Holländer im tz-Interview

Erik Meijer: „Ich hoffe, es wird eine Schlammschlacht“

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Eloquent und ­fachkundig: ­Sky-Experte Erik Meijer in Aktion.

München - Taktikexperte Erik Meijer verrät im tz-Interview, was er PSV Eindhoven gegen den FC Bayern zutraut. 

Für den früheren PSV-Spieler und heutigen Sky-Taktik-Experten Erik Meijer ist das Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern und Eindhoven am Mittwochabend ein Duell David gegen Goliath. Trotzdem rechnet er den Holländern eine Mini-Chance zu. Das Interview:

Herr Meijer, was muss passieren, dass Eindhoven in München gewinnt?

Erik Meijer: Ein frühes 0:1, weil Mats Hummels ausrutscht oder ein Stück Rasen günstig liegt. Kurz vor der Halbzeit köpft PSV dann nach einer Ecke das 2:0. Arjen Robben schießt zwar noch den 1:2-Anschlusstreffer, das sei ihm als Holländer vergönnt, am Ende bleibt es aber beim PSV-Sieg!

Das wäre aus holländischer Sicht der Idealfall. Worauf müssen sich die Bayern aber wirklich einstellen?

Meijer: Ich hoffe, dass Eindhoven eine Schlammschlacht aus dem Spiel macht. Das ist der einzige Weg, um gegen den FC Bayern zu gewinnen.

Wird sich Eindhoven hinten rein stellen oder versuchen mitzuspielen?

Meijer: Sie werden versuchen, Fußball zu spielen. Der Rasen ist da, um guten Fußball zu spielen. Der Ball wird schnell sein! Eindhoven ist nicht die Mannschaft, die sich wie Atlético hinten reinstellen kann und dann abwartet. Bis zur Mittellinie werden sie kompakt stehen und auf Fehler der Bayern hoffen. Das ist ihnen in den letzten Spielen ja öfters passiert. Das ist eine Möglichkeit.

Und die andere?

Meijer: Standardsituationen! Bei Eindhoven gibt es viele Leute, die wissen, wie man ein Standard-Tor machen kann mit dem Kopf!

Wo stehen die beiden Teams vor diesem Aufeinandertreffen?

Meijer: Beide sind im Moment nicht in ihrer besten Verfassung. Eindhoven war letzte Saison der Überraschungsverein in Holland. Diese Saison sind sie mit ein paar Verletzten gestartet. Das hat man in den ersten Spielen gemerkt. Die Bayern haben momentan eine Phase, die man eigentlich von ihnen nicht kennt. Die Mannschaft ist noch auf der Suche. Guardiola war sehr streng mit den Spielern und hatte sehr viele Vorgaben. Ancelotti gibt ihnen mehr Freiräume, und die Spieler müssen jetzt selber Entscheidungen treffen. Die Spieler wandern also gerade zwischen diesen beiden Trainer-Typen.

Ist Eindhoven-Coach Phillip Cocu eher Pep oder Carlo?

Meijer: Er ist jemand, der aus der Barcelona-Schule kommt. Er versucht mit seinen Spielern das zu spielen, was sein Kader hergibt – aber mit einer Soße mit Barcelona-Geschmack garniert! Er will, dass die Außenverteidiger hoch stehen und spielt gerne mit drei Stürmern. Man sieht schon, dass er in Barcelona-Richtung und damit auch in Pep-Richtung denkt. Diesen Fußball spielt PSV aber schon Jahre lang.

Eindhoven hat gegen Atlético überzeugt, gegen Rostow enttäuscht: Welches Gesicht trifft momentan eher auf die Mannschaft zu?

Meijer: Wenn sie als Mannschaft auftreten, werden sie wie gegen Atlético spielen. Wenn sie aber denken, der Gegner ist nicht so stark, dann kommt das Rostow-Gesicht! Bayern werden sie aber nicht unterschätzen!

Sie haben bei Eindhoven gespielt, Arjen Robben ebenfalls. Er hatte zu Beginn dieser Saison wieder Verletzungspech. Jetzt spielt er wieder. Wie bewundernswert ist dieser Comeback-Wille von Robben?

Meijer: Der Mann ist einzigartig! Wenn der Ferrari gepflegt ist, dann brüllt er und läuft wie geschmiert. Aber wenn eine kleine Schraube fehlt, dann funktioniert das nicht mehr. Und das ist Arjen Robben!

Wie meinen Sie das genau?

Meijer: Er ist ein absoluter Top-Profi. Robben pflegt seinen Körper und ist damit permanent beschäftigt. Fußball ist alles für ihn und der Rest ist Nebensache. Aber wenn du der aller Beste sein möchtest, dann musst du genau so denken und alles so machen. Und das macht er. Und das ist lobenswert! Es nervt nämlich auch manchmal, wenn man so viel verletzt ist. Trotzdem kommt er immer wieder zurück Eigentlich willst du nur eins: Dein gut bezahltes Hobby ausführen.

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Manuel Bonke

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