Brasilianer will Bayern treu bleiben

Dante im tz-Interview: "War überrascht von Xabi-Deal"

Dante
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Dante erklärt Peps Abwehr-Geheimnis.

München - Zwei Jahre, acht Titel. Dantes Bilanz beim FC Bayern kann sich sehen lassen. In der tz erklärt das Abwehr-Ass die neue Defensiv-Taktik der Roten.

Dante, waren Sie über Ihre Nichtnominierung zur Seleção sehr traurig oder freuen Sie sich nach der kurzen Vorbereitung über zwei Wochen Training?

Dante: Angesichts der wirklich kurzen Vorbereitung ist es für mich gut, nicht zur Seleção zu müssen. Ich kann zwei Wochen trainieren, das ist sehr wichtig für mich. Ich kann an meiner Fitness arbeiten, um die Basis für die komplette Saison zu legen. Ich muss topfit sein, um meine beste Leistung abrufen zu können. Nur wenn ich an meine Grenzen stoße, komme ich in den Rhythmus. Dafür arbeite ich täglich.

Und wann sind Sie bei 100 Prozent?

Dante: Das dauert nicht mehr lange. Ich glaube, dass ich am Samstag gegen Stuttgart nah dran bin. Dann fehlt nur der Spielrhythmus. Vom Kopf bin ich wieder voll da.

Trotz der schwierigen Vorbereitung ist der FCB gut gestartet. Waren Sie selbst ein bisschen überrascht?

Dante: Nein, überrascht nicht. Aber wir sind glücklich, dass wir trotz der vielen Ausfälle schon vier Punkte haben. Nach der Länderspielpause müssen wir voll fokussiert sein und wollen am liebsten keinen Punkt mehr abgeben.

Nach dem Pokalspiel in Münster haben Sie gesagt: „Wenn ein Spieler mit Qualität zu uns kommt, ist das immer gut.“ Es wurden sogar zwei. Haben Sie damit gerechnet?

Dante: Bei Mehdi Benatia war ich nicht überrascht, bei Xabi Alonso schon. Es ging alles unheimlich schnell, und wir hatten im Vorfeld nichts davon gewusst. Aber wir spielen in drei Wettbewerben und wollen alle drei gewinnen, da brauchen wir viele Spieler. Und ich bleibe bei meiner Meinung: Wenn Spieler mit der Qualität von Xabi oder Mehdi kommen, ist das immer gut.

"Wir versuchen immer, deutsch zu sprechen"

Mit Alonso wurde ein Weltstar verpflichtet. Spürt man das auf dem Rasen?

Dante: Ich habe bisher erst ein paarmal mit ihm trainiert. Aber auf Schalke hat man ja schon gesehen, dass er eine große Persönlichkeit ist. Er hat viele Bälle gefordert und fast jeden langen Pass an den Mann gebracht. Xabi hat unheimlich viel Erfahrung und kann uns sofort helfen.

Spricht man beim FCB zunehmend Spanisch?

Dante: Nein. Wir versuchen immer, deutsch zu sprechen, auch Pep. Eigentlich spricht er nur Deutsch. Er versucht alles auf deutsch zu erklären, so lange bis ihm die Worte fehlen (lacht). Ich spreche sehr wenig spanisch mit ihm. Ich versuche zum Beispiel Xabi und Pepe Reina zu helfen, übersetze manchmal Ansprachen für sie. Dass die beiden sich untereinander auf Spanisch unterhalten, ist doch normal. Aber die Kultur beim FC Bayern ist deutsch, und das soll sie auch bleiben.

Hätten Sie's bei allen gewusst? Prominente FC-Bayern-Fans

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Alte Sprache, neues System: Mal Dreier-, mal Viererkette. Können Sie uns das ein wenig genauer erklären? 

Dante(lacht): Ich soll euch jetzt unsere Taktik verraten? Na gut, aber nur ein bisschen. Es kommt darauf an, was der Gegner macht. Wenn er das Spiel schnell auf eine Seite verlagert, rückt einer unserer drei Verteidiger zur Unterstützung des Mittelfeldspielers nach außen. (Dante verschiebt die Spieler an der Taktik-Tafel) Die beiden anderen Verteidiger verschieben mit, und der Mittelfeldspieler auf der anderen Seite rückt ein, so haben wir wieder eine Viererkette. Wir wollen immer hoch verteidigen. Das Wichtigste ist dabei, dass keine Lücke zwischen den Abwehrspielern entsteht. Die Räume zwischen uns sind die Gefahrenstellen, die müssen immer dicht sein. Wenn ich im Zentrum spiele, sichere ich meine beiden Nebenleute mit ab. Zu tief darf ich aber nicht stehen.

