Unmut bei Ribéry und Müller

Gegen Atlético nicht in der Startelf: Der Ärger der Verbannten

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Nur Kurzarbeiter: Thomas Müller durfte gegen Atlético – wie Ribery – erst verspätet ran. Das behagte ihm gar nicht, was er auch zu verstehen gab.

München - Pep Guardiolas Entscheidung, Franck Ribéry und Thomas Müller in Madrid erst spät zu bringen, sorgt bei den Betroffenen für Unmut.

Franck Ribéry zog ein letztes Mal an diesem Abend das Tempo an. Er machte eine leichte Bewegung zur Seite, drehte sich um und sah die Gefahr im selben Moment. Sofort handelte Ribéry. „Non, non“, nuschelte der Franzose, zu diesem Spiel wolle er lieber keinen Kommentar abgeben. Und weg war er, hinein in den Schutz des Mannschaftsbusses.

Man musste am Mittwoch gar nicht hören, was Franck Ribéry zu diesem Spiel, das für ihn nur 26 Minuten dauerte, zu sagen hatte. Er ist ein zu schlechter Schauspieler, um seine Verstimmung über den Verlauf des Abends zu kaschieren. Ribéry war einer von zwei Bayern-Profis, die die meisten Beobachter im Champions-League-Halbfinal-Hinspiel bei Atlético Madrid fest in der Startformation erwartet hatten. Einer der prominentesten Beobachter war er selbst.

Pep Guardiola hatte vorgehabt, mit Douglas Costa und Kingsley Coman das Tempo auf den Flügeln zu erhöhen. Das war der Plan. Dass Coman (19) flinker unterwegs ist als sein 14 Jahre älterer Landsmann, erwies sich aber nicht als Vorteil, weil der Jüngere nicht annähernd so zwingend agierte und es zu selten Situationen gab, in denen er seine Geschwindigkeit gegen die kompakte Atlético-Defensive hätte ausspielen können. Nach 64 Minuten kam Ribéry für ihn.

Noch sechs Minuten länger musste Thomas Müller draußen bleiben. Das führte zu der zweiten großen Frage an diesem Abend neben jener, warum Ribéry und Müller nicht erste Wahl gewesen waren. Die ließ sich noch damit beantworten, dass der Trainer neben dem Tempo auf den Außenbahnen im Zentrum des Spiels mehr Stabilität und Absicherung gewährleisten wollte. Doch die zweite, fast noch dringlichere Frage lautete: Warum dauerte es so lange, bis die vermeintlichen Stammkräfte endlich mitwirken durften?

Anders als Ribéry setzte sich Müller mit diesen Fragen auseinander. Natürlich auf die typische Müller-Art. Vor einigen Wochen hat er für eine erfrischend ehrliche Antwort (es ging um die Motivation bei Test-Länderspielen) viel Kritik kassiert, deshalb will er künftig diplomatisch die Wahrheit umdribbeln. In Madrid äußerte er sich also diplomatisch. Aber er war immer noch ehrlich und deutlich genug.

„Wenn jeder, der nicht spielt, ausflippen würde, könnten wir die Saison vergessen“, gab Müller zu bedenken. Das heißt nicht, dass er innerlich nicht trotzdem ausgeflippt wäre. „Glücklich ist man nicht“, gestand er, aber „man sollte schon sehen, dass man seine Emotionen im Griff hat“. Deswegen werde er „versuchen, professionell damit umzugehen“. Ganz professionell gab er durch die Blume zu verstehen, dass ihm für dieses Manöver jegliches Verständnis fehlte. Dass der Spielverlauf Pep Guardiola im Nachhinein Recht gab, würde nicht mal Guardiola behaupten.

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Prägnante Szenen auf dem Platz hat Müller am Mittwoch zwar nicht zeigen können, aber sein Auftritt in der dritten Halbzeit war nicht weniger sehenswert. Der Weltmeister ist vielleicht der einzige Münchner Sieger in Madrid gewesen (zweiter Kandidat wäre Franck Ribéry). So konnte man auch die Worte von Philipp Lahm deuten, als er auf den taktischen Alleingang Guardiolas angesprochen wurde. Wie Müller sagte er wenig, aber zwischen den Zeilen doch ganz schön viel. Guardiola habe es nun mal so entschieden, „deswegen kann das auch nur der Trainer beantworten“.

Ihm jedenfalls, dem Kapitän, fiel offenbar keine schlüssige Erklärung dafür ein, warum ein gestandener, erfahrener Mann wie Ribéry und der stets torgefährliche Müller (acht Champions League-Treffer 2015/2016) keine Berücksichtigung fanden. Im bislang wichtigsten Spiel der Saison.

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