Kovac: "Bayern tut sich traditionell schwer in Frankfurt"

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Da geht’s lang: Nico Kovac gibt in Frankfurt seit sieben Monaten erfolgreich die Richtung vor.

München - Die Eintracht bekommt es am Samstag mit dem FC Bayern zu tun. Vor dem Bundeslia-Spiel sprach Frankfurt-Trainer Niko Kovac im Interview über die Erwartungen, Sprachbarrieren und den Respekt der Bayern.

Als Niko Kovac im März das Traineramt in Frankfurt übernahm, war die Eintracht als Tabellen-16. akut abstiegsgefährdet. Über die Relegation retteten sich die Hessen letztlich und gehören in dieser Saison mit zehn Punkten aus sechs Spielen zu den positiven Überraschungen der Bundesliga. Am Samstag empfangen sie den FC Bayern, für den Kovac von 2001 bis 2003 spielte. Für den Kroaten ist es nicht nur wegen seiner Profi-Vergangenheit ein besonderer Tag. Am Samstag wird er 45.

Herr Kovac, letzte Saison hat die Eintracht dem FC Bayern am elften Spieltag den ersten Punktverlust beigebracht. Ihnen ist schon klar, dass die Liga nun wieder gebannt auf Sie schaut, oder?

Niko Kovac: Naja, nun haben die Bayern ja einen Spieltag zuvor bereits die ersten Punkte liegen gelassen. Daher können wir diesmal nicht die ersten sein. Aber wir wollen natürlich nichts herschenken und den Bayern das Leben so schwer wie möglich machen.

Sie als Ex-Bayer müssen es ja wissen: Wie ärgert man am besten die Bayern?

Kovac: Gegen einen solch großen Klub zu spielen, ist immer etwas Besonderes. Wir müssen natürlich kompakt stehen und gut in die Zweikämpfe kommen, dürfen keine Fehler machen. Zudem spielt natürlich das Publikum eine große Rolle. Und das ist ein Vorteil, denn ich habe mir sagen lassen, dass sich Bayern München traditionell schwer tut in Frankfurt.

Ist der Zeitpunkt günstig, weil Bayern zuletzt nicht komplett überzeugte? Oder genau aus diesem Grund ungünstig?

Kovac: Die Bayern sind immer stark und gefährlich. Da gibt es keinen günstigen oder ungünstigen Zeitpunkt.

Die Eintracht hat mit zehn Punkten aus den ersten sechs Spielen die Erwartungen deutlich übertroffen.

Kovac: Das sehe ich anders.

Wieso?

Kovac: Wir wussten schon bei der Zusammenstellung des Kaders, dass wir eine ordentliche Truppe haben. Unser Team hat viel Entwicklungspotenzial und wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen.

Als problematisch wurde anfangs der extrem international besetzte Kader angesehen. Wie überwinden Sie die Sprachbarrieren?

Kovac: Da gibt es überhaupt keine Probleme. Es sind alles Fußballer, die wissen, was auf dem Platz vor sich geht. Und die Jungs sind total leicht zu integrieren, lernen fleißig deutsch und sind wissbegierig. Da gibt es in einer so internationalen Stadt wie Frankfurt keine Probleme.

Die finanziellen Mittel der Eintracht sind traditionell eingeschränkt. Können Sie verstehen, dass in einer Finanzmetropole wie Frankfurt dem Klub vergleichsweise wenig Geld zur Verfügung steht?

Kovac: Meine Aufgabe ist es, mit den gegebenen Mittel das Bestmögliche zu erreichen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand und wird hier auch mit einer großen Seriosität und dem nötigen Knowhow angepackt.

Welche Aufgabe ist für einen Trainer reizvoller: Aus dem Vollen zu schöpfen und große Siege anzupeilen oder in den Nischen nach unentdeckten Könnern zu suchen?

Kovac: Beides ist sicher sehr reizvoll. Fakt ist, dass ein Klub wie Eintracht Frankfurt ein enormes Potenzial hat. Hier etwas zu bewegen, ist eine große Aufgabe, die wir anpacken möchten. Es ist eine sehr große, aber auch tolle Herausforderung.

Als wie kompliziert empfinden Sie den Verein mit seinem emotionalen, durchaus anspruchsvollen Umfeld?

Kovac: Die Eintracht ist ein Traditionsverein. Das heißt auch, dass sich schon seit mehr als einem Jahrhundert viele Menschen mit dem Klub beschäftigen. Hier wird der Fußball gelebt und zudem gibt es eine Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit“. Die Bayern haben über 20 Jahre am Stück in Frankfurt nicht gewinnen können. Da ist klar, dass hier aufgrund der Vergangenheit und dem enormen Potenzial der Rhein-Main-Region ein gewisses Anspruchsdenken vorherrscht. Aber Eintracht Frankfurt ist nicht komplizierter oder unkomplizierter als andere Klubs auch.

Haben Sie nach dem guten Start schon die Erwartungen dämpfen müssen?

Kovac: Nein, das nicht. Nach der Relegation im letzten Jahr weiß jeder, dass zunächst nur der Klassenerhalt zählt. Wir möchten eine ruhigere Saison spielen.

So ein knappes Überleben in der Relegation kann im besten Fall enorme Kräfte freisetzen, wie man in Mönchengladbach oder – in eingeschränkterem Maße – Hoffenheim gesehen hat. Wie hoch kann man als Eintracht-Trainer bei der Zielsetzung gehen?

Kovac: Wie schon gesagt: wir sind gut beraten, demütig zu bleiben. Wir arbeiten hart. Alles andere werden wir sehen.

Bei uns können Sie das Auswärtsspiel gegen Frankfurt live im Ticker mitverfolgen.

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