Schalke erwartet den Rekordmeister

Schöpf vor FCB-Spiel: "Oft ist man als Gegner demoralisiert"

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Alessandro Schöpf spielte für den FC Bayern, trägt nun aber Königsblau.

Gelsenkirchen/München - Bis 2014 spielte Alessandro Schöpf noch für den Rekordmeister. Mittlerweile ist der Ex-Bayer bei Schalke 04 gelandet. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht er über Schalkes Matchplan, Rettungstaten und Alabas Hilfe.

2014 war er noch beim FC Bayern, bis zum vergangenen Winter beim 1. FC Nürnberg – inzwischen aber ist Alessandro Schöpf durch und durch königsblau. Im Interview spricht der 22-Jährige über alles, was war, und alles, was kommen wird: Seinen Sprung zum österreichischen Nationalspieler, seine Ziele mit Schalke – und das heutige Duell mit dem FC Bayern.

Herr Schöpf, bei unserem letzten Interview sagten Sie, Sie kommen mit viel Schwung – im sechsten Gang – nach München. Damals verlor Schalke 0:3. Geht man diesmal im Vorfeld lieber runter vom Gas?

Alessandro Schöpf: Wir hoffen natürlich, dass es zu Hause anders läuft als im Frühjahr in München. Da ist es aber natürlich auch ein bisschen schwieriger. Zuhause haben wir die eigenen Fans im Rücken – auch deshalb wollen wir unbedingt punkten.

Christian Heidel nannte Bayern diese Woche – verglichen mit der Formel 1 – den Mercedes, Schalke den Ferrari. Mit viel Rückstand und viel Potenzial. Passt der Vergleich?

Schöpf: (lacht) Ich glaube, das trifft es ganz gut. Das Potenzial haben wir in unseren Reihen, obwohl wir uns den Einstand natürlich anders vorgestellt haben. Ein 0:1 in Frankfurt wollte niemand. Wir müssen es deshalb nun auch auf den Platz bringen, als Mannschaft. Zusammenrücken und erfolgreich sein.

Schöpf: "Wenn wir alles geben, kann uns keiner einen Vorwurf machen"

Nach dem 3:0 der Bayern hieß es in der Rückrunde, das war ein „lockerer“ Sieg.

Schöpf: Genau das darf uns nun nicht passieren. Man kann ja Spiele verlieren – aber die Frage ist immer wie. Wenn wir alles reinhauen, geben, versuchen, kann uns keiner einen Vorwurf machen.

Nach dem 6:0 gegen Bremen ist eine Diskussion über die Einstellung der Bayern-Gegner entfacht. Spricht es sich da als Außenstehender leichter – oder ist die Kritik berechtigt?

Schöpf: In Teilen ist sie mit Sicherheit berechtigt. Denn oft macht man als Gegner den Fehler, dass man demoralisiert ist, wenn die Bayern 1:0 in Führung gehen. Dann denkt man vielleicht: Wir müssen in erster Linie aufpassen, dass wir nicht noch drei, vier Stück bekommen. Man muss aber einfach weitermachen! Es kann auch gegen andere Mannschaften in der Bundesliga passieren, dass man mal in Rückstand gerät. Dann versucht man aber, das Spiel zu drehen. Das muss man auch – oder gerade – gegen die Bayern auch machen.

Muss man sich auf ein Spiel gegen Bayern mental besonders vorbereiten?

Schöpf: Ja. Das ist besonders wichtig, denn spielerisch ist Bayern in der Liga ja sowieso eine Klasse für sich. Man weiß, dass man den Ball nicht so viel haben wird wie in anderen Spielen, ihm auch mal viel hinterherlaufen muss. Man kann da sein eigenes Spiel nicht so aufziehen. Deshalb muss man einfach zunächst mal versuchen, stabil zu stehen, den Bayern das Leben schwer machen. Man muss alles reinhauen, alles geben, ihnen auf den Füßen stehen. Man kann Bayern vor allem über die Einstellung schlagen.

Heißt also, Sie wollen wieder so gut stehen wie im Spiel mit Österreich gegen Georgien? Wegen Ihrer Rettungstat war der Sieg möglich.

Schöpf: Da bin ich goldrichtig gestanden, das kann man so sagen. Wäre ich da nicht gestanden, wäre der Ball reingegangen. Dann hätten wir wahrscheinlich nicht gewonnen. Und ich sage Ihnen: Ich hatte noch Angst, ihn nicht zu treffen. Auf dem Platz war es nicht einfach, der war holprig, der Ball ist gesprungen. Da muss man sich genau konzentrieren – sonst sieht es gleich peinlich aus (lacht). Aber es ist ja gut gegangen. Ich würde es durchaus gegen Bayern wieder so machen.

Schöpf: Von der Qualität in der Bundesliga habe ich profitiert

Normalerweise machen Sie eher durch Offensivaktionen auf sich aufmerksam – arbeiten aber stark an Ihrer Defensivarbeit. Sind Sie jetzt schon ein besserer Fußballer als bei Ihrem Wechsel nach Schalke im Winter?

Schöpf: Definitiv. Von der Qualität in der Bundesliga habe ich profitiert, einiges dazugelernt. Und auch durch die Erfahrung in der Nationalmannschaft – der Wechsel hat meinen Traum möglich gemacht, für Österreich zu spielen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Jetzt schon.

