Niederlage im Duell gegen Simeone

Pep hat sich nicht zum ersten Mal verzockt

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Autsch, das ging schief: Guardiolas Anfangstaktik gegen Atlético funktionierte nicht.

München - Nicht zum ersten Mal hat sich Pep Guardiola am Mittwoch taktisch verzockt. Nun muss der Spanier im Rückspiel gegen Atlético beweisen, dass er lernfähig ist.

Zugegeben: Ein Halbfinale der Champions League ist eines dieser Spiele, bei denen es sein Gegenüber zu überraschen gilt. Gegen Kaliber wie Real Madrid, den FC Barcelona oder auch Atlético Madrid reicht es nicht aus, wie im Bundesliga-Alltag seinen gewöhnlichen Stiefel herunterzuspielen. Es bedarf der besondern Schachzüge, so wie jenem von Diego Pablo Simeone. Der Atléti-Trainer überraschte die Roten, indem er nicht abwartend agierte, sondern die Münchner früh angehen ließ und mit dem 1:0 belohnt wurde. Pep Guardiola hingegen ließ Thomas Müller und Franck Ribéry auf der Bank und setzte auf das Dreieck Alonso-Thiago-Vidal im Mittelfeld (Pep: „Ich wollte einen Mann mehr im Zen­trum“). Belohnt wurde das nicht. Und das nicht zum ersten Mal im einem Spiel dieser Bedeutung.

Die ersten ungläubigen Gesichter gab es bereits in seinem ersten Jahr beim Rekordmeister. Genauer gesagt im Halbfinale der Königsklasse gegen Real Madrid, bei dem die Bayern in zwei Spielen insgesamt 5:0 untergingen. Obwohl Javi Martínez gerade im Triple-Jahr unter Jupp Heynckes den Abräumer par excellence im Zen­trum abgegeben hatte, ließ Pep den Spanier gegen die konterstarken Königlichen in beiden Spielen auf der Bank, worauf die Kontermaschinerie der Blancos um Cristiano Ronaldo und Gareth Bale den Rekordmeister überrollte. Beim Rückspiel ebenfalls nicht in der Start­elf: Ein gewisser Thomas Müller.

Ein Jahr später gegen Barcelona durfte der Ur-Bayer zwar vom Beginn an ran, Unverständnis angesichts einer weiteren Trainer-Entscheidung gab es aber ebenfalls. Kaum hatte Messi die Katalanen in der 77. Minute in Führung gebracht, nahm Guardiola Müller vom Platz, worauf es noch zwei weitere Kisten hagelte. Die Reaktion des Torjägers in Richtung Pep damals: „Kann diese Scheiße endlich aufhören?“ Ähnliches dürfte damals auch Mario Mandzukic durch den Kopf gegangen sein, als ihn der spanische Coach beim Pokalfinale 2014 gegen den BVB kurzerhand aus dem Kader strich. Aus disziplinarischen Gründen. „Er könnte spielen“, so Guardiola damals. „Es ist meine Entscheidung, das ist alles.“ Die Roten bezwangen die Dortmunder dennoch 2:0, um die Tore kümmerten sich anstelle des Kroaten Arjen Robben und – siehe da: Thomas Müller in der 123. Minute.

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Ein Jahr später sah es gegen die Borussia nicht mehr allzu gut aus. Im Halbfinale des DFB-Pokals unterlag der Rekordmeister der Klopp-Truppe mit 1:3 nach Elfmeterschießen, zuvor hatte sich Guardiola jedoch in den Augen von Lothar Matthäus erneut deutlich vercoacht. Nicht nur, dass er einige der Spieler wie Philipp Lahm, Medhi Benatia, Xabi Alonso, Juan Bernat und Thomas Müller auf ungewohnten Positionen spielen ließ, er brachte auch Bastian Schweinsteiger viel zu spät in die Partie. „Hätten alle auf ihren besten Positionen gespielt, hätte Bayern nicht nur dominiert, sondern das Spiel entschieden“, so Matthäus damals.

Und nun? Muss Guardiola in einem Halbfinal-Rückspiel erneut einem Rückstand hinterherlaufen. Wie 2014 gegen Real und 2015 gegen Barça. Bleibt nur zu hoffen, dass er im Rückspiel gegen Atlético diesmal die richtigen Schlüsse zieht und damit nicht nur die Zuschauer, sondern auch Simeone überrascht.

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