Erste Pokalrunde

"Kleine" hoffen auf Favoritenstürze

Köln - Im vergangenen Jahr scheiterten vier Erstligisten in der ersten Pokal-Runde. Obwohl viele der Top-Klubs die Sache nun ernsthafter angehen wollen, träumen die „Davids“ wieder einmal vom großen Wurf.

Bayern München? „Man weiß nie, was passiert“, sagt Preußen Münsters Trainer Ralf Loose. Bayer Leverkusen? „Träumen ist erlaubt. Wir werden alles in die Waagschale werfen“, sagt Kapitän Marcel Fennel von Sechstligist Alemannia Waldalgesheim. Und die Chancen gegen Borussia Dortmund? „Ich glaube an meine Mannschaft“, sagt Trainer Horst Steffen von den Stuttgarter Kickers.

Sie klingen mutig, die Herausforderer der drei deutschen Champions-League-Klubs. Doch in der Regel ist es Zweckoptimismus, der die Hoffnung auf die Sensation nährt. Dass sie wirklich die 2. Runde des DFB-Pokals erreichen können, daran glauben die krassen Außenseiter in der Regel nicht. Doch der Pokal, so besagt eine der meistzitierten Fußball-Phrasen, hat eben seine eigenen Gesetze.

Da gab es die TSV Vestenbergsgreuth, die 1994/95 die Bayern mit Trainer Giovanni Trapattoni rausschmiss. Den FV Weinheim, der dieses Kunststück vier Jahre vorher geschafft hatte. Den SC Geislingen, der 1984/85 mit dem Bruder von 5000-m-Olympiasieger Dieter Baumann im Mittelfeld den HSV mit Felix Magath rauskegelte. Oder die Eintracht aus Trier, die 1997/98 als Drittligist bis ins Halbfinale vordrang.

Auch im Vorjahr scheiterten vier Erstligisten (Bremen, Mönchengladbach, Braunschweig, Nürnberg) in der ersten Runde an unterklassigen Vereinen, ein Jahr zuvor waren Hoffenheim und ebenfalls Nürnberg zum Auftakt sogar bei Viertligisten ausgeschieden. „Dafür müssen aber schon alle Feiertage der nächsten 50 Jahre auf einen Tag fallen“, sagte Fennel von den Feierabend-Fußballern aus Waldalgesheim vor dem Duell mit Leverkusen im SWR.

Wie unwahrscheinlich solche Sensationen sind, zeigen schon die Umstände. Sechstligist SV Waldkirch wird nach der Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth mit den „Wombats“ feiern - einer Band, die „von ihren Auftritten auf dem Siensbacher Campingplatz bestens bekannt“ ist, wie der Klub mitteilt. Beim USC Paloma Hamburg wird vor der Partie gegen 1899 Hoffenheim ein Shanty-Chor die Klassiker „La Paloma“ sowie „In Hamburg sagt man tschüss“ anstimmen.

Das zusätzliche Problem der Underdogs sind die Stadion-Auflagen des DFB, durch die neben der Sicherheit auch Live-Übertragungen von allen Plätzen gewährt sein müssen. So müssen viele Vereine umziehen, was sie nicht nur viel Geld kostet, weil die Stadien Miete kosten und nicht so viele Fans mitkommen, sondern auch das größte sportliche Pfund: den Heimvorteil. So spielt Waldalgesheim im Mainzer Bruchwegstadion, Paloma beim Stadtrivalen Viktoria, Regionalligist BSV Rehden gegen Aalen in Cloppenburg, FT Braunschweig gegen Köln im Eintracht-Stadion.

Das in Wahrheit größte Pfund der „Davids“ ist deshalb die Angst der „Goliaths“ vorm Versagen. Vor allem in Bremen ist diese ausgeprägt. Werder scheiterte zuletzt dreimal in Folge bei Drittligisten - erst in Heidenheim, dann in Münster und schließlich gegen Saarbrücken. Nun geht es gegen den FV Illertissen aus Liga vier. „Auch wenn man die Mannschaft nicht so gut kennt, sind wir die letzten, die einen Gegner unterschätzen werden. Die Vorjahre sind da Warnung genug“, sagt Stümer Nils Petersen.

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SID

Rubriklistenbild: © dpa

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