Acht Neuzugänge für mehr Offensiv-Power

So plant Dortmund den Großangriff auf den FC Bayern

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Marc Bartra (l.) und Osmane Dembélé verstärken den BVB für die neue Saison.

München/Dortmund - Vize-Meister Borussia Dortmund geht in die volle Offensive: Nach dem schmerzlichen Verlust dreier Leistungsträger kauft der BVB kräftig ein - und startet damit den Großangriff auf den Krösus FC Bayern. Mit Aussicht auf Erfolg?

André Schürrle (VfL Wolfsburg), Mario Götze, Sebastian Rode (beide FC Bayern), Ousmane Dembélé (Stade Rennes), Raphaël Guerreiro (FC Lorient), Marc Bartra (FC Barcelona), Emre Mor (FC Nordsjaelland) und Mikel Merino (CA Osasuna). Das sind die acht Neuzugänge von Borussia Dortmund für die Saison 2016/17.

Gut 114 Millionen Euro ließ sich der BVB seine neuen Stars kosten, alleine für die beiden Weltmeister Schürrle und Götze blätterten die Schwarz-Gelben mindestens 50 Millionen Euro hin. Sie sollen die Abgänge von Mats Hummels (FC Bayern), Henrich Mchitarjan (Manchester United) und Ilkay Gündogan (Manchester City) kompensieren, deren Transfers den Dortmundern zirka 107 Millionen Euro in die Kassen spülte. Mit dieser, auf jeder Position doppelt besetzten Offensive, will Thomas Tuchel nun den zuletzt viermaligen Meister FC Bayern attackieren. 

"Der BVB ist sensationell aufgestellt"

Vor allem der Angriff soll in dieser Saison wieder das Prunkstück der Dortmunder werden. Mit 82 Toren in der letzten Saison stellte der BVB die beste Offensive, man erzielte sogar zwei Treffer mehr als der große Konkurrent aus München. Der Abgang von Mchitarjan schmerzt zwar, doch mit der Verpflichtung der beiden Produzenten des entscheidenden WM-Tores, André Schürrle und Heimkehrer Mario Götze, sowie der beiden hochtalentierten Tempodribbler Ousmane Dembélé (19) und Emre Mor (18) soll der Top-Sturm um Pierre-Emerick Aubameyang noch mehr für Furore sorgen. Auch Marco Reus dürfte nach seiner Verletzung angesichts seiner beiden Kumpel Schürrle und Götze wieder aufblühen. Klub-Legende Karl-Heinz-Riedle findet, der BVB sei sogar "sensationell aufgestellt". Ähnlich sieht es Sportdirektor Michael Zorc in der Bild: "Natürlich haben wir in der Offensive sehr, sehr viel Qualität. Vielleicht sogar mehr als im letzten Jahr."

Auch im zentralen Mittelfeld hat man sich mit dem jungen Spanier Mikel Merino und Kämpfer Sebastian Rode von den Bayern gezielt verstärkt, den Abgang von Ilkay Gündogan kann aber keiner von ihnen kompensieren. Mit Gonzalo Castro und Julian Weigl stehen dennoch zwei hervorragende Spielmacher zur Verfügung. Castro kommt nach Startschwierigkeiten nach seinem Wechsel aus Leverkusen immer besser in Fahrt, Weigl hat nach einer Traum-Premierensaison in Schwarz-Gelb bei der EM wichtige Erfahrungen gemacht und wird mit viel Selbstvertrauen nach Dortmund zurückkehren. 

Hummels in Dortmund (noch) nicht zu ersetzen

Der Verlust von Kapitän Mats Hummels schmerzt die Westfalen wohl am allermeisten. Mit Marc Bartra hat man hier eine talentierte und vor allem günstige Alternative geholt. Gerade einmal acht Millionen Euro hat der Spanier vom FC Barcelona gekostet. Eins zu eins ersetzen kann Bartra Hummels aber wohl noch nicht. Dafür muss sich Bartra, der aus der Jugendschmiede des FC Barcelona, "La Masia", stammt, erst an Deutschland un die Bundesliga gewöhnen. Sokratis, der eine starke Saison hinter sich hat, muss nun beweisen, welche Qualitäten er als Abwehrchef hat. Der 22-Jährige Matthias Ginter hat ebenfalls die Fähigkeiten, sich noch weiter zu entwickeln, Tuchel setzte ihn in der letzten Saison aber hauptsächlich als Rechtsverteidiger ein. Nur ganze sechs Mal durfte er auf seiner Stammposition ran, zeigt dort aber öfters sein Potenzial. Bleibt noch Sven Bender. Der Ex-Löwe ist fester Bestandteil der Dortmunder Defensive, wenn er nicht verletzt ist. 21 Spiele verpasste er in der abgelaufenen Spielzeit aufgrund von diversen Verletzungen. Bender und Bartra brauchen erstmal eins: Spielpraxis. Denn der Spanier war beim FC Barcelona alles andere als Stammkraft, in 24 Einsätzen durfte er nur acht Mal über 90 Minuten ran. Zum Saisonstart werden Bender und Ginter Thomas Tuchel auf jeden Fall fehlen, beide sind in der deutschen Auswahl für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. 

Auf den Außenbahnen hat man mit Raphaël Guerreiro einen der Shooting-Stars der Europameisterschaft verpflichtet, der Marcel Schmelzer auf der linken Seite ordentlich Dampf machen soll. Auch auf rechts spielen mit Lukasz Piszczek und Erik Durm gestandene Bundesliga-Profis. 

Doch neben der starken Offensiv-Power muss Thomas Tuchel die Defensive weiter stabilisieren. 34 Gegentore sind zuviel für eine Mannschaft, die Ambitionen hat, Deutscher Meister zu werden. Zum Vergleich: Der FC Bayern kassierte mit 17 Gegentreffern gerade einmal die Hälfte, bei fast gleich viel erzielten Treffern. Hier gibt es also definitiv noch Steigerungspotenzial. 

Variabilität als große Stärke beim BVB

Die Vielseitigkeit der Offensivspieler könnte zur großen Stärke der Dortmunder in der neuen Saison werden. Sowohl Reus, Götze, Schürrle, Mor als auch Dembélé können fast alle Positionen in der Angriffsformation einnehmen, außen wie zentral. Schürrle ist neben Aubameyang und Ramos zudem eine echte Alternative im Sturmzentrum. Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Watzke betonte zuletzt, dass "niemand festgelegt" und dass man "sehr variabel" sei. "Das sollte unsere große Stärke sein", so der 57-Jährige.

Auch Trainer Tuchel, der nach den Abgängen der drei Leistungsträger Zweifel an der neuen Saison hatte, wirkt "befreit". "Er identifiziert sich mit dem Kader und kann gut damit leben. Er macht einen sehr fokussierten und optimistischen Eindruck", sagte Watzke dem Kicker. Das System, mit dem Tuchel die Borussia auch in der Champions League zum Erfolg führen will, steht noch nicht fest. Wahrscheinliche Varianten sind 3-4-3, also mit Dreierkette, ein bewährtes 4-2-3-1 oder ein offensives 4-1-4-1 mit nur einem Sechser.

Das Potenzial für die Attacke auf den FC Bayern ist da

Wie schon beim furiosen 4:1-Sieg im Testspiel gegen Manchester United klar wurde, bleibt ein Ziel beim BVB bestehen: Es sollen vor allem Tore, Tore und nochmal Tore fallen. Selbst Carlo Ancelotti war von der Leistung beeindruckt. Doch die Mannschaft muss sich mit den vielen Neuzugängen erst finden, Watzke nennt es den "größten Umbruch seit zehn Jahren". Auch Jürgen Kohler hält den BVB noch nicht für einen Bayern-Jäger.

Die vielen jungen Spieler haben zwar gewaltiges Potenzial und sind extrem hungrig, doch fehlt ihnen noch die nötige Erfahrung, besonders auf internationaler Bühne. Auch die Frage nach der konstanten Leistung muss man sich bei so jungen Spielern stellen. Es ist wohl zu viel verlangt, dass ein 18- oder 19-Jähriger in seinem ersten Jahr über die ganze Saison konstant gute Leistung bringt. Im Vergleich zur restlichen Bundesliga-Konkurrenz hat der BVB aber mit Abstand das größte Potenzial, um dem Branchenprimus FC Bayern gefährlich zu werden. 

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tor

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