie.

FC Bayern München (Frauen) - Die Bayern-Frauen sind ein Phänomen: Eigentlich Außenseiter, stehen sie nun vor Hegemonialansprüchen.

Die Stimme von Thomas Wörle klingt keinesfalls nach einer langen Nacht, und tatsächlich ist der Trainer der Frauen-Mannschaft des FC Bayern am Sonntagabend auch bald brav zuhause gewesen. „Die Mädels sind noch weitergezogen“, sagt er, als er am Montagmittag zurückruft, „aber ich bin um 20 Uhr gegangen.“ Beim gemeinsamen Abendessen hatte Wörle seine Familie dabei, die Kinder mussten ins Bett. Die wahre Meistersause steigt dann sowieso erst in zwei Wochen.

Wörle überließ also seinen Mädels die Stadt, sie gaben ohnehin die besseren Feierbiester als ihr Coach ab. Wer denn der größte Partylöwe sei, wurde Vivianne Miedema gefragt. „Eunice Beckmann“, antwortete sie, doch die Stürmerin, die nach der Saison in die USA wechselt, war längst nicht der einzige Blickfang im Münchner Meisterjubel. Als prägende Figur zeichnete sich einmal mehr Raffaela Manieri aus. Bereits bei der Party vor einem Jahr trug sie eine Juxbrille, diesmal eine besondere Maskerade: Die Italienerin hüpfte in einer Römer-Montur durchs Grünwalder Stadion. Wirkte etwas skurril, was aber auch zur Gesamtsituation passte: Die Bayern-Frauen sind schwer hinter ihren Verkleidungen zu erkennen. An und für sich gelten sie als Außenseiter im Vergleich zu den Champions League-Diktatoren Wolfsburg und Frankfurt, sie sind da eher wie Asterix, der Übermächten trotzt. Die Titelverteidigung jedoch legt Hegemonialansprüche eines Julius Cäsars nahe. Sie sind ein Mix von Gegensätzen.

Selbst Karin Danner fiel es am Sonntag nicht leicht, die Wiederholung des Titelcoups einzuordnen. Im Vorjahr war es ein Herzschlagfinale, erst in den Schlusssekunden des letzten Spieltags fiel die Entscheidung. Doch heuer ist die Schale zwei Runden vor Saisonende vergeben. „Es fühlt sich diesmal leichter an, weil es so souverän war“, meinte die Managerin, „aber das war es natürlich nicht.“ Eigentlich hatten alle damit gerechnet, dass das Imperium zurückschlägt. Doch dann leisteten sich Wolfsburg und Frankfurt unerklärliche Patzer, so dass bereits zur Winterpause zwölf Punkte Vorsprung verzeichnet wurden. Auch, weil sich die Münchnerinnen nichts zu Schulden kommen ließen. Eine einzige von 20 Partien ging ihnen verloren, nur zwei weitere endeten Unentschieden.

„Unsere Mädels haben einfach Wahnsinn gespielt“, lobte Karin Danner, „wir haben das ganze Jahr über unsere Hausaufgaben gemacht.“ Das Erstrunden-Aus in der Champions League trübt die Bilanz, ebenso der K.o. im Pokal-Halbfinale. Doch die Managerin unkt, die bitteren Rückschläge hätten vielleicht auch noch einmal motiviert.

Dennoch ist das natürlich ein Makel, bei dem man es in München kaum bewenden lassen will. Ein standesmäßeres Auftreten in der Königsklasse steht im Anforderungsprofil für die nächste Saison ganz oben, ein erster Transfer wurde in der Hinsicht bereits vor Wochen getätigt. Verena Faißt kommt aus Wolfsburg. Die 26-Jährige schoss 2014 im Finale der Champions League sogar schon mal ein Tor.

Wörle nahm sofort nach dem Meistercoup bereits Habachtstellung an. Ihm war es ja schon heuer zuwider, das ständige Schulterklopfen und die hohen Erwartungen. „Ich denke, wir werden das nicht wiederholen können“, sagte er. Julias Cäsar hätte anders formuliert. Aber Thomas Wörle ist ja auch ein geschickter Stratege – auf seine eigene Art.

Text: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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