Interview vor Duell beim ICC

Milan-Legende Albertini: "Der FC Bayern ist ein Vorbild"

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Großer Fan des FC Bayern: Demetrio Albertini kennt Trainer Carlo Ancelotti seit der gemeinsamen Zeit beim AC Mailand.

München - Mit dem Spiel gegen den AC Mailand startet der FC Bayern in den ICC. Vorher vergleicht Milan-Legende Demetrio Albertini die beiden Welt-Klubs und findet lobende Worte.

Update vom 27. Juli 2016: Carlo Ancelotti trifft am frühen Donnerstagmorgen (deutscher Zeit) in Chicago auf den Verein, den er zweimal zum CL-Sieg führte. einst Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie das Spiel FC Bayern München gegen den AC Mailand live im TV und im Live-Stream sehen können.

Sie spielten zusammen beim AC Mailand: Bayern-Coach Carlo Ancelotti und Milan-Legende Demetrio Albertini. Das tz-Interview vor dem Spiel in der Nacht zum Donnerstag:

Signore Albertini, die Bayern treffen auf Milan. Wo stehen beide Teams?

Albertini: Die Bayern haben einen neuen Trainer, verfügen dank der drei Jahre unter Pep Guardiola aber über eine außerordentliche Philosophie. Das kann man von den Rossoneri aktuell nicht behaupten, dort ist im Moment Baustelle angesagt.

Was ist aus dem glorreichen Milan von Pippo Inzaghi & Co. geworden?

Albertini: Ich denke, dass es die falsche Entscheidung war, immer nur freie Berater zu verpflichten. So hat man kein solides Fundament für die Zukunft errichtet.

Kann die chinesische Investorengruppe den Klub wieder aufrichten?

Albertini: Ein schwieriges Thema. Nach Monaten voller Gerüchte sind nun neue aufgekommen, daher sollten wir erst mal abwarten, dass alles offiziell gemacht wird.

Dann sprechen wir über Carlo Ancelotti, mit dem Sie gemeinsam bei Milan spielten.

Albertini: Er und Frank Rijkaard waren meine zwei Meister. Beide haben mir vieles über diesen Sport beigebracht, und zwar immer mit der nötigen Portion Bodenständigkeit. Sie waren an meiner Seite, haben ihre Geheimnisse mit mir geteilt und mich auf diese Weise reifen lassen.

Passt Ancelotti denn zum FCB?

Bayern-Trainer Carlo Ancelotti.

Albertini: Carlo ist, ganz egal, wo er war, immer erfolgreich gewesen. Das wird früher oder später auch in Deutschland passieren. Er wird dort großartige Arbeit leisten. Er ist von einer außergewöhnlichen Expertise, daher passt er auch so gut dorthin. Zweifeln Sie nicht an ihm!

Wird er Elemente von Guardiola übernehmen?

Albertini: Alle großen Trainer machen sich das Beste aus der Arbeit ihrer Vorgänger zu eigen. Man kann das Spiel des FC Bayern nicht einfach seiner Essenz berauben, aber Ancelotti war immer auf seine Art erfolgreich. Seine Philosophie ist einen Hauch italienischer, sein Spiel etwas vertikaler als Guardiolas, aber er weiß auch, mit Ballbesitz umzugehen. In Spanien hat er das während seiner Zeit bei Real eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Und nun trifft er in einem Test auf sein Milan. Wie 1990, als Sie und Ancelotti für den AC spielten.

Albertini: Wir waren in derselben Mannschaft, ich konnte damals aber nicht spielen. Es war ein Champions-League-Halbfinale, aber schon ein ganzes Stück her. Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, was diese beiden Mannschaften in den vergangenen Jahrzehnten alles gespielt und gewonnen haben. Für Carlo wird dieses Spiel mit Sicherheit einen besonderen Beigeschmack haben, schließlich ist er durch und durch Rossonero.

Was halten Sie vom FC Bayern als Klub?

Albertini: Viel. Bayern ist ein Vorbild, ein wirtschaftlich starkes Gebilde, das darüber hinaus Philosophie und Werte seiner Region verteidigt.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Klubpräsident. Was würden Sie sich von den Bayern abschauen?

Albertini: Ihre Organisation. In Mailand habe ich mal Karl-Heinz Rummenigge getroffen, und er erzählte mir damals, dass sie fünf Jahre Wachstumszeit veranschlagt hatten. Sie hatten damals schon die nötige Kraft, um gute Spieler zu kaufen, dennoch setzten sie auf schrittweises Wachstum, sowohl in sportlicher, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Vorbildlich!

Wie der deutsche Fußball insgesamt?

Albertini: Durchaus, ganz besonders die Einbindung des Nachwuchses. Dass die Liga und der Verband Hand in Hand gehen und eine enge Kooperation pflegen, hat den deutschen Fußball und die Jugendarbeit enorm gefördert.

Und wann bekommen wir wieder ein Champions-League-Finale zwischen Bayern und Milan zu sehen?

Albertini: Hoffentlich 2018, dieses Jahr ist Milan ja nicht dabei.

Interview: Mirko Calemme

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