Neuer Bayern-Trainer vorgestellt

Angenehm anders: So war Ancelottis erster FCB-Arbeitstag

München - Jetzt also Carlo Ancelotti statt Pep Guardiola: Bayerns neuer Trainer hatte am Montag seinen ersten Arbeitstag beim Rekordmeister. Und irgendwie wirkt alles entspannter, lockerer.

Beim FC Bayern wirken sich Bewegungen auf dem Trainerstuhl konsequent auf die örtliche Küche in der Allianz Arena aus. Zu Jupp Heynckes’ Abschied vor drei Jahren gab es Rheinischen Sauerbraten, zu Pep Guardiolas Antritt spanische Tapas und gestern zauberten die Fröttmaninger Köche also Pasta. Mit Parmesan. Immerhin sollte sich der neue Mann an der Seitenlinie des FCB direkt heimisch fühlen in seinem neuen Wohnzimmer, dafür sorgte Carlo Ancelotti dann aber doch selbst. Mit ruhiger Stimme und durchdachten Worten. Mit Bodenständigkeit.

Carlo Ancelotti begrüßt die Zuschauer beim ersten Training unter seiner Leitung.

Ähnlich wie damals Guardiola hatte sich auch Ancelotti rausgeputzt. Schwarzer Anzug, hellblaues Hemd, dunkle Krawatte. Und ähnlich wie der Spanier legte auch der Italiener in holprigem, aber sicherem Deutsch los. „Ich bin sehr glücklich und stolz, hier zu sein“, sagte der 57-Jährige, danach ging es auf englisch und italienisch weiter. Und auch wenn der Ex-Trainer von Kalibern wie Real Madrid, Paris Saint-Germain, Chelsea London oder AC Mailand dort oben auf dem Podium insgesamt fünf Champions-League-Titel vereinte, war doch alles etwas entspannter als bei Guardiola. Gelockerter. 100 statt über 200 Journalisten, weniger Blitzlicht, keine große Show. Weil Ancelotti kein Showman ist. Auch kein Schwarz-Weiß-Denker wie Pep. Sondern eben Ancelotti.

„Ich bin nicht hier, um eine Revolution zu starten. Ich möchte seinem Stil folgen“, sagte der Mister und würdigte die Arbeit seines Vorgängers. Einen „hervorragenden Job“ habe Guardiola gemacht, gleichwohl stellte der Italiener klar, dass er auf andere Dinge wert legt. Carletto: „Für einen Trainer ist die Beziehung zu seinen Spielern am wichtigsten. Er muss sie respektieren und von seiner Idee von Fußball zu überzeugen.“ Und fügte an: „Wenn sie nicht überzeugt sind, kann ich die Idee ohne Probleme verändern.“ Worte, die unter Guardiola undenkbar gewesen wären. Weil Ancelotti den Stil nach seinen Spielern konzipiert, nicht seine Spieler nach einem Stil.

Womöglich deswegen unterstrich Karl-Heinz Rummenigge, der zu seiner Rechten Platz genommen hatte, dass Ancelotti „der richtige Trainer zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ sei. Und was dieser Ort bedeutet, darüber ist sich der Italiener bewusst. „Dieser Verein muss jedes Jahr versuchen, die Champions League zu gewinnen“, miasanmiate Ancelotti, betonte jedoch, dass er überhaupt keinen Druck verspüre. „Ich bin es gewohnt, damit zu leben. Ich hatte das Glück, Top-Teams zu trainieren, und jeder dieser Klubs will gewinnen. Aber ich fühle keinen Druck, weil ich meinen Job liebe“, so Ancelotti, der mit hochgezogener Augenbraue ergänzte: „Im Fußball kannst du alles kontrollieren. Alles, bis auf das Ergebnis. Könnte ich das, wäre ich ein Magier und kein Trainer.“

Guardiolas Zauberkräfte jedenfalls haben in drei Jahren nicht für den Henkelpott gereicht, und dafür hat er seinem Nachfolger nun die nötige Portion Glück gewünscht. „In bocca al lupo“, hat der Spanier in grüner Schrift auf die weißen Wände seines ehemaligen und Ancelottis jetzigem Büro an der Säbener Straße geschrieben, verriet Carlo. Zu übersetzen mit: Toi, toi, toi. Ancelotti bedankte sich artig. „Das war sehr freundlich“, so der Mister. „Mein Ziel ist, dass wir wettbewerbsfähig sind. Dafür werde ich alles geben.“ Und wer weiß: Vielleicht gibt es in drei Jahren, nämlich dann, wenn der Vertrag des Italieners in München endet, erneut Pasta. Nur diesmal zum Abschied. Und mit silbernen Pokalen anstelle von weißem Parmesan als Beilage.

Rubriklistenbild: © dpa

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