Inwiefern hat die EM Sie geprägt?

Schöpf: Enorm. Bei so einem Turnier dabei zu sein, ist unbeschreiblich. Dass ich auch noch das einzige Tor für Österreich geschossen habe, war ein kleines Zuckerl. Es war schön, dass ich da im letzten Spiel noch treffen konnte, der Mannschaft geholfen habe. Nichtsdestotrotz haben wir uns das doch alles anders vorgestellt. Wir wollten unbedingt ins Achtelfinale. Aber es hilft nichts. Wir müssen es abhaken. Jetzt geht es um eine gute WM-Qualifikation.

. . . die Sie als Joker oder als Stammspieler prägen werden?

Schöpf: Das weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass ich immer von Beginn an spielen möchte. Ich gebe Gas, biete mich an. Aber der Trainer hat viele Möglichkeiten, viele Optionen. Ich bin eine von ihnen. Aber eine gute (lacht).

Wie ist Ihr Status bei Schalke 04?

Schöpf: Bei uns im Kader werden alle Spieler gebraucht werden, da bin ich mir sicher. Wir haben noch viele, viele Spiele vor uns, da wird nicht immer mit der gleichen Aufstellung gespielt werden. Deshalb mache ich mir jetzt gar keinen Kopf darüber, dass ich im ersten Spiel nicht gespielt habe.

Max Meyer ist relativ fit aus Rio zurückgekommen, das Olympische Turnier scheint ihm nicht wirklich in den Knochen zu stecken. Als Konkurrent um einen Platz in der Offensive ist das eher blöd, oder?

Schöpf: Naja . . . mich freut es erst mal, dass er bei uns spielt und so gut spielt. Es wäre ja nicht so gut, wenn er gegen uns spielen würde (lacht). Viel Qualität in der Mannschaft ist kein Nachteil. Natürlich ist der Konkurrenzkampf groß bei uns, aber das macht mich ja nicht schlechter. Im Gegenteil. Ich kann davon profitieren, dass Max so stark ist.

So lange laufen die Verträge der Bayern-Stars

Kommt aber etwas Wehmut auf, wenn man sieht, wie gut einem anderen so ein erfolgreiches Großereignis getan hat?

Schöpf: Klar, da denkt man drüber nach. Ich war schon sehr traurig nach dem Ausscheiden. Ich wäre so gerne noch weiter mit der Mannschaft zusammen gewesen, bei der EM geblieben. Das hat wehgetan! Und natürlich wäre es auch gut gewesen, sich weiter auf weltweiter Bühne zu zeigen.

Der Guardian in England hat Sie trotzdem als eines der zehn größten europäischen Talente bezeichnet. Stimmt das?

Schöpf: Das müssen Sie beurteilen – aber es ehrt mich. Natürlich freut einen so eine Auszeichnung, trotzdem werde ich mich ganz bestimmt nicht darauf ausruhen. Mich bremst so etwas nicht, mich spornt so etwas an. Also versuche ich, diesem Ruf gerecht zu werden.

Wie sehr fördert Sie Markus Weinzierl?

Schöpf: Sehr. Er redet viel mit uns, auf dem Platz und daneben. Wir arbeiten daran, dass seine Spielphilosophie in unser Blut übergeht, dass wir als Einheit funktionieren. Da haben wir schon sehr große Schritt nach vorne gemacht.

Schöpf: "Ruhe kehrt im Fußball immer dann ein, wenn Erfolg da ist"

Herrscht unter ihm mehr Ruhe als unter Andre Breitenreiter?

Schöpf: Ruhe kehrt im Fußball immer dann ein, wenn Erfolg da ist. Und genau daran arbeiten wir hart und sind auf einem sehr guten Weg.

Markus Weinzierl bezeichnet die nächsten Wochen als „große Herausforderung“.

Schöpf: Und damit hat er Recht. Wir haben ein spannendes Programm vor uns, das wir erfolgreich gestalten wollen. Jedem ist bewusst, dass es jetzt richtig los geht.

Didi Hamann hat prognostiziert, dass Schalke Zweiter wird. Dann kommt es ja jetzt zum echten Topspiel, oder?

Schöpf: Absolut. Das wird ein richtiges Topspiel, von den Namen her und auch so. Wir werden sehen, auf welchem Niveau es stattfinden wird. Aber ich denke, auf einem hohen. Die Fans freuen sich – und wir auch.

Ist man als Spieler besonders interessiert daran, zu wissen, wo man im Vergleich mit Bayern steht?

Schöpf: Auf alle Fälle. Man will Bayern schlagen, das ist das Hauptziel. Das ist ein Topklub in Europa, das sorgt für weltweites Aufsehen, wenn man so jemanden ärgern kann. Wir wollen deshalb glänzen am Freitag.

Weinzierl ist ein Bayern-Kenner. Mit Augsburg hat er zwei von acht Spielen gewonnen.

Schöpf: Ich hoffe, dass er das beibehält (lacht).

Und Sie sind heiß auf das Trikot von Franck Ribery, Ihrem Vorbild?

Schöpf: Damit beschäftige ich mich wenn erst nach dem Spiel. David Alaba wäre dann ja bestimmt ein guter Vermittler (lacht).

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