Ex-Bayern-Star

Daniel Van Buyten: "Franck ist so wie ich"

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Ex-Team-Kollegen und gute Freunde: Daniel Van Buyten und Franck Ribéry (l.).

München – Ex-Bayern-Star Daniel Van Buyten über Gewinner-Typen, Fußballspielen im Alter, den bärenstarken Martinez und seinen Mini-FC-Bayern.

Als Spieler des FC Bayern waren die Partien gegen den Hamburger SV für Daniel van Buyten „immer etwas Besonderes“, sagt er. Wenn das Duell seiner beiden Ex-Klubs am heutigen Samstag (15.30 Uhr) ansteht, schaut der 38-Jährige deshalb ganz genau hin. Aus Lüttich verfolgt der ehemalige Verteidiger inzwischen die Bundesliga – und zwar mit den Augen eines Fußballmanagers.

Daniel van Buyten, Sie sind Vizepräsident von Standard Lüttich. Viele Ex-Spieler nennen Uli Hoeneß als Vorbild, wenn sie auf die andere Seite der Branche wechseln. Sie auch?

Ja klar! Und mein Freund, Präsident Bruno Venanzi, hat mich gefragt, ob ich den Job machen will, weil er natürlich weiß, dass ich acht Jahre lang bei Bayern war – dem am besten geführten Verein der Welt. Er hat sich auch erkundigt, wie das in München funktioniert. Ich erzähle viel von dem, was ich bei Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gesehen habe. Dass der FC Bayern da steht, wo er steht, ist ja kein Zufall. Bevor so eine Maschine wie Bayern ins Laufen kommt, muss man sehr viel arbeiten.

Sie machen aus Lüttich also einen Mini-FC Bayern?

Genau (lacht). Es gibt immer einen Anfang – und wir machen hier einen guten Anfang. Ich habe gute Leute geholt, Leute, die Lust haben, die brennen – wie Uli Hoeneß bei Bayern. Ich hoffe, dass die Belohnung irgendwann kommt und Standard Lüttich wieder ein Top-Verein wird.

Ist es auch für Sie der Anfang einer großen Manager-Karriere? Werden Sie irgendwann wieder bei den Bayern landen?

Warum nicht? Ich sage nie nie. Es war wichtig, dass ich nun in meiner Heimat war und bin. Aber nach zwei, drei Jahren denkt man oft anders über sein Leben. Ich werde nun auch meinen Trainerschein machen, damit ich für alle Möglichkeiten bereit wäre.

Der HSV ist chronisch auf Trainersuche . . . Was denkt man als ehemaliger HSV-Spieler, wenn man auf diesen Verein blickt?

Es tut mir einfach leid, wenn ich sie sehe. Ich erinnere mich noch genau, als ich 2004 zum HSV kam, habe ich gesagt: Ich komme, um den Verein wieder in die Champions League zu bringen. Das haben wir geschafft! Und wenn ich jetzt sehe, wie schwierig der HSV es hat, um wieder dort hin zu kommen, tut das schon weh. So eine Stadt, so ein Potenzial – wenn ich sehe, wie es hier bei Lüttich ist, obwohl wir viel weniger haben, dann muss beim HSV doch etwas falsch laufen.

Woran hapert es?

Das frage ich mich auch. Man hat eigentlich alles, was man braucht. Die Infrastruktur, eine reiche Stadt, Sponsoren, einen Investor, einen Top-Verein, ein tolles Stadion. Man braucht vielleicht einfach Leute, die Liebe an der Arbeit haben. So wie Hoeneß beim FC Bayern.

Beschreiben Sie doch mal diese Liebe, die Hoeneß zum FC Bayern hat.

Ich hatte auch oft Kontakt mit seiner Frau. Sie hat oft zu mir gesagt: Uli muss ein bisschen langsamer machen. Aber: Das kann er nicht! Er liebt seinen Verein, das ist wie ein drittes Kind von ihm. Aber nur dadurch ist dieser Verein auch so erfolgreich. Weil Uli Hoeneß dafür alles gibt. So einen Mann braucht man.

Nun hat Bruno Labbadia die Bewährungsprobe gegen Bayern. Geht es für einen Trainer schlimmer?

Ehrlich gesagt finde ich es gar nicht so schlimm. Weil es einfacher ist, sich auf so ein Spiel gegen Bayern zu konzentrieren. Schwieriger – und deshalb auch wichtiger – sind die Partien gegen die Kleinen, die gegen den Letzten oder Vorletzten der Tabelle. Wenn du das gut kannst, kannst du auch gegen die Guten gewinnen, sensationelle Spiele machen. Dafür müssen Labbadia und der HSV alles geben, auf und neben dem Platz. Da müssen sie sich steigern.

Das Spiel gegen Bayern kommt also gelegen?

Es kommt zumindest nicht ungelegen. Eine Mannschaft findet manchmal durch gute Auftritte in solchen Spielen wieder zueinander. Aber man muss auch sagen, dass es nicht einfach wird. Wenn man die Bayern im Moment sieht, muss man einfach sagen: Der HSV hat so gut wie keine Chance.

Einer, der bei Bayern derzeit heraussticht, ist Ihr Freund Franck Ribery.

Und wie! Aber mich überrascht das gar nicht, dass er so gut spielt. Ich habe acht Jahre mit ihm erlebt, ich kenne sein Leben, aber vor allem seinen Charakter sehr gut. Das ist ein Spieler, der Schwierigkeiten gehabt hat – aber er weiß, was im Leben wichtig ist, um wieder nach oben zu kommen. Er kennt den Fußball so gut wie kaum ein anderer. Er kann und wird niemals aufgeben. Er ist so ähnlich wie ich.

Inwiefern?

Ich war am Ende meiner Karriere 37, habe noch die WM gespielt, in der ersten Mannschaft. Weil ich nicht aufgeben kann. Ich war und bin so stolz darauf, in diesem Alter noch bei einem der besten Klubs der Welt gespielt zu haben. Andere sind schon in Katar oder China – und ich? Habe mit Toni Kroos und Thomas Müller gespielt, dagegen gehalten. Und genau so denkt Franck. Er wird weiter Gas geben ohne Ende. Er ist ein Gewinner!

Im Moment steht eine Vertragsverlängerung im Raum. Wie lange kann er denn noch so spielen?

Vielleicht ist es als Offensivspieler etwas anders als bei einem Verteidiger. Ich konnte am Ende schon mehr mit dem Auge machen – aber ich musste trotzdem auch mal sprinten. Franck braucht seine Schnelligkeit natürlich. Wenn das Eins-gegen-Eins nicht mehr geht, wird er ganz schnell vergessen werden. Weil er dann seine Macht nicht mehr hat.

Würden Sie Bayern raten, zu verlängern?

Ich spreche jetzt als Fußballmanager. Und ich sage: Ob es bei Bayern ist oder woanders, er wird sein Glück finden. Es wird sicher einige Optionen für ihn geben. Bayern könnte sein Gehalt auch in einen Jüngeren investieren – aber sie sollten sich das genau überlegen. Weil Franck eben ein Gewinner ist und ein Mann, der wichtig für das Image des Vereins ist. So war das bei mir auch. Die wussten: Ob ich auf der Bank sitze oder nicht, ich werde nie aufgeben. Der Trainer konnte sich immer auf mich verlassen, und Carlo Ancelotti kann sich auch auf Franck verlassen.

Was raten Sie Ribery?

Er wird das selbst entscheiden. Wenn ihm das Angebot in München gefällt, sagt er zu. Und wenn nicht, dann sind auch China, Katar, Dubai oder USA gute Optionen. Das würde ihn und seine Familie auch freuen. So wie er im Moment spielt, kriegt er überall einen guten Vertrag.

Wie sehen Sie als ehemaliger Innenverteidiger die zentrale Verteidigung der Bayern? In Boateng, Hummels und Martinez stehen da drei Topleute.

Das stimmt. Und Javi Martinez beeindruckt mich besonders. Ich habe ihn noch nie so gut gesehen wie im Moment. In der Vergangenheit haben sich immer alle gefragt: Wann sehen wir den Martinez, der 40 Millionen Euro wert ist? Man hat immer auf ein bisschen mehr von ihm gewartet. Jetzt sage ich: Jetzt ist er jeden Cent wert. Es hat gedauert, aber jetzt ist er richtig, richtig gut.

Schlaflose Nächte für Ancelotti?

Das ist nicht einfach für den Trainer – aber auch nicht schlecht. Carlo Ancelotti braucht viele Spieler. Je stärker die Bank, desto besser werden die Stammspieler. Ich kann Ihnen nicht sagen, wer auf die Bank muss. Aber auch einen Mats Hummels wird es mal treffen. Bei 60 Spielen im Jahr ist das aber auch ganz normal und nicht schlimm. Dann macht der eine 30 und der andere 30 Spiele. Und am Ende werden sie alle zufrieden sein.

Zwischendurch aber sicher auch unzufrieden.

Sie müssen professionell sein und das machen, für das sie geholt wurden. Es ist klar, dass einer sauer ist, wenn er nicht spielt. Dann heißt es eben: Im Training alles geben. Für Bayern ist der Konkurrenzkampf richtig, richtig gut. Er kann am Ende ausschlaggebend sein, um drei Titel zu gewinnen.

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