Das klingt so einfach…

Dante: Ist es auch. Aber nur, wenn alle mitmachen. Dann funktioniert es wunderbar.

Boateng, Badstuber, Benatia und Sie – dazu der verletzte Martinez. Hat der FC Bayern zu viele Innenverteidiger im Kader?

Dante: Erst mal fällt Javi leider noch lange aus. Und der Verein hat entschieden, einen neuen Verteidiger zu verpflichten. Ich finde Konkurrenz ist immer gut. Jeder muss hart arbeiten, um zu spielen. Am Ende entscheidet sowieso der Trainer, wer von uns auf dem Platz steht.

"Ein Punkt mehr als die Konkurrenz reicht mir auch"

Sehen Sie sich dabei aufgrund Ihrer konstant guten Leistungen in den vergangenen Jahren als Platzhirsch?

Dante: Ich habe mich in meinem Leben noch nie hingestellt und gesagt: Ich bin die Nummer eins, ich bin hier der Boss. Ich sehe mich schon als Leader, weil das einfach meine Einstellung ist. Auch nach dem Triple habe ich nie gesagt: Ich bin der Beste, obwohl ich viel Lob erhalten habe. Das sehe ich einfach als Bestätigung…

…aber nicht zugleich auch als Anspruch?

Dante: Sie wissen doch, wie schnell heutzutage alles geht. Jedes Jahr geht es bei null los. Das ist bei mir nicht anders. Wenn Pep morgen zu mir kommt und sagt, dass ich Verteidiger Nummer eins bin, dann würde ich genauso hart arbeiten, als wenn er sagt, dass ich nur an fünfter Stelle stehe.

Sie können zum dritten Mal in Folge Meister werden. Ein besonderer Triumph?

Dante: Natürlich wäre das etwas Besonderes. Ich habe Hunger auf Titel. Und die Meisterschaft ist am wichtigsten, da müssen wir das ganze Jahr über unsere Qualität zeigen. Wir werden sich nicht noch mal mit so großem Vorsprung wie in den beiden vergangenen Jahren oben stehen, aber ein Punkt mehr als die Konkurrenz reicht mir auch.

Sie haben in München noch gut drei Jahre Vertrag. Träumen Sie danach heimlich von der englischen oder spanischen Liga?

Dante: Ich bin ehrlich. Früher, bevor ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich immer davon geträumt, einmal in Spanien zu spielen. Wegen der Sprache, wegen des Wetters. Aber mittlerweile bin ich hier heimisch geworden. Ich spreche Deutsch, meine Familie fühlt sich superwohl. Das habe ich im Urlaub wieder gemerkt.

Woran?

Dante: Als wir in Brasilien waren, fragten mich unsere Kinder: Papa, wann gehen wir wieder nach München? Ihr Leben ist hier, ihre Schule ist hier und ihre Freunde sind es auch. Ihnen gefällt es in München sehr. Und meiner Frau auch.

Also muss die Beziehung zwischen Dante und dem FCB 2017 noch nicht enden…

Dante: Ich hoffe nicht. Es wäre super, wenn ich noch lange bei Bayern München bleiben könnte. Das wäre eine große Ehre für mich. Doch im Fußball geht es schnell, da muss man mit langfristigen Plänen vorsichtig sein. Aber klar: Mein großer Traum wäre es, meine Karriere beim FC Bayern zu beenden. Und wer weiß, vielleicht mache ich danach den Trainerschein.

Dante über Reus: "Bin ein großer Freund von Marco"

Wäre es für Sie auch ein Traum, nach drei Jahren in Gladbach bald wieder mit Marco Reus zusammenzuspielen? 

Dante (l.) foult Marco Reus im Finale der Champions League 2013.

Dante: Warum nicht? Ich bin ein großer Freund von Marco, und mit Spielern seiner Klasse spiele ich immer gerne. Ich kenne ihn sehr gut aus unserer gemeinsamen Zeit. Ich habe seine ersten Schritte in Gladbach miterlebt und habe ihm schon zu Anfang gesagt: Junge, egal was passiert – du musst einfach nur hart an dir arbeiten. Du hast so viel Talent und so große Qualitäten, aber du musst an deine Grenzen gehen. Ich habe mich für ihn gefreut, als er nach Dortmund gewechselt ist.

In Gladbach haben die Kollegen Ihnen nach dem Klassenerhalt 2011 eine Glatze verpasst. Was muss passieren, damit das noch mal geschieht? 

Dante (grinst): Ich habe meiner Familie versprochen, dass das nicht noch einmal vorkommt. Aber wer weiß. Wenn ich meine Karriere hier beende, könnte ich meine Haare vielleicht doch noch einmal abrasieren.

Interview: Sven Westerschulze

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