"Idole greifbar machen"

Strehmels Tipp: So wird der FC Bayern in den USA erfolgreich

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Alexander Strehmel (M.) fasst Fuß in den USA mit einer Fußball-Akademie.

Detroit - Rund eine Woche war der FC Bayern in den USA. Ziel der Tour: Fans gewinnen, Präsenz zeigen. Ex-Profi Alexander Strehmel, der in Detroit eine Fußball-Akademie aufbaut, hat einen Tipp, wie das gelingt.

Alexander Strehmel (48), der einst beim VfB Stuttgart mit Jürgen Klinsmann spielte und 1992 Meister wurde, startet einen neuen Lebensabschnitt: Er baut bei Detroit eine Fußballakademie auf. Sein Vater stammt aus den USA, als Kind zweier Welten erklärt er in unserem Interview, warum das Verhältnis seiner Landsleute zum Fußball so kompliziert ist.

Herr Strehmel, der FC Bayern versucht gerade, in den USA Fuß zu fassen. Ist das denn möglich?

Strehmel: Ich spreche da viel mit Jürgen (Klinsmann/d. Red.) – und er ist der gleichen Meinung wie ich: Fußball ist bei den Kids in den USA inzwischen ganz eindeutig die Nummer 1. Da ist also gewaltiges Potenzial. Zumindest in der Theorie.

Warum in der Theorie?

Strehmel: Um die Menschen in den USA zu erreichen, muss so ein FC Bayern ganz dringend seine Idole greifbar machen. Bisher sieht es nämlich so aus: Die Begeisterung gerade bei den Kindern ist groß, die kicken selbst unglaublich gerne. Aber wenn ich die Kids frage, ob sie am Abend vorher Fußball im Fernsehen angeschaut haben, etwa bei der EM, schütteln sie den Kopf. Weil es zu wenige Figuren für sie gibt, die sie da reinziehen. Sie schauen nicht einmal bei der eigenen Liga zu, und selbst bei ihrer Nationalelf nur bei einer WM. Bei Baseball sitzen 70 Prozent vor der Glotze. Da fehlt dem Fußball noch deutlich was, und ich kann den Bayern nur raten, sich mit ihren starken Identifikationsfiguren zu zeigen. Amerikaner suchen Idole.

Die Bayern haben ein Büro in New York, sind nun das zweite Mal in zwei Jahren zu Besuch. Ohne solche direkten Maßnahmen wird es also schwer, oder?

Strehmel: Wie die Bayern das machen, das ist super. Es ist wichtig, vor Ort zu sein - mit dem Büro, aber auch mit der Mannschaft in möglichst regelmäßigen Abständen. Und sie müssen dranbleiben. Ich war in letzter Zeit jetzt hauptsächlich in Detroit, da streckt der FC Liverpool gerade seine Fühler aus. Das geht schnell.

Stichwort Idole: Wo ist Münchner Potenzial?

Strehmel: Bastian Schweinsteigers Abschied aus München hat da schon ein bisschen wehgetan. Er ist hier schon vielen ein Begriff. Aber auch Manuel Neuer imponiert den Amerikanern. Er hat so eine ruhige Art, so eine Coolness. Er hat dieses Alleinstellungsmerkmal, das mögen die Fans hier.

Wie sieht es bei Thomas Müller aus? Die Amerikaner setzen Bayern ja gerne mit Deutschland gleich.

Strehmel: Müller hat mit seinen Toren bei den Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam gemacht. Das ist das, was ich sage: Nur, wenn du im Fernsehen präsent bist, kannst du hier im Fußball Menschen erreichen.

Inwiefern?

Strehmel: Die USA sind ein Land des Reagierens. Immer erst, wenn etwas passiert, sind die Menschen: United. Vereint. Die US-Sportarten sind im Grunde Sportarten des Reagierens. In der Regel erreichst du deine Erfolge über Gegenstöße. Im Fußball aber musst du was aufbauen, etwas entwickeln. Du musst dich auch mal freilaufen, ohne den Ball zu kriegen. Und die Amerikaner brauchen immer jemanden, der Anweisungen erteilt. Da ist nichts mit einfach mal so kicken. Da muss immer, immer, immer ein Trainer dabeisein, der die Richtung vorgibt.

Wie wird Jürgen Klinsmann in den USA gesehen? Er steht in der Kritik...

Strehmel: Er hat ein großes Problem: Die Amerikaner ticken einfach so, dass sie immer den Anspruch haben, die Besten zu sein. Sie akzeptieren nicht, dass sie im Fußball einfach noch gehörigen Aufholbedarf haben. Jürgen sagt immer: „Was wollen die Leute denn von mir? Ich spiele eine WM mit Spielern, die Zweitligaformat haben!“ Tatsächlich ist die Major League Soccer ungefähr Niveau Zweite Liga. Und die Amerikaner sagen auch: Der Klinsmann verdient viel Geld, der soll uns zum Weltmeister machen!

Was wird nun mit den USA und Fußball? Wenn so viele Kinder kicken, muss es einen Boom geben.

Strehmel: Wie gesagt: Die Popularität des Fußballs wächst. Aber es gibt noch ein großes Problem: Fußball ist in den USA irrsinnig teuer. Du zahlst da bis zu 4000 Dollar Klubbeitrag. Die unteren Schichten, wo hungrige Burschen sind, können sich das gar nicht leisten.

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