Vor dem Rückspiel FCB-Atlético

Ex-Madrid-Spieler Votava: Atletico so stark wie Real

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Mirko Votava (r.) und sein ehemaliger Trainer Otto Rehhagel.

München - Mirko Votava hat 546 Spiele in der Bundesliga absolviert. Doch der Ex-Bremer und Dortmunder war auch in Spanien erfolgreich. Was er über seinen ehemaligen Klub Atlético weiß.

Mirko Votava ist bis heute der älteste Torschütze der Bundesliga (damals zählte er 40 Jahre und 121 Tage) und liegt mit 546 Spielen für Dortmund und Bremen auf Platz fünf der Profis mit den meisten Einsätzen im deutschen Fußball-Oberhaus. Er feierte mit Werder je zwei Meisterschaften und DFB-Pokalsiege, wurde 1980 mit Deutschland Europameister – und gewann 1985 mit Atletico Madrid den spanischen Pokal. Der 60-Jährige, jetzt im Bremer Trainerstab, absolvierte von 1982 bis 1985 für den heutigen Gegner des FC Bayern 95 Partien (9 Tore). Im Interview erklärt er, wie Atletico so tickt.

Herr Votava, wie kam es 1982 eigentlich zu Ihrem Wechsel zu Atletico?

Mirko Votava: Ich hatte damals gerade bei Dortmund einen neuen Vertrag verhandelt. Aber wir sind zu keiner Einigung gekommen. Ein Journalist vom „kicker“ hatte dann gute Kontakte nach Spanien, und er empfahl mich bei Atletico.

Sie wechselten für 1,3 Millionen Mark – das war damals Rekord-Ablöse.

Votava: Ja, man muss schon schmunzeln, wenn man die Zahlen heute so hört. Verglichen mit dem, was jetzt im Fußball gezahlt wird, ist das ja nicht ganz so viel. Aber damals war das schon eine ganz schöne Summe. Atletico wollte einfach genau so einen Spielertypen wie mich für die Position im defensiven Mittelfeld.

Der Wechsel ging einen Tag vor dem Saisonstart über die Bühne.

Votava:Es war sehr eng, auf den allerletzten Drücker. Meine Frau musste alles hier in Deutschland alleine regeln, Haushalt auflösen und so weiter. Im ersten Jahr hatte ich ein paar Probleme. Weil alles schnell gegangen war, hatte ich mich ja nicht vorbereiten können. Ich sprach zum Beispiel kein Spanisch. Als ich klein war, haben wir eine Weile in Australien gelebt, also habe ich dann in Madrid erst mal wieder das Englisch ausgepackt. Hugo Sanchez, der Mexikaner, konnte englisch, auch ein paar Leute in der Führungsetage. Letztlich habe ich mich durchgesetzt. 95 Spiele, neun Tore, alles sehr gut so. Herrliche Erfahrung, tolle Stadt.

FC Bayern gegen Atlético im Live-Ticker.

Was prägt dieses Atletico in Ihren Augen?

Votava:Man hört und liest das ja immer, dass Atletico im Gegensatz zu Real Madrid der Arbeiterverein ist. Das stimmt schon, die Zeiten haben sich aber ein bisschen geändert, weil sich Atletico in Spanien an der Spitze etabliert hat. Es ist aber nach wie vor ein kleiner Verein. Noch heute arbeiten Freunde von mir von damals in der Führung, und sie versuchen weiterhin, das Bodenständige zu verkörpern.

Ist da auch immer ein Kampf, um aus dem Schatten des königlichen Reals herauszutreten?

Votava:Würde ich gar nicht mal sagen. In den Derbys geht es natürlich hoch her, aber bei Atletico schauen sie gar nicht so sehr auf Real. Sie schauen auf sich selber. Sie haben ihren Stolz, ihre Identität, sie wissen: Sie müssen sich nicht verstecken. Es ist aber auch klar, dass es dich immer motiviert, wenn du so ein Real in der gleichen Stadt hast: Du willst auch auf dieses Niveau. Und Atletico hat es auf Reals Niveau geschafft. Sie bieten den Großen in Spanien regelmäßig Paroli, auch Real. Das ist gut für die Stadt. Atletico Madrid hat in den Ohren der Fans in Spanien längst auch einen sehr guten Klang.

Atlético wird Nadelstiche setzen

1985 holten Sie den Pokal, es war der erste Titel nach der Meisterschaft von 1977. Wie war die Feier? Die Spieler von Real baden gerne in einem Brunnen mitten im Stadtzentrum.

Votava:Es ist ja bekannt, dass Südländer immer super feiern können. Das ist die Mentalität dort. Und wir haben auch wirklich richtig gefeiert. Mich haben sie damals in unser Schwimmbad geworfen.

Der Top-Star Sanchez wechselte zu Real – gab es da Zeter und Mordio?

Votava:Nein, gar nicht. Er war allen sympathisch. Die Leute haben das akzeptiert. In Spanien gönnen die Fans den Spielern etwas mehr als in anderen Ländern. Es ist ok, einen gewissen Luxus zu leben. Solange du dafür deine Leistung bringst und alles gibst.

Trainer Diego Simeone verkörpert Atletico wie kein Zweiter. Passt er dort wie die Faust aufs Auge?

Votava:Ich kenne ihn nicht persönlich, aber er ist sehr ehrgeizig und emotional. Das passt. Entsprechend holen sie auch ihre Spieler. Bei Atletico gehört aber Disziplin immer dazu. Ich hatte damals Luis Aragones als Trainer, da lief das so: An Silvester bist du am 31. Dezember heim zur Familie, zum Anstoßen. Aber am 1. Januar musstest du wieder spielen. Das war wie unter Otto Rehhagel später bei Bremen.

Was macht Atletico heute so unangenehm?

Votava:Sie spielen defensiv wirklich sehr gut. Atletico wird im Rückspiel gegen Bayern genauso verteidigen wie im Hinspiel. Und dann Nadelstiche setzen. Für ihre Konter haben sie brandgefährliche Spieler wie Fernando Torres und Antoine Griezmann. Das Umschaltspiel ist phänomenal, deshalb tun sich alle Gegner gegen Atletico so schwer. Es wird eine sehr enge Kiste. Ich denke aber, dass die Bayern es noch schaffen werden.

Ist der Gewinner auch der Favorit im Finale?

Votava:Nein, das wird wieder ein ganz anders Spiel. Und so ein Finale ist auch oft von Taktik geprägt, oft leidet dann leider das Spiel darunter. Wissen Sie, was mir zuletzt am besten gefallen hat? Dortmund gegen Liverpool! Das war echter Fußball. Richtig gut.

Wie sind Ihre Erinnerungen an Duelle mit dem FC Bayern als Aktiver?

Votava:Die Spiele waren alle gut, alle. Auch das Spiel mit unserem verschossenen Elfmeter von Michael Kutzop. Du hast dich damals auf Duelle mit den Bayern gefreut – und du warst traurig, wenn du ausgerechnet in diesen Spielen verletzt warst. Gegen Bayern war genial. Wir hatten oft nichts zu verlieren – und oft genug haben wir sie ärgern können.

FC Bayern gegen Atlético Madrid im TV: Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie das Spiel FC Bayern München gegen Atlético Madrid live im TV und im Live-Stream sehen können.

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