Sportvorstand erkrankt

Sorge um Sammer: Das sagt der Klubarzt des FC Bayern

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Immer engagiert bei der Sache: Matthias Sammer (48) beerbte Christian Nerlinger im Sommer 2013 als Münchner Sportvorstand.

München - Matthias Sammer, Sportchef des FC Bayern München zieht sich wegen einer Durchblutungsstörung im Gehirn zurück. Zunächst wurde seine Abwesenheit mit einer Grippe erklärt.

Update II vom 10. Juli: Insider wundern sich nicht: Darum ist das Aus von Matthias Sammer beim FC Bayern München ein logischer Schritt.

Update vom 10. Juli 2016: Der Sammer-Hammer: Der FC Bayern München und Sportvorstand Matthias Sammer gehen ab sofort getrennte Wege. Mittlerweile hat der Verein auch eine Pressemitteilung veröffentlicht.

Eigentlich war alles so, wie es sein sollte: Die Meisterschaft ist für den FC Bayern nach dem 2:0 bei Hertha BSC nun wirklich nur mehr reine Formsache, und so war der Verein bereit, den Fokus voll für das Halbfinale in der Champions League am Mittwoch bei Atletico Madrid zu schärfen. Am Sonntagabend verschickte der FC Bayern aber dann eine Presseerklärung, neben der alles ganz klein wurde, ganz plötzlich, vom vierten Meistertitel bis zum Königsklassen-Duell in Madrid. Alles in allem war die Nachricht sorgfältig defensiv formuliert, ihr Inhalt bietet trotzdem ausreichend Grund zur Sorge: Matthias Sammer zieht sich bis auf Weiteres als Sportvorstand der Münchner zurück. Wegen einer Durchblutungsstörung im Gehirn.

Der 48-Jährige hatte bereits am Dienstag gegen Bremen den für ihn reservierten Platz auf der Bayern-Bank nicht eingenommen, und auch auf der Dienstreise nach Berlin fehlte er. Ungewöhnlich, seit seinem Dienstantritt im Sommer 2013 lassen sich selbst die Trainingseinheiten, die er versäumte, an einer Hand abzählen. Es hieß, er habe Grippe. Doch die Nachricht vom Sonntagabend wirft auf die Absenz ein anderes Licht.

Das sagt der Klubarzt des FC Bayern München zu Matthias Sammer 

Grund, so ließ der Verein nun am Sonntag in der Mitteilung Klubarzt Professor Dr. Roland Schmidt zitieren, sei eine „winzige Durchblutungsstörung des Gehirns, die komplett und folgenlos ausheilen wird“. Sammer gehe es gut, war weiter zu lesen, und auch der Patient selbst äußerte sich in dem Schreiben. Am Sonntagabend habe er gesagt: „Es gibt keine Einschränkungen für mich, und die Ärzte haben mir versichert, dass ich vollständig auskuriert und wiederhergestellt werde.“ Er werde sich „die nötige Zeit zum Regenerieren nehmen, um für die Mannschaft und die Bayern wieder mit voller Kraft zur Verfügung zu stehen“.

Das Wichtigste, fügte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzend hinzu, sei jetzt, „dass Matthias sich vollständig erholt. Er weiß, dass wir ihm alle Zeit geben, die er braucht, um dann in alter Stärke seinen Aufgaben beim FC Bayern nachzugehen.“ In der heißen Saisonphase wird Sammer nun fehlen – aber Gesundheit geht vor, da gibt es keine zwei Meinungen.

In Berlin hielten sich die Bayern auch trotz der Nachrichten, die einen nachdenklich stimmen, ganz in Sammers Sinne schadlos. Schon seit Wochen gleicht ihr Liga-Alltag dem Routineausflug, den Normalsterbliche jeden Samstag zum Supermarkt unternehmen. In den Händen haben auch sie einen Zettel, nur setzen sie nicht nach Butter, Milch, Rote Beete ihren Haken, sondern nach Stuttgart, Schalke, Hertha. Ganz nüchtern. Dass sie in Berlin dabei ein paar Mal angerempelt wurden, ist vielleicht gar nicht mal so schlecht.

„Fußball ist Kontakt“, sagte Pep Guardiola, nachdem seine Mannschaft erneut nicht gerade Glanz verbreitet und 47 Minuten das richtige Regal suchen musste. Am Ende war der Einkaufskorb wie immer voll, aber auf dem Weg dahin „haben wir zu viele Bälle verloren“, monierte der Bayern-Trainer. „Wenn das passiert, ist Taktik nicht wichtig. Sondern, das Spiel zu gewinnen.“ Wenn ein Taktikfanatiker wie Guardiola so etwas sagt, hat das viel zu bedeuten. Und da Atletico nachgewiesen aus einer stattlichen Riege kerniger Kontaktsportler besteht, kam die Berliner Übungseinheit wie gerufen. Die Bayern nahmen mit nach Hause, dass sie auch gewinnen können, wenn sie der Gegner nicht glänzen lässt. Freilich wird ihnen im Halbfinale auf ganz anderem Niveau zugesetzt.

Guardiola hatte in Berlin aber auch eine Mannschaft aufgeboten, die mit Ergänzungsspielern gespickt war. So hat ein Teil die Übungseinheit für Atletico selbst erlebt, der andere von der Bank aus beobachtet. „Man kann nicht jeden Gegner nach Strich und Faden an der Nase herumführen“, sagte Thomas Müller, als er gefragt wurde, warum alles so schwerfällig war. Er verstehe nicht, weshalb man sich jedes Spiel, Woche für Woche, rechtfertigen müsse: „Obwohl Dortmund richtig viele Punkte holt, stehen wir vor der Meisterschaft.“

Wie Müller da so grantelte, erinnerte er fast an Sammer. Auch ohne ihn ticken die Bayern also weiter in seinem Sinne. Alles so, wie es sein sollte. Das dürfte den Patienten am meisten beruhigen.

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