Marketing-Experte erklärt:

"Der US-Trip der Bayern ist eine Win-Win-Situation"

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Trainer Pep Guardiola und seine Mannen beim Training in der Red-Bull-Arena in New York.

München - Die Bayern sind in den USA angekommen und trainieren fleißig. Das Interesse der Einheimischen ist groß. Marketing-Experte Dr. Peter Rohlmann erklärt die Gründe für die Reise.

Herr Dr. Rohlmann, wie beurteilen Sie die Bayernreise durch die USA?

Rohlmann: Die Bundesligisten haben den deutschen Markt weitestgehend ausgeschöpft, deswegen müssen die Vereine international aktiv werden. Das bedeutet nicht zwangsweise in Übersee, man muss sich auch mit den direkt angrenzenden Ländern befassen. Und dann kommt es natürlich darauf an, wie sich der Verein selber sieht. Der FC Bayern ist ein globaler Klub, somit spielen die USA und Asien eine wesentliche Rolle.

Also könnte es bei der nächsten Promo-Reise auch nach Tokio gehen?

Rohlmann: Bayern wird seine Fans und Sponsoren in Zukunft weltweit akquirieren und erreichen, da bin ich mir sicher. Und je größer die weltweite Akzeptanz für die Mannschaft und die Spieler im Nationalteam ist, umso intensiver wird sich Bayern auch um diese Märkte kümmern müssen. Aber das tun sie ja.

Zumal ja auch die jetzigen Sponsoren nicht gerade traurig über diesen Trip sein dürften...

Rohlmann: So ist es! Es ist eine Win-Win-Situation: Bayern kriegt mithilfe seiner internationalen Sponsoren einen leichteren Zugang in diese Märkte, die Firmen wiederum freuen sich über ein Zugpferd, das den Fans ihre Produkte näher bringt.

Welches Renommee genießen denn Bayern und der deutsche Fußball überhaupt in den USA?

Rohlmann: Deutschland hat in den letzten Jahren stark aufgeholt. Es ist mühsam, auch hier wieder das Sommermärchen 2006 zu nennen, aber dieses Turnier war nun mal der Katalysator dafür, dass der deutsche Fußball weltweit Akzeptanz gefunden hat. Der WM-Titel jetzt ist natürlich eine Steilvorlage für die Klubs, die einen großen Teil ihrer Spieler an die Nationalmannschaft abgestellt haben. Und da steht Bayern ja ganz oben, zumal ihre Spieler bei anderen Nationalmannschaften auch vertreten waren. Daher ist es auch nicht vermessen zu sagen, dass der FC Bayern eine kleine Weltauswahl ist, die jetzt durch die Welt tourt.

Das zweite Zugpferd der Liga, der BVB, zieht eine entspannte Vorbereitung im beschaulichen Bad Ragaz in der Schweiz vor...

Rohlmann: Es muss alles Hand und Fuß haben. Bayern hat die Repräsentanz in New York ja nicht eröffnet, weil sie da Show-Veranstaltungen machen wollen. Das Ganze muss sich ja rechnen. Borussia Dortmund wiederum sagt sich: Unser Fokus liegt stark auf den osteuropäischen Ländern, weil ein großer Teil ihrer Spieler aus dieser Region stammt, und auf dem asiatischen Markt, wo sie demnächst eine Dependance in Singapur eröffnen wollen. Der Ansatz ist beim BVB ein anderer, wobei man sicherlich auch sagen muss: Um den Bekanntheitsgrad der Bayern zu erreichen, braucht Dortmund noch ein paar Jahre.

Wo liegt der FC Bayern denn im internationalen Ranking?

Rohlmann: Klubs wie Manchester United haben früher damit begonnen, die ausländischen Märkte zu bedienen, wodurch sie mittlerweile dort auch bekannter sind. Diesen Vorsprung gilt es von der Bundesliga nun aufzuholen. Durch die steigende Attraktivität unserer Liga haben wir aber auch eine gute Chance.

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Kann man die Staaten denn als eine Art El Dorado des Fußballs bezeichnen?

Rohlmann: Noch nicht, sie sind aber auf dem besten Weg, ein boomendes Fußballland zu werden. Derzeit sind sie jedenfalls der am stärksten wachsende Fußballmarkt weltweit. Es ging mit dem College-Fußball los, dann haben die US-Frauen die Bühne betreten und heute verfügen sie über eine sehr professionell geführte Liga und ein gutes Nationalteam. Die Einschaltquoten und Merchandising-Erlöse sprechen für sich. Wer also früh in die Staaten reist, wird seinen Nutzen daraus ziehen.

Der Nachteil ist aber, dass die sportliche Komponente darunter leidet.

Rohlmann: Man darf nicht vergessen, dass es am Ende immer noch um Fußball geht. Kommerz gehört dazu, die sportliche Leistung darf aber nicht darunter leiden. Es ist eine Gratwanderung, die beim FC Bayern aber gut gemeistert wird. Es macht keinen Sinn, für ein Testspiel nach Asien zu jetten, eine Million zu kassieren und drei Tage später wieder zurückzufahren. Wenn, dann muss es in eine Trainingsform eingebettet sein und mindestens sieben, acht Tage dauern.

Interview: J. Carlos Menzel Lopez

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