Vorstellung des neuen Trainers

Ancelotti: "Wir versuchen, in allen Wettbewerben zu gewinnen"

München - "Kein Magier, nur ein Manager!" Carlo Ancelotti gibt sich bei seiner Vorstellung als Bayern-Coach bescheiden - und lobt seinen Vorgänger.

Pep Guardiola begrüßte Nachfolger Carlo Ancelotti huldvoll mit einer persönlichen Nachricht im Trainerbüro auf Italienisch - doch der Bayern-Coach versuchte sich zu Beginn seiner Ära gleich in der Sprache seiner neuen Heimat. "Vielen Dank, ich bin sehr glücklich und stolz, hier zu sein", sagte Ancelotti bei seiner Vorstellung am Montag in der Münchner Allianz Arena in etwas holprigem, aber gut einstudiertem Deutsch.

Der Italiener begann seine Ära beim Rekordmeister um 11.04 Uhr im schwarzen Anzug mit hellblauem Hemd und dunkler Krawatte an der Seite des sichtlich zufriedenen Karl-Heinz Rummenigge. "Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, ihn für den FC Bayern zu gewinnen", sagte der Vorstandschef, "Carlo ist der richtige Trainer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir werden eine wunderbare, große Partnerschaft haben."

Botschaft von Vorgänger Pep Guardiola

Ancelotti reagierte auf die warmen Worte mit dem für ihn typischen Heben der linken Augenbraue; seine kanadische Ehefrau Mariann machte im mit zwei Dutzend Kameras und rund 100 Journalisten gut gefüllten Medienraum stolz Handyfotos von ihrem Carlo. Dann legte Ancelotti im Stile eines Weltmannes los.

Carlo Ancelotti.

"Ich fühle mich sehr gut, weil ich bei einem der besten Klubs in der Welt bin", sagte er in seiner kurzen, auf Deutsch gehaltenen Eingangserklärung, ehe er ins Italienische und Englische wechselte. "Ich liebe es, hier zu sein", meinte Ancelotti, und "habe große Lust" auf die neue, zunächst bis 2019 befristete Aufgabe. Sein "Freund" Guardiola habe ihm ein wunderbares Fundament hinterlassen. Sowie, in grüner Schrift auf der weißen Wand im Trainerbüro, die selbst geschriebene Botschaft: "Con tanta stima, un grande in bocca al lupo, Carlo!!" - Mit aller Wertschätzung: Viel Glück, Carlo!

Ancelotti bedankte sich artig für diese "sehr freundliche" Geste. Guardiola habe "einen fantastischen Job" gemacht, "ich bin nicht hier, um eine Revolution zu starten, ich möchte seinem Stil folgen". Und doch hob sich der Mann, der als Spieler und Trainer fünf Mal die Champions League gewann, deutlich von Guardiola, dem Taktik- und Ballbesitzfetischisten, ab. "Für einen Trainer ist die Beziehung zu den Spielern am wichtigsten, er muss sie respektieren, von seiner Idee vom Fußball überzeugen", sagte er: "Wenn sie nicht überzeugt sind, kann ich diese Idee ohne Probleme verändern."

Bilder: Ancelottis erster Auftritt als Bayern-Trainer

Das Wort "Triple" fiel in der knappen Dreiviertelstunde, die Ancelotti vor einem überdimensionalen Porträt seiner Selbst sprach, kein einziges Mal. "Viele Leute fragen mich nach dem Druck, aber das bin ich gewohnt", sagte der 57-Jährige, der bei Weltklubs wie Juventus Turin, AC Mailand, FC Chelsea oder Real Madrid arbeitete. "Ich hatte das Glück, top, top Teams zu trainieren, und jeder dieser Klubs will gewinnen. Ich liebe meinen Job, aber ich bin kein Magier, ich bin nur ein Manager."

Aber was für einer! Rummenigge berichtete lächelnd, der FC Bayern habe die ebenfalls interessierte, überaus finanzstarke Konkurrenz aus England ausgestochen. Die Gespräche mit Ancelotti seien "unkompliziert" verlaufen: "Wir wollten beide, dann hat man sich die Hand gegeben - und das Thema war durch." Nach der Vorstellung überreichte der Bayern-Boss seinem neuen leitenden Angestellten ein rotes Trikot, dazu gab es unter den Klängen einer Blaskapelle eine Lederhose.

Während Ancelotti am Nachmittag (16.30 Uhr) noch ohne EM-Teilnehmer zum ersten Training bat, dachte Rummenigge schon weiter. "Ich würde die Tür nicht komplett zumachen", sagte er über mögliche weitere Verpflichtungen nach Mats Hummels und Renato Sanches. Bei Mario Götze und Medhi Benatia, das klang deutlich durch, stehen die Zeichen dagegen auf Trennung, Pierre-Emile Höjbjerg wechselt zum FC Southampton. Dazu passten Ancelottis Schlussworte: "Danke, auf Wiedersehen!

SID

Rubriklistenbild: © dpa

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