Analyse

Diesen Wert hat die USA-Reise für den FC Bayern

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Fans des FC Bayern München in den USA.

Chicago - Merkur-Redakteur Andreas Werner erklärt, welchen Wert die PR-Reise des FC Bayern München in die USA hat.

Die zwei Südamerikaner trotzten der Hitze im Soldier Field mannhaft. Während andere längst resigniert und sich in den Schatten zurückgezogen hatten, harrten die beiden ganz vorne an der Absperrung aus, sie waren ja auch bestens ausgestattet: Caps vom FC Bayern, Shirts vom FC Bayern, Shorts vom FC Bayern. Und wann kommt man den Stars schon mal so nahe wie bei dieser öffentlichen Trainingseinheit in Chicago? Die Zwei hatten viel auf sich aufgenommen, um hier zu sein. Sie hatten das auch auf ein Plakat gedruckt, das vor ihnen über der Absperrung baumelte: „Ich habe 9655 Kilometer gereist von El Salvador, um den FC Bayern zu zehen.“

Nur wer sehr kleinlich ist, stößt sich da an der ausbaufähigen Orthographie, entscheidend – gerade für den FC Bayern – ist dieser Tage in den USA ja: Man erreicht Menschen. Menschen, die man sonst nicht erreichen würde. Beim Testspiel am Mittwoch gegen den AC Mailand saßen 45 000 Fans im Soldier Field, recht viel mehr hätten in das 60 000 Leute fassende Stadion gar nicht reingepasst. Das war schon eine gute Quote, und zum Abschluss der Reise, beim Spiel gegen Real Madrid am Mittwoch in New York, rechnet man mit rund 80 000.

Die Fans fühlten sich am Mittwoch bestens unterhalten, beim Stand von 1:1 schon machte die Welle die Runde, obwohl der Kick bei weniger euphorischer Betrachtung eher unter dem Tatbestand Sommerfußball firmierte. Aber das macht ja nichts, festzuhalten ist nach der ersten Woche in den Staaten: Der FC Bayern und die USA, sie schlagen weiter kleine Wellen.

FC Bayern München: Wert des PR-Trips in die USA bemisst sich erst mittelfristig

Der Wert des PR-Trips bemisst sich ohnehin erst mittelfristig. So schön es unmittelbar ist, dass Fans aus den ganzen Staaten oder sogar Südamerika zu einem Showtraining einfliegen – entscheidend ist in erster Linie, die Partner zu befriedigen. Präsenz zeigen zum einen, und die Sponsoren dürfen sich mit den Stars mal vor Ort schmücken. Auch dass die örtlichen Medien den einen oder anderen Münchner VIP hier interviewen dürfen, soll dazu führen, der Marke Bundesliga zu mehr Popularität zu verhelfen. Und die Bayern sind fleißig: Hier eine Autogrammstunde mit David Alaba, Juan Bernat und Julian Green in einem Sportartikelgeschäft, dort eine Podiumsdiskussion mit Xabi Alonso und Holger Badstuber in einem noblen Hotel in Downtown. Der AC Mailand absolvierte genau einen Medientermin in seiner Zeit in den Staaten. Die Italiener verlieren an Boden.

Und dabei hat der Fußball in den Staaten sowieso wenig Grundlage. Es kann schon mal passieren, dass man mit dem Taxi zum Duell mit Milan im Soldier Field fährt, und sich der Fahrer laut wundert und nachfragt, ob man denn nicht lieber ins andere Stadion der Stadt wolle – dort sei ein Baseballspiel, aber im Soldier Field sei doch heute gar nichts.

Philipp Lahm wirft "First Pitch"

Einen schönes Basbeball-Erlebnis hatte Bayern-Kapitän Philipp Lahm – im Wrigley Field. Der Fußball-Weltmeister eröffnete mit dem First Pitch das Derby zwischen den Chicago Cups und den White Sox. Er sei schon ein „bisschen nervös“ gewesen, berichtete er nachher. „Ich weiß, dass ich Fußball spielen kann. Aber ich wusste nicht, ob ich so einen Wurf hinbekomme. Ich habe versucht, gerade zu zielen – und es ist einigermaßen gelungen.“ Lahm bekam als Erinnerung von den Cubs ein Trikot mit der Nummer 21 überreicht. Eine nette Begegnung der beiden einander so fremden Sportarten.

Der Fußball bemüht sich auch mit solchen Aktionen, in den USA anzukommen und stärker wahrgenommen zu werden. Es ist ein zartes Pflänzchen, das noch viel gegossen werden muss. Am Samstag werden die Bayern nun North Carolina bewässern. Man kickt dort, in der Stadt Charlotte, gegen Inter Mailand (23.00 Uhr MESZ/Sport1). Mal sehen – vielleicht reisen ja diesmal Fans aus Alaska an.

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