tz-Interview mit Giuseppe Bergomi

Vor dem Duell mit Bayern: Was wurde nur aus Inter?

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Getrennte Wege: Vor sechs Jahren war Inter obenauf – jetzt spielt Bayern in einer anderen Liga.

Chicago - Am Samstag (Sport1 ab 23 Uhr live) trifft der FC Bayern im Rahmen seiner US-Tour in Charlotte auf Inter Mailand. Das Interview mit Inter-Legende Giuseppe Bergomi:

Signore Bergomi, vor sechs Jahren standen Inter und Bayern noch im Finale der Champions League…

Giuseppe Bergomi: Da sehen Sie mal, wie viel sich doch in sechs Jahren ändern kann. Im Fußball geht es aber nicht ausschließlich um Titel, sondern darum, ein stetiger Protagonist zu sein. Und zwar immer. Die Bayern haben es geschafft, sich neu zu erfinden und auf diese Weise ihr Projekt fortzuführen. Inter hingegen hatte einige Schwierigkeiten und hat auch heute noch mit ihnen zu kämpfen, ganz besonders aufgrund der Änderung der Eigentumsverhältnisse.

Womit hat die Talfahrt seit 2010 genau zu tun?

Bergomi: Im Leben muss man erkennen, wann der Moment gekommen ist, um etwas zu verändern. Inter war damals das Juve von heute. Sie konnten zwar nach wie vor viel erreichen, haben aber nicht erkannt, dass die Mannschaft erneuert werden musste, wenn sie denn auch weiterhin dort oben mitspielen wollten. Später kamen dann auch noch die wirtschaftlichen Probleme dazu, heute steht alles aber wieder auf einem soliden Fundament.

Kann die chinesische Suning-Gruppe Inter wieder zu altem Glanz verhelfen?

Bergomi: Sie verfügen über eine bedeutende wirtschaftliche Basis und bringen die nötige Lust mit, um das Projekt Inter wieder anzuschieben. Die ersten Eindrücke sind sehr positiv, auch wenn sie es nun mit dem Financial Fairplay aufnehmen müssen.

Ist Mancini der richtige Trainer für dieses Projekt?

Bergomi: Schwer zu sagen, ich denke aber schon. Er ist ein bedeutender Trainer, soviel steht schon mal fest. Immer wenn neue Leute am Werk sind, wollen sie am liebsten direkt alles ändern. Jetzt ist jedoch Roberto da, den sie bis zum Schluss unterstützen müssen.

Und welchen Eindruck haben Sie von Carlo Ancelotti bei den Bayern?

Bergomi: Denselben Eindruck, den ich überall schon bei ihm hatte. Carlo ist der ideale Trainer, denn er schafft es, dass seine Mannschaften mit einem Lächeln auf den Lippen gewinnen. Viele Erfolgstrainer sind unnahbar und erwecken den Eindruck, dass sie gegen den Rest der Welt kämpfen müssen. Ein Mourinho zum Beispiel, auch Capello ist so. Bei Carlo hingegen werden die Erfolge mit einem Lächeln eingefahren. Immer. Ein wunderbarer Mensch. Ich schätze ihn sehr und bin mir sicher: Er wird Großartiges bei Bayern leisten.

Wird er Pep Guardiolas Stil verändern?

Giuseppe Bergomi.

Bergomi: Immer dann, wenn du eine Mannschaft von Guardiola übernimmst, hast du ein und dasselbe Problem: Er wählt immer die perfekten Spieler für sein System, die einem anderen Trainer oft aber nur wenig nutzen. Carletto benötigt unterschiedliche Spielertypen und Charaktere, eine seiner großen Stärken zeigt sich aber auch darin, dass er Spieler in einer anderen Position neu erfindet. So war es bei Pirlo und bei Di Maria zum Beispiel. Es würde mich nicht wundern, wenn er das auch in München macht.

Erst mal steht aber sein persönliches Derby gegen Inter an.

Bergomi (lacht): Carlo ist ein Rossonero, wie er im Buche steht, daher wird es in der Tat ein kleines Derby sein. Aber Carlo ist ein Mann von Welt, er kennt den Fußball wie seine Westentasche und wird daher nie zulassen, dass diese Dinge ihn in seiner täglichen Arbeit einschränken.

Was können sich italienische Klubs von den Bayern abschauen?

Bergomi: Das ist nicht leicht. In der Bundesliga haben sie mit Ausnahme von Dortmund keinen Gegner, was ganz klar ein Vorteil ist, da sie den inländischen Markt auf diese Weise einfach kontrollieren können und darüber hinaus eine Menge Fans in ganz Deutschland haben. In Italien gibt es mehr Konkurrenz, was man aber zweifelsohne hervorheben muss, ist ihre Führung. Als der FC Bayern eine nicht ganz so erfolgreiche Phase durchmachte, entschieden sie sich, auf den Nachwuchs zu setzen. Mit der Zeit hat diese Philosophie dazu geführt, dass sie auch auf dem internationalen Markt höhere Investitionen tätigen können. Dieses Modell im Bel Paese umzusetzen könnte jedoch schwierig werden.

Und wann gibt es das nächste Champions-League-Finale zwischen Bayern und Inter?

Bergomi: Gute Frage! Die Champions League ist speziell, da nicht immer die besten Mannschaften am Ende auch gewinnen. Letzten Endes kommt es auf Inter an, aber ich hoffe und denke, dass sie im kommenden Jahr wieder dabei sein werden. Ob es dann gleich für das Finale reicht, muss man sehen…

Interview: Mirko Calemme